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Faszinierende Tischlerarbeiten aus Südtirol

Faszinierende Tischlerarbeiten aus Südtirol
»Holz verbindet Zeit und Raum«

Reinhold Stoll lebt und arbeitet als selbstständiger Tischler in seinem Geburtsort Taisten, Südtirol. Der Spagat zwischen seiner Alltagsarbeit und der Leidenschaft für freie künstlerische Möbelentwürfe ist ein Lebensthema. Hier lassen wir ihn selbst zu Wort kommen.

Holz ist mehr als ein Werkstoff. Es verbindet Zeit und Raum, bewahrt den Zugang zur Natur und überzeugt in seiner ökologischen Bilanz. Unser Ziel ist es, mit jeder anvertrauten Aufgabe den Anforderungen an den zu gestaltenden Raum und dessen Möbel bestmöglich gerecht zu werden, Raum für den Nutzer erlebbar zu machen. Ich trage gewissermaßen immer zwei Seelen in mir. Einmal ist da die alltägliche Tischlerarbeit, bei der ich die Inneneinrichtung eines Hauses zeichne, Möbel anfertige und einbaue. Der Schwerpunkt liegt auf Massivholz, vor allem bei Möbeln. Flächenbündige, raumhohe Verkleidungen sind nicht immer in Massivholz umsetzbar, dann wird eben furniert. Die Tischlerarbeit ist meine Erwerbsarbeit, auch um den Betrieb wirtschaftlich weiterzubringen. Der Fokus liegt dabei konsequent auf zeitgemäßer puristischer Gestaltung. Dabei trete ich immer mit den Bauherren und den Planern in einen Dialog.

Reduktion bis zum Nichts

Die zweite Seele in mir brennt für die freien Arbeiten! Das ist das, was ich eigentlich machen möchte, aber es ist schwierig, nur davon zu leben. Es entstehen im Jahr ein bis drei freie Möbel, das sind an mich selbst gestellte Aufgaben, für die ich mir frei nehme. Dabei entwickeln sich Möbel mit skulpturalem Charakter, die frei im Raum aufgestellt werden, wo die Rückseite die gleiche Berechtigung wie die Vorderseite hat. Aus dieser Arbeit schöpfe ich zugleich neue Formen und Details, die dann in meinen Tischleralltag einfließen. Es entsteht eine Eigenständigkeit in der Form und im Ausdruck, die ein »Erkennungsmerkmal« hervorruft. Mich fasziniert die Skulptur, besser: die Beziehung von Skulptur als Raumkörper und Raum. Ich möchte bis zum Minimum weiter reduzieren, bis fast hin zum Nichts, das ist das Ziel. Aber trotzdem möchte ich in einen Ausdruck dabei kommen.

Ganz jung bin ich nicht mehr und kann mir auch erlauben, mal weniger zu tun. Ich komme aus einer Generation, die das Tischlerhandwerk von der Pieke auf gelernt hat. Das bedeutet anders ausgedrückt, ich habe die Massivholzverarbeitung verinnerlicht und lebe sie. Diese Erfahrung in der Werkstatt mit dem Material bildet die Grundlage meines Tuns und sie ist Ausgangspunkt jeder einzelnen Arbeiten. Ich bin kein Technikfreak, bin daher eher analog unterwegs und zeichne vorwiegend noch von Hand.

Ein freier und kreativer Kopf

Durch Handarbeit ergeben sich andere konstruktive Lösungen als solche, die ein CAD-Programm täglich entstehen lässt und erstellen muss. Der physische Umgang mit dem Material, die daraus resultierenden Kenntnisse sowie Leichtigkeit im Umgang mit Holz schaffen Freiheit im Kopf und erzeugen Kreativität. Gestaltung ist für mich, Proportion und Konstruktion in Harmonie zu bringen. Ich habe das Gespür dafür, Form und Konstruktion zu verbinden. Das hat sich in Garmisch–Partenkirchen zuerst an der Meisterschule und später an der Fachakademie vertieft. Dabei habe ich erkannt, wie viel Potenzial noch in der Form liegt. Diesen Weg gehe ich seit 30 Jahren – und habe eine große Freude am Lernen, immer noch.

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Hubert Neumann ist selbst Schreinermeister und Gestalter der Fachrichtung Holztechnik. Reinhold Stoll fasziniert ihn in der Stringenz des Denkens und Tuns – sobald es Corona zulässt, wird der Besuch im Pustertal nachgeholt!


Steckbrief

Reinhold Stoll ist 1958 in Taisten, Südtirol geboren. Seit 1984 eigene Werkstatt mit zwei Mitarbeitern. Meisterschule und Fachakademie für Raum- und Objektdesign in Garmisch-Partenkirchen.

Tischlerei Stoll
I-39035 Welsberg-Taisten (BZ)

www.reinhold-stoll.it

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