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Schiebetüren: alles, was man wissen muss

Gestaltung, Konstruktion, Technik
Schiebetüren: alles, was man wissen muss

Schiebetür
Schiebetüren sind im Trend. Symbolbild: Hawa AG

Alles, was man über Raumnutzung, Barrierefreiheit, Design, Funktion, Beschlagtechnik und Kosten von Schiebetüren wissen muss, erläutert der folgende Beitrag.

Um was es geht – und um was nicht

Es geht in diesem Beitrag um Schiebetüren in Gebäuden, also um Innentüren. Schiebetüren sind in der Regel hängend geführt und damit oben laufend.

Es geht nicht um Schiebetüren an Möbeln und auch nicht um Hebeschiebetüren an Terrassen und Balkonen. Erstere gehören zum Thema Möbelbau, sie sind keine Bauelemente. Letztere sind eigentlich bodentiefe Fenster und gehören zum Fensterbau. Weggelassen sind hier auch Schiebeläden, die an Fenstern die Roll- oder Klappläden ersetzen. Und ebenso nicht berücksichtigt sind die beweglichen Fensterfronten der Läden und Cafés in Einkaufszentren, meist als Falt-Schiebe-Konstruktion ausgeführt.

Gleittürsysteme (auch Schiebetürsysteme oder korpusunabhängige Schiebetüren genannt), meistens raumhoch, wie man sie von begehbaren Kleiderschränken kennt, sind zwischen den Möbeltüren und den Raumtüren einzuordnen. In der Regel fahren diese Türen auf Rollen am Boden und sind damit unten laufend. Typische Anbieter sind z.B. Cabinet, Dein Schrank.de oder Raumplus. Anbieter von vorkonfektionierten Systemen zur Fertigung und Montage durch den Tischler/Schreiner sind u.a. Doralux, Häfele und Ostermann. Auf diese Systeme wird hier nicht im Detail eingegangen.

Mittelding zwischen Möbel- und Raumbauteil: Gleittürsysteme. Foto: Doralux Imbusch Systemmöbel GmbH

Schiebetür oder konventionelle Tür?

Schiebetüren gelten als trendy. Ihr Marktanteil steigt. Dass sie die üblichen „Drehtüren“ irgendwann verdrängen werden, ist nicht zu erwarten. Unbestreitbar ist jedoch, dass die Schiebetür für viele Anwendungen heute interessanter ist als früher. Vorangetrieben wird die Entwicklung u.a. durch ausgefeiltere Schiebebeschläge und durch Einbaukästen, welche die Türen elegant in der Wand verschwinden lassen. Die Frage „Schieben oder drehen?“ lässt sich also pauschal beantworten: Die Antwort hängt von den jeweils benötigten Funktionen ab, und sie lautet: „Es kommt darauf an…“.

1. Der Aspekt „Raumnutzung“

1.1 Flächengewinn durch Schiebetüren

Eines der meistgenannten Argumente pro Schiebetür ist, dass sich mit Schiebetüren ein Raumgewinn erzielen lässt: Wo eine geöffnete Drehtür im Raum steht, dorthin kann man kein Möbelstück stellen. Rund ein Quadratmeter Platz geht dadurch verloren, und bei den heutigen Miet- oder Baupreisen kommt eine schöne Summe zusammen, wenn man die Preise mit den Türen multipliziert.

Grundriss-mit-Schiebetueren
Raumgewinn: der gleiche Grundriss, einmal mit Drehtüren, einmal mit Schiebetüren.
Abb.: Eclisse Deutschland GmbH

Zwei Überlegungen relativieren dieses Argument: erstens, auch bei Schiebetüren stellt man keine Sessel oder andere Möbel direkt in den Durchgang. Zweitens ist der Raumgewinn nur dann signifikant, wenn die Tür in eine Wandtasche geschoben wird und nicht vor der Wand auf einer Schiene läuft. Dann nämlich verliert man statt des Raums vor der Tür denjenigen neben der Tür: kein Schrank, kein Regal, kein Bild kann dort Platz finden.

Dennoch gibt es Bausituationen, in denen die Schiebetür einen echten Raumgewinn bringt, vor allem in kleinen Wohnungen und bei verwinkelten Grundrissen. Kleine Wohnungen sind im städtischen Neubau die Zukunft – Stichwort Flächenverdichtung – und verwinkelte Grundrisse sind im Bestandsbau häufig nicht zu ändern.

Wenn etwa in einer engen Küche die geöffnete Drehtür das Öffnen der Schubkästen blockiert, dann ist die Schiebetür klar im Vorteil. Oder wenn die Badezimmertür den Zugang zur Dusche versperrt; oder wenn die Schlafzimmertür die Länge eines Kleiderschranks verringert; oder wenn ein geöffneter Türflügel einem Fenster das Licht nimmt bzw. einen unmittelbar daneben liegenden Durchgang verschließt.

1.2 Räume variabel nutzen dank Schiebetüren

Ein weiteres Argument für Schiebetüren ist die variable Raumnutzung: anders als früher, als man im Esszimmer aß, was in der Küche gekocht wurde, sind heute die Binnengrenzen des Wohnraums weitgehend abgeschafft. Alles soll offen sein – doch bei Bedarf auch manchmal abgetrennt. Hier spielt die Schiebetür ihre zweite Stärke aus und dient als Raumteiler. Im Normalfall ist sie offen, anders als die Drehtür, deren Grundfunktion im Geschlossensein besteht.

In diesem Zusammenhang spielt auch das Älterwerden der Benutzer eine Rolle: ein Kinderzimmer ist als solches öfters geschlossen – sind die Kinder aber aus dem Haus, kann das Zimmer ein variabler Arbeitsraum mit Schiebetür werden; und noch später kann es für die Bewohner wichtig sein, barrierefreie Schiebetüren zu haben anstatt umständlicher Drehtüren.

Auch im Objektbau ist flexible Raumnutzung wichtig: moderne Bürokonzepte sehen variables Trennen von Arbeitsbereichen vor, und eine Gewerbeimmobilie sollte durch einen zweckneutralen Grundriss auch bei Mieterwechsel uneingeschränkt nutzbar sein.

2. Schiebetüren und Barrierefreiheit

Schiebetüren sind für bewegungseingeschränkte Menschen weniger hinderlich als Drehtüren: im Rollstuhl sitzend z.B. ist eine Schiebetür einfacher zu bedienen. Das spielt sowohl im häuslichen Umfeld eine Rolle als auch im öffentlichen Raum.

barrierefreie Schiebetuer Neuform
In barrierefreien Umgebungen sind Schiebetüren klar im Vorteil. Foto: Neuform GmbH & Co. KG

 

 

 

 

 

 

 

Nicht umsonst sind viele öffentliche Gebäude schon am Eingang mit – meist automatisierten – Schiebetüren ausgestattet. Die Motorisierung der Tür macht jedoch nicht den Unterschied, denn es gibt auch motorisierte Drehtüren. Vielmehr ist es die Bewegungsrichtung des Benutzers im Verhältnis zur Öffnungsrichtung.

Fluchtwegtüren müssen immer nach außen öffnen. Deshalb können Schiebetüren in Fluchtwegen auch mit einer Schlupftür (Drehtür ins Schiebetürblatt eingebaut) ausgeführt werden.

Grundsätzlich ist die seitliche Öffnungsrichtung der Schiebetür bei eingeschränkter Beweglichkeit ein vertretbarer Kompromiss. Allerdings kommt es darauf an, wie schwer die Tür zu Bedienen ist: barrierefrei ist eine Tür nur dann, wenn die zum Anschieben benötigte Kraft nicht allzu groß ist. „Anfangsreibung“ heißt das in der Sprache der Bauvorgaben. Zuständig für Schiebetüren ist die EN 1527: dort werden für die Türblätter vier Gewichtsklassen definiert und innerhalb jeder Klasse drei Unterklassen mit je einem Höchstwert für die Anfangsreibung. Die Barrierefreiheit von Türen im Allgemeinen wird definiert in den Normen DIN 18040-1 für öffentliche Gebäude und DIN 18040-2 für Wohnungen. Viele hilfreiche Hinweise zum Thema Barrierefreiheit finden sich im Portal nullbarriere.de

Zu bedenken ist außerdem, dass Schiebetüren die lichte Weite eines Durchgangs – ebenfalls ein Kriterium der Barrierefreiheit – verringern, sofern sie mit einer Griffstange oder einem Muschelgriff bedient werden: Dann nämlich ragt das geöffnete Blatt ein Stück in den Durchgang hinein, damit man den Griff überhaupt anfassen kann. Soll die Tür dagegen ganz im Wandkasten verschwinden, muss sie mit einem ausfahrbaren Springgriff versehen sein oder mit einem Touch-to-Open-Beschlag, wie man ihn von grifflosen Möbelfronten kennt. Beides wiederum widerspricht dem Grundsatz, dass barrierefreie Türen für Menschen mit eingeschränkter Sehkraft gut erkennbare Bedienelemente tragen müssen.

3. Der Aspekt „Design“

Was den ästhetischen Eindruck betrifft, den die Schiebetür im Raum vermittelt, ist die Frage, ob sie vor der Wand läuft oder in der Wand verschwindet.

3.1 In der Wand laufende Türen 

Läuft die tür vor der Wand, können die Wandtaschen gemauert sein oder in Trockenbauweise ausgeführt: ein meist vorgefertigter Kasten wird in einen doppelt breiten Durchgang eingebaut und mit Plattenmaterial verkleidet – in der Regel mit Gipskarton. Verschiedene Hersteller haben sich auf diese Wandkästen spezialisiert und liefern sie in vielerlei Varianten.

Die Laufschiene sollte herausnehmbar sein, sodass bei Änderungen oder Reparaturen nicht die Wand aufgestemmt oder der Kasten ausgebaut werden muss. Außerdem sollte der Wandkasten Kabelkanäle enthalten, damit Lichtschalter und Steckdosen an gewohnter Stelle direkt neben der Tür platziert werden können. Und dann ist zu bedenken, wie stabil der Wandkasten insgesamt ist: sollen Bilder oder Regale neben der Tür aufgehängt werden, muss der Kasten diese tragen können. In barrierefreien Badezimmern muss er ggf. stabil genug sein für angeschraubte Handgriffe zum Festhalten.

Wankästen werden u.a. von folgenden Spezialisten angeboten: BOS, Eclisse, Frischeis, Knauf, Krona Koblenz, Linvisible, Orchidea, Rigips, Sapeli, Scrignio, Sego, Seisenberger, Wingburg und Wippro

3.2 Vor der Wand laufende Türen

Läuft die Tür vor der Wand an einer sichtbaren Schiene, so ist die Konstruktion einfacher, sprich kostengünstiger. Funktionell hat dies jedoch Nachteile, vor allem dann, wenn ein luft- und schalldichter Abschluss gewünscht ist. Diese Türen leisten „Raumtrennung light“.

3.3 Zarge oder nicht?

Ein weiterer Designaspekt ist die Frage „Zarge oder nicht?“. Traditionelle Drehtüren sind meist an einer Umfassungszarge befestigt, welche die Schmalfläche der Wandöffnung (Laibung) verkleidet. Eine Schiebetür benötigt eigentlich keine Zarge, sowohl in der Wandtaschen-Version wie in der Vor-Wand-Version. Trotzdem kann eine Zarge sinnvoll sein, vor allem, wenn Schiebetüren und Drehtüren in derselben Wohnung verwendet werden: ein einheitliches Gesamtbild entsteht, wenn sämtliche Durchgänge Zargen tragen. Die Hersteller bieten in der Regel ihre Türserien – Holz wie Glas – als Dreh- und als Schiebetür an.

Pruem-Innentueren
Designverbund mit klassischer Zarge: Schiebe- und Drehtüren aus
derselben Serie.Foto: Prüm-Türenwerk GmbH

Von der Gestaltung abgesehen schützt die Zarge auch die Laibung vor Schmutz und Schrammen – ein funktioneller Nachteil für die zargenlose Design-Version. Andererseits gewinnt man bei einem Umbau durch das Entfernen der Zarge ein paar Zentimeter an Durchgangsbreite.

Auch an der Oberkante der Tür, dem Sturz, gibt es Unterschiede: die Laufschiene kann entweder in den Sturz eingelassen sein (die erforderliche Nut heißt „Sturzausnehmung“ oder auf dem Sturz montiert sein. Die Variante im Sturz muss bauseitig vorbereitet sein; wenn nicht, erhöht sich der Aufwand noch um den Einbau eines neuen Türsturzes.

Und schließlich dient die Zarge noch dem Zuhalten bzw. Abschließen der Tür: der Riegel greift in das Schließblech an der Zarge, was bei einer Schiebetür so nicht funktioniert, weil deren Bewegung parallel zur Wand verläuft. Abschließbare Schiebetüren müssen deshalb ein Haken- oder Zirkelriegelschloss haben, das in die Zarge eingreift – sofern eine solche vorhanden ist. Bei Schiebetüren vor der Wand muss das Türblatt auf einen Anschlagpfosten laufen, um in dieser Weise abschließbar zu sein – was wiederum das minimalistische Gesamtbild stört.

3.4 Hingucker oder unauffälliges Funktionselement?

Im Wesentlichen lassen sich die Türenhersteller von zwei Überlegungen leiten: entweder sie gestalten ihre Schiebetüren dezent und zurückhaltend, sodass sie möglichst wenig auffallen („Ich, die Schiebetür, will gar nicht beachtet werden“), oder, im Gegenteil, bewusst akzentuiert („Schau her, ich bin eine Schiebetür“). Es gibt auch Glastüren, bei denen eine offen sichtbare Edelstahlschiene mit übergroßen Laufrollen der Hauptdarsteller ist.

Die bemerkenswertesten Design-Effekte erzielen Schiebetüren in hochwertiger moderner Architektur – dort, wo sie ausgefallene Raumkonzepte unterstützen.

Raumhohe Schiebetüren in edlen Materialien z.B. können wie fahrende Wände wirken, extrabreite Formate können die Gewohnheit der Neunzig-Zentimeter-Tür durchbrechen, und offene Grundrisse können durch Schiebetüren funktionell strukturiert werden. Sollten die Elemente dann sehr groß und schwer geraten, können sie auch von Rollen am Boden getragen werden.

Konsequent modular: Schiebewände in einem Projekt des Architekten Werner Sobek. Foto: Zooey Braun

4. Der Aspekt „Funktion“

Konstruktionsbedingt ist es bei einer Schiebetür schwieriger als bei einer Drehtür, erhöhte Funktions- und Sicherheitsanforderungen zu erfüllen wie Schallschutz, Brand-, Rauch- und Strahlenschutz oder Einbruchsicherheit. Letzteres ist sicher ein Grund, warum Schiebetechnik bisher kaum für Hauseingänge verwendet werden, also in der Gebäudehülle.

Dennoch: Grundsätzlich lassen sich Schiebetüren für dieselben Anforderungen bauen, die auch Drehtüren erfüllen. Die technische Weiterentwicklung in den Hersteller-Sortimenten macht die Schiebetür zunehmend konkurrenzfähig und tragen zu ihrer Beliebtheit bei.

Auch hier ist das Thema privates vs. öffentliches Bauen von Bedeutung: Im Objektbau sind es Bauvorschriften, die bestimmte Standards von den Türen zwingend fordern, im privaten Haus- und Wohnungsbau geht es oft um einen Zugewinn an Komfort.

4.1 Schiebetüren und Schallschutz

Schall wird einerseits durch ein schweres, massives Türblatt reduziert, andererseits durch den luftdichten Verschluss aller Fugen rund um das Türblatt.

Dafür sind üblicherweise Dichtungen im Falz der Zarge zuständig; der Spalt zwischen Boden und Türblatt kann mit einer absenkbaren Dichtung verschlossen werden. Beim Schließen der Drehtür entsteht ein Druck auf die Falzdichtung. Dieser entfällt bei der Schiebetür mit ihrer meist stumpfen, d.h. falzlosen Schließkante. Auch auf der anderen Seite, an dem Spalt zwischen Türblatt und Wand bzw. Wandtasche, muss ein luftdichter Abschluss erreicht werden. Inzwischen gibt es dafür seitlich ausfahrende Dichtungen bzw. Magnetdichtungen, und auch die Fugen an der Ober- und Unterkante der Schiebetür lassen sich durch mechanisch ausfahrende Dichtungen schließen.

Auch vor der Wand laufende Schiebetüren können mit schallreduzierenden
Dichtungen ausgestattet werden. Foto: Athmer oHG

Automatische Dichtungen für Schiebetüren gibt es u.a. von Athmer und Planet.

In Krankenhäusern sind hermetisch dicht schließende Schiebetüren schon lange üblich, z.B. in Operations- und sonstigen Behandlungsräumen, wo es auf Keimfreiheit ankommt. Allerdings werden sie dort grundsätzlich ohne Wandkästen ausgeführt, was mit hygienischen Anforderungen zu tun hat.

4.2 Schiebetüren und Brandschutz

Beim Brandschutz, wie bei allen Bauvorschriften, müssen die Anforderungen nachweislich erfüllt sein, d.h. die Konstruktion muss geprüft und zertifiziert sein, damit sie verwendet werden darf. Spezialtürenhersteller haben sich auf die Nachfrage nach Schiebetüren eingestellt und bieten solche Elemente an.

4.3 Feuchtraum- bzw. Nassraumtauglichkeit

Eine weitere Funktionsanforderung für Türen ist die Feuchtraum- bzw. Nassraumtauglichkeit. Sie wird häufig dadurch erreicht, dass man auf Holz und Holzwerkstoffe verzichtet und stattdessen Materialien verwendet wie Glas (oft in Kombination mit Aluminium) oder kunststoffbasierte Werkstoffe. Und auch die Anbieter der Wandkästen werben inzwischen mit der Feuchtraumtauglichkeit ihrer Produkte – sie ist dann von Bedeutung, wenn z.B. eine Nasszelle im Hotel oder im Privathaus durch eine Schiebetür abgetrennt werden soll.

5. Beschläge für Schiebetüren

Beschläge für Schiebetüren bestehen im wesentlichen aus der Laufschiene mit Rollenwagen und den Tragflanschen für das Türblatt (zum Anschrauben bei Holz, zum Klemmen bei Glas). Stopper, welche die Bewegung auf beiden Seiten begrenzen, benötigt die Tür außerdem. Hängende Türblätter haben eine zusätzliche Führung am Boden, stehende oben am Türsturz bzw. an der Decke.

Laufschiene mit Rollenwagenund Tragflansch . Foto: Hawa Sliding Solutions AG

Spezialisierte Schiebebeschlaganbieter sind u.a. Hawa, Krona Koblenz, Mantion, MWE, OPK und Tiger.

Schiebebeschläge gibt es zudem bei folgenden Anbietern: ABP Beyerle, Astec, Häfele, Hein Beschlag, Hettich, Sugatsune

Aus dem Bereich der Möbelteile mit linearer Bewegung, also Schubkästen und Schiebefronten, übernimmt die Schiebetür die Einzugsdämpfung (Soft-Stop) und die selbsttätige Öffnung auf Druck (Push-to-Open). Es gibt auch Beschläge, die das Prinzip des Türschließers – die kinetische Energie des Öffnens wird beim Schließen zum Bremsen verwendet – auf die lineare Bewegung übertragen.

All das macht Schiebetüren komfortabel, ohne sie zu elektrifizieren: dieser Schritt bleibt bisher Automatik-Türen im öffentlichen Bereich vorbehalten. Manches deutet aber darauf hin, dass dies nicht so bleiben wird, beispielsweise die weite Verbreitung preisgünstiger Bewegungsmelder. Auch die elektromechanischen Bauteile (Motoren und Linearantriebe), die für eine automatische Schiebetür erforderlich sind, werden preisgünstiger und damit massenmarkt-tauglich. Ausgehend vom barrierefreien Bauen wäre die Automatisierung eine vorstellbare Komfort-Option auch für privat genutzte Innentüren.

Magnetantrieb für Schiebetüren, gesteuert per App oder Tastschalter.
Foto: OPK Europe GmbH

Bei den Bewegungsmechanismen sind Rollenwagen auf oben montierten Laufschienen der Standard, seltener sind Laufketten oder Rollen an der Unterkante des Türblatts.

Eine wandbündig eingelassene Laufschiene trägt filigrane Türblätter aus Glas oder Holz. Foto: Astec GmbH

Eine gestalterische Besonderheit (ohne funktionellen Vorteil) sind Laufschienen, welche das Türblatt nicht an der Oberkante festhalten, sondern im oberen Bereich der Fläche: das Türblatt selbst verdeckt die Laufschiene, die Tür scheint zu schweben.

Alle Varianten tragen das Gewicht der Tür vertikal nach oben bzw. unten ab – ein Vorteil gegenüber den Drehbeschlägen, die es über die seitliche Drehachse ableiten. Schiebetüren können deshalb tendenziell schwerer und dementsprechend größer sein als Drehtüren. Für überbreite Durchgänge, die zwei Türblätter benötigen, gibt es Synchron-Beschläge: die Bewegung eines Flügels wird mechanisch auf den anderen übertragen, sodass die Türen auseinandergleiten wie ein Theatervorhang.

Ein Qualitätsindex ist, wie bei allen Beschlägen, die Nutzungsdauer, also die Anzahl schadensfrei absolvierter Betätigungszyklen, nachgewiesen durch eine Dauerfunktionsprüfung. Zu einer hochwertigen Schiebetür gehören außerdem Laufruhe und Klapperfreiheit bei Luftzug (spielfreie Führung).

Einen Drücker braucht die Schiebetür nicht, wohl aber einen Muschelgriff, Knopf oder Stangengriff. Falle, Riegel und Schloss, also Zuhaltung und Verriegelung, werden ersetzt durch modifizierte Bauteile, entsprechend der linearen Bewegung der Tür. Die einfache Zuhaltung kann z.B. über einen Magneten erreicht werden, der Verschluss über den Haken- oder Zirkelriegel.

Schließbeschlag am Mittelstoß einer Doppelschiebetür. Foto: FSB GmbH & Co. KG

Griffe und Verschlüsse für Schiebetüren gibt es u.a. bei FSB, Hoppe, Karcher Design, Südmetall und Peter Welter sowie den oben genannten Anbetern von Schiebebeschlägen.

Automatische Schiebetüren in öffentlichen Gebäuden, vor allem in Flucht- und Rettungswegen, müssen zahlreichen Normen bzw. Bau- und Arbeitsstättenrichtlinien entsprechen, damit sie im Notfall fehlerfrei funktionieren. Informationen zu motorisierten Türen bietet u.a. der Fachverband Türautomation e.V. Eine Info-Seite zu Baunormen im Bereich Schiebetüren gibt es bei bauprofessor.de. Die allgemeinste Klassifizierung der Beschläge für Schiebe- und Falttüren findet sich in den Normen EN 1527:1998 und EN 1527:2013.

Beschläge und Systeme für automatische Schiebetüren gibt es u.a. von den Herstellern Assa Abloy, Geze, GU und Dorma Kaba

6. Der Aspekt „Kosten“

Ein direkter Preisvergleich zwischen Dreh- und Schiebetür ist nur möglich, wenn ausstattungsgleiche Elemente verglichen werden, also z.B.: Innentür aus Holz, Weißlack-Oberfläche, mit Zarge, abschließbar, Schalldämmung 35 dB – einmal als Drehtür, einmal als Schiebetür mit Wandtasche. Im Handel werden Schiebetüren auch als Komplettsets angeboten, einschließlich Beschlägen und mit der Wandtasche eines bestimmten Anbieters.

Eine Schiebetür mit Wandtasche kostet, sehr grob gesprochen, 50 Prozent mehr als die entsprechende Drehtür mit Zarge. Als vor der Wand laufende Tür ist dieselbe Schiebetür günstiger als die Drehtür, hat dann aber Nachteile: sie schließt nicht so dicht und ist standardmäßig nicht schließbar. Um dies auszugleichen, wäre sie aufwändiger auszuführen (Absenkdichtung, Schließbeschlag), was den Kostenvorteil zunichte machen kann.

Gegenüberstellungen werden auch dadurch kompliziert, dass unklar ist, welche Kosten der Einheit „Eine Tür“ überhaupt zuzurechnen sind. Je mehr Variablen, desto schwieriger der Vergleich.

  • Der Einbau eines Wandkastens ist Bau- bzw. Trockenbau-Arbeit. Er ist aufwändiger als der einer Zarge. Zudem kann auch beides verlangt sein, also addierten sich beide Aufwände. Wird die Zarge dagegen weggelassen, entstehen trotzdem Kosten an der Laibung: per Spachtelzarge muss dort ein sauberer Wandanschluss hergestellt werden.
  • Ein gemauerter Wandkasten verursacht höhere Kosten als einer, der in Trockenbauweise hergestellt wird.
  • Im Neubau ist die extragroße Wandöffnung (Durchgang plus Wandkasten) schon eingeplant, im Altbau muss der Durchgang ggf. erst geschaffen werden.

Innentüren im Wohnungs- und Objektbau sind normalerweise ein standardisiertes Massengeschäft; alles, was davon abweicht (Sonderfunktionen, Spezialdesign) macht die Elemente, wenig überraschend, teurer.

Doch die Wahl zwischen Dreh- und Schiebetür wird mutmaßlich oft nicht durch den Preis bestimmt – auf dem Massenmarkt deshalb, weil die Hersteller Schiebetüren ohnehin zu verkraftbaren Preisen anbieten, nicht weit entfernt von den Preisen der Drehtüren. Auf dem High-End-Markt deshalb, weil die Entscheidung pro Schiebetür hauptsächlich vom architektonischem Mehrwehrt bestimmt wird, also von der Frage des Zugewinns an Gebrauchsnutzen.

Text: Jörg Zinßer

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