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Ein Ort der Konzentration

Innenausbau Technik Werkstoffe
Ein Ort der Konzentration

Für die Bibliothèque Nationale de Luxembourg hat Schorn & Groh 1000 m² Eichenfurnier geliefert.

Ruhe ist das Wichtigste in einer Bibliothek. Wo sich viele Menschen lesend auf ihre Gedanken konzentrieren möchten, stört jedes laute Geräusch. Die Raumakustik ist hier noch bedeutsamer als an vielen anderen Orten, an denen sie eine Rolle spielt. Und besonders wichtig wird sie, wenn der Architekt einen einzigen, großen Innenraum plant, in dem sich Lärm nach allen Seiten ausbreiten kann. Wo keine Zwischenwände den Raum akustisch aufteilen, muss wenigstens dafür gesorgt werden, dass die Wände, Decken und möglichst auch die Böden den Schall nicht reflektieren, sondern weitgehend absorbieren. Gelingt es, hier eine Raumakustik zu schaffen, die bei den Benutzern keine Fluchttendenzen auslöst, dann eignet sich das Projekt als Referenz und Leistungsnachweis für Akustikspezialisten wie das Schweizerische Unternehmen Akustik & Raum, das im Fall der Luxemburger Bibliothek dafür zuständig war.

Konzentrische Zonen

Das Münsteraner Architekturbüro Bolles und Wilson hat den Neubau als eine Bastion des Wissens konzipiert: um das Allerheiligste im Zentrum, das fünfstöckige Archiv, gruppieren sich verschiedene Funktionszonen, vom Lesesaal über Konferenz- und Schulungsräume, ein Amphitheater, ein Musikzimmer und Audiokabinen bis hin zu den kommunikativeren und lärmtoleranteren Bereichen, dem Café und dem Foyer. Nach außen öffnet sich das Gebäude mit einer einladenden Geste zur Straße, ansonsten ist das Gelände von steingefüllten Gabionenkäfigen umringt, die es als einen Ort des Geistes vom Weltgedränge abschirmen. Von der totalen Stille in der Mitte bis zum umgebenden Lärm der Stadt schafft das Gebäude einen stufenweisen Übergang.

Ruhe versus Kommunikation

Dabei sollte der Innenraum keine klösterliche Enge ausstrahlen, sondern im Gegenteil so offen und kommunikationsfördernd wie möglich sein. Die gebaute Auflösung dieses Gegensatzes besteht in einer Leselandschaft aus gestaffelten Ebenen, verbunden durch Treppen, nicht unterbrochen von Barrieren, überspannt von einem Dach, das von baumartigen Stahlträgern gestützt wird. Zahlreiche Ruheoasen laden die Besucher dazu ein, sich niederzulassen und sich in den Inhalt der zur Verfügung stehenden Medien zu vertiefen. Die Bibliothek beherbergt mehr als 1,5 Millionen gedruckte Dokumente und unzählige digitale Publikationen aus allen Wissensgebieten. So viel Tageslicht wie möglich flutet in den abwechslungsreich gegliederten Innenraum, und neben den akzentuierenden Landesfarben Weiß, Blau und Rot gibt es im Wesentlichen nur einen Farbton – das freundliche Hellbraun des Eichenholzes, das den gesamten Raum prägt. Treppen, Regale und Wandverkleidungen, auch manche Böden, sind in Eiche ausgeführt, was sowohl optisch als auch akustisch eine ruhige Atmosphäre erzeugt und die Natur ins Innere des Gebäudes holt.

Eiche minus Schall

Rund 1000 m² der klassischen Oberfläche lieferte der Karlsruher Furnierspezialist Schorn & Groh für die Wandverkleidungen, in der einfach zu verarbeitenden Produktvariante Flex mit stabilisierender Vliesrückseite. Das Material wird im süddeutschen Eschelbronn aus Rohfurnier hergestellt und ist in mehr als 140 Holzarten erhältlich sowie in zahlreichen Fügetechniken und in individuellen Formaten, auf Wunsch vorgeschliffen und/oder geflext. Eine Perforierung im Furnier bewirkt die akustischen Eigenschaften des Werkstoffs, die für die Verwendung in der Bibliothek erforderlich waren.

Die Produktion der fertigen Wandverkleidung als Feinmikroelement (FM300μ) wurde von dem Schweizer Unternehmen Akustik & Raum übernommen. Auch den Einbau der Elemente übernahm der Akustikspezialist aus Olten, der regelmäßig mit Schorn & Groh partnerschaftlich zusammenarbeitet. Die akustisch wirksame Innenausstattung der Bibliothek wurde vorab mithilfe eines Musterzimmers getestet, optimiert und von den Bauherren freigegeben.

Nachhaltige Architektur

Mehr als zehn Jahre Planung und fünf Jahre Bauzeit waren für den repräsentativen Bau in der luxemburgischen Hauptstadt erforderlich. Allein der Umzug der etwa 40 Regalkilometer Dokumente von mehreren Einzelstandorten in das neue, zentrale Bibliotheksgebäude dauerte rund vier Monate. Um so überzeugender fiel das Ergebnis aus: Nicht nur konzeptionell, sondern auch bautechnisch repräsentiert die Bibliothek den neuesten Stand der zeitgenössischen Baukunst. Ihr ausgefeiltes Technik- und Energiekonzept vereint die Grundprinzipien, die grundsätzlich für alle öffentlichen Gebäude im Großherzogtum Luxemburg gelten: höchstmögliche Wärmedämmung und Winddichtigkeit der Gebäude-Außenhülle, sowie ein effizienter Sonnenschutz.

Dazu kommt die sogenannte thermische Trägheit des Gebäudes, die dazu führt, dass Wärme im Winter gespeichert wird und Temperaturspitzen im Sommer vermieden werden. Zusätzlich wurde ein System aus natürlicher Belüftung und Kühlung entwickelt, um erneuerbare Energie bestmöglich zu nutzen und den Energieverbrauch so niedrig wie möglich zu halten. Technische Installationen wurden dabei zugunsten einer Aktivierung der thermischen Masse des Gebäudes zurückgestellt, um ein nachhaltiges Innenraumklima zu erzeugen. Die Gesamtkosten des Bauwerks liegen bei mehr als 112 Millionen Euro, ein Betrag, der die Bedeutung des Neubaus als zentrale Wissensplattform des kleinen, aber wohlhabenden Landes angemessen widerspiegelt. -HN


Steckbrief

Innenausbau/Verkleidungen
Akustik & Raum AG, CH-4600 Olte
www.akustik-raum.ch

Furnier als Fixmaße
Schorn & Groh Gmbh
76139 Karlsruhe
www.sg-veneers.com

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