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dds vor Ort bei Erndl Küchen

Kantenanleimmaschinen - Kaufhilfe und Praxistipps Maschinen & Anlagen Technik Vor Ort beim Kollegen
Mal eben einen Schrank

PUR gilt zwar als bester Klebstoff für Möbelkanten, jedoch ist Vorsicht geboten, dass dieser nicht zu früh aushärtet. Das lässt vor allem kleine Verarbeiter zurückschrecken – nicht jedoch Erndl Küchen. Das 35-Mann-Unternehmen ist Pilotanwender einer neuen Technologie.

Walter Doppelhammer, Werkstattleiter bei Erndl Küchen im niederbayrischen Osterhofen bei Passau, bedient den erst sechs Wochen alten Bekanter. Es steht ein in Eiche furnierter Hochschank aus Stäbchenplatte an. Früher hätte er für nur einen Schrank die Kantenanleimmaschine nicht hochgefahren. Das Aufheizen des Leimbeckens hätte 15 Minuten gedauert. Außerdem hätte ein zu häufiges Aufheizen- und wieder Abkühlenlassen des EVA-Klebers zu schlechten Verklebungen geführt. Benötigte er auch noch eine andere Leimfarbe als beim letzten Einsatz der Maschine, hätte er zusätzlich den alten EVA-Schmelzkleber ins Auffangbecken ablaufen lassen, Klebstoffgranulat in der gewünschten Farbe nachfüllen und dieses wiederum aufheizen müssen.

Bei der neuen Maschine spielt das alles keine Rolle mehr. 90 Sekunden nach dem Einschalten ist sie einsatzbereit, und zwar ohne ein Leimbecken aufheizen zu müssen. Die Maschine arbeitet mit festem und damit sauberem, stets perfekt dosiertem PUR-Kleber von der Rolle und liefert kaum sichtbare und besonders feuchte- und hitzebeständige Verklebungen.

Stets sauber und perfekt dosiert

Walter Doppelhammer kann kaum etwas falsch machen. Er hat die Wahl zwischen den Leimfarben Weiß und Transparent, den Klebstoffbandbreiten 18, 21, 30 oder 42 mm sowie den Längen 25 oder 100 m. Worauf er jedoch achten muss, ist die offene Zeit. Ist die Verpackung aus Alufolie einmal aufgerissen, muss er den Klebstoff innerhalb von sechs Stunden aufbrauchen und ggf. den Rest entsorgen. PUR bindet nämlich mit der Luftfeuchtigkeit allmählich ab und verliert damit an Klebkraft. Eine 100-Laufmeterrolle ist jedoch unter normalen Umständen innerhalb von nur rund 30 Minuten aufgearbeitet. Walter Doppelhammer wählt eine transparente, 25 m lange und 21 mm breite Rolle, zieht Gummihandschuhe an, öffnet die Packung und geht hinter die Maschine an die Stelle, wo sonst das Leimbecken sitzt. Vor der Fügestation befindet sich unter einem kleinen transparenten Deckel ein beheiztes Fach, in das er die Klebstoffbandrolle einlegt. Etwa 60 cm hat er von der Rolle abgewickelt und in den ebenfalls beheizten Zuführkanal von oben eingeschoben. Das Klebstoffband erreicht die mit IR-Strahlen auf rund 90 °C erhitzte Schmalfläche des Werkstücks stets in derselben handwarmen Temperatur. Das heiße Werkstück schmilzt das feste Klebstoffband leicht an, sodass es an der Schmalfläche kleben bleibt. In Durchlaufrichtung folgen weitere IR-Strahler, die den Klebstoff auf die sonst auch üblichen 120 °C erhitzen. Dann schließen sich wie nach jeder Beleimstation die Zufuhr des Kantenbandes sowie die Andruckrollen an.

In wenigen Minuten fährt der Schreiner alle Kanten an. Einen Helfer braucht er nicht, weil die Maschine mit einem Rücktransport ausgestattet ist.

Acht Küchen pro Woche

Erndl beschäftigt 35 Mitarbeiter und hat sich auf Küchen für das gehobene Marktsegment spezialisiert. Um den Vertrieb kümmern sich eigene Verkäufer. Pro Woche produziert das Unternehmen acht Küchen mit durchschnittlich zwölf Schränken. Das Gros der Küchen ist furniert und besteht aus Tischler- oder Stäbchenplatten.

Juniorchef Michael Erndl hätte wegen der hervorragenden Fugenqualität und der ausgezeichneten Beständigkeit gegen Hitze und Feuchtigkeit gerne schon die alte Maschine mit PUR gefahren, jedoch hätte das tagtäglich enormen Reinigungsaufwand bedeutet. Als die Ersatzinvestition der alten Kantenanleimmaschine anstand, erinnerte er sich an den Beitrag »PUR ohne Leimbecken« über die GluBox-Maschine von Format4 in dds 10, 2019, Seite 42 und bestellte als erster Kunde diese neuartige Maschine. Vor sechs Wochen nahm er sie in Betrieb. Für nahezu jede Platte und jedes Kantenband gibt es inzwischen optimierte Programme, die lediglich am Bildschirm auszuwählen sind. Jeder im Betrieb kann das.

Hält, was sie verspricht

Michael Erndl sagt: »Die Maschine ist in 90 s einsatzbereit und fährt sogar Holzleisten mit PUR an. Mit einem Laser- oder Heißluftaggregat wären wir da aufgeschmissen. Mit den Klebebandlängen 25 und 100 m kommen wir gut zurecht. Jeder kann die Maschine bedienen, keiner muss Klebstoff wegputzen.«


dds-Redakteur Georg Molinski besuchte
Erndl Küchen in Osterhofen. Er stieß auf den Juniorchef Michael Erndl und den Werkstattmeister Walter Doppelhammer, die sich über die geglückte Innovation freuten.


Steckbrief

Anwender: Erndl-Küchen GmbH
94486 Osterhofen-Arbing
www.erndl-kuechen.de

Maschine: Format4
A 6060 Hall in Tirol
www.format-4.com


»Der alte Bekanter lieferte zwar gute Ergebnisse, jedoch war er sehr feinfühlig einzustellen. Das lohnte sich nur für viele Laufmeter. Die neue Maschine erzeugt hitze- und feuchtebeständige Nullfugenqualität und ist wirklich leicht zu bedienen: einschalten, Programm wählen, Kanten anfahren, ausschalten – ohne Reinigen.«

Michael Erndl

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