Meisterstück Schreibtisch von Marcel Dochwat

Leicht und leger

Dünne, mit Leder und Filz belegte Multiplexplatten bilden bei diesem leger anmutenden Schreibmöbel Ober- und Unterboden des flachen Korpus und integrieren eine unkonventionelle Öffnungsfunktion.

Die formale Reduktion des Schreibmöbels auf ein schlankes Gestell mit aufliegendem, flachem Korpus bewirkt eine leichte Anmutung. Der an seinen Stirnseiten abgeschrägte Korpus ist oben und unten von 9 mm dünnen Multiplexplatten begrenzt, die mit 3 mm nougatbraunem Dickleder und innenseitig mit 1 mm weinrotem Filz belegt sind. Im Randbereich bildet das doppelt gelegte Dickleder eine Art Falz aus. Die schmalen, umlaufend einschlagenden Fronten und Blenden in Esche schließen den Korpus seitlich ab. Der Innenraum ist durch zwei schmale, parallel zur linken Korpusseite ausgerichtete Zwischenwände dreigeteilt: Ganz links enthält er einen als Vollauszug auf Holzkulissen geführten Schubkasten. Rechts und in der Mitte sind Aussparungen für Steckdosen und Kabel vorgesehen. In diesem Bereich können digitale Geräte aufbewahrt und angeschlossen werden.

Formal erfrischend unkonventionell, ergonomisch aber fragwürdig erscheint, dass der durch Fräsungen biegsam gemachte Oberboden samt der Lederauflage im Bereich der Griffaussparungen angehoben und von Hand gehalten werden muss, um das rechte Fach zugänglich zu machen. Durch häufiges Aufschlagen des Oberbodens könnten sich auf die Dauer auch Knickstellen an der Oberseite des Leders abzeichnen. Die von der Mittelachse ausgehenden Füße verlaufen schräg gestellt in den Boden und geben dem Tisch die notwendige Standfestigkeit, noch verstärkt durch die ursprünglich nicht vorgesehene Messingverstrebung. Durch die nach unten hin zunehmende Verjüngung der runden Tischbeine wird die gewollte Leichtigkeit des Möbels betont. Dazu trägt auch die Distanz des Korpus zum Fußgestell bei. Die Verbindung der massiven Zargen mit den Tischbeinen erfolgt durch Doppelschlitzzapfen. Der aufstrebende Charakter der Gesamtgestalt wird durch diagonal angeordnete, im Kreuzpunkt überblattete Zargen unterstützt, ebenso die Beinfreiheit. Marcel Dochwat ist ein Schreibtisch in einer experimentell anmutenden, luftigen Ästhetik gelungen, wozu insbesondere der optisch nur auf die Lederhaut reduzierte Ober- und Unterboden beiträgt. In praktisch-funktionaler Hinsicht wären bei einem Folgestück noch Verbesserungen denkbar.

Vertikalschnitt: Der Überstand des im Randbereich doppel gelegten Dickleders bildet an Ober- und Unterboden eine Art Falz aus
Vertikalschnitt: Der Überstand des im Randbereich doppel gelegten Dickleders bildet an Ober- und Unterboden eine Art Falz aus
Frontalschnitt: Der Korpus ist mit dem Gestell über Distanzhülsen mit Bolzen und Einschlagmuttern verbunden
Frontalschnitt: Der Korpus ist mit dem Gestell über Distanzhülsen mit Bolzen und Einschlagmuttern verbunden
Durch versetzt eingebrachte Fräsungen ist der Oberboden in diesem Bereich flexibel

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