Schreiner als Komplettanbieter

»So gut wie konkurrenzlos«

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Rainer Korder, Schreinermeister und Betriebsinhaber im fränkischen Insingen Foto: Sven Falk für dds / Konradin Medien GmbH
Immer wieder übernehmen Schreiner bei Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen für Privatkunden auch planerische und organisatorische Aufgaben. Doch wie attraktiv ist dieses Betätigungsfeld wirklich? Wir haben einen gefragt, der sich auskennt.

Rainer Korder ist Schreinermeister und Gestalter der Fachrichtung Holztechnik. Gemeinsam mit seiner Frau Claudia führt er eine Schreinerei mit angeschlossenem Küchenstudio im fränkischen Insingen. Mit ihren 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernehmen sie immer wieder gewerkeübergreifende Modernisierungsaufträge für Privatkunden.

Herr Korder, wie häufig führen Sie Aufträge aus, die über das Gewerk Tischler/Schreiner hinausgehen?

Immer wieder, da wir unseren Kunden ganz offensiv anbieten, ihren Umbau oder die Modernisierung aus einer Hand zu liefern.

Wie läuft das dann konkret ab?

Für die Gewerke Elektro, Sanitär etc. holen wir Angebote bei den entsprechenden Kollegen ein und bündeln sie mit unserer eigenen Leistung zu einem Gesamtangebot. Die Gewährleistung bleibt dabei bei den jeweiligen Gewerken. Falls der Kunde separate Angebote haben möchte, empfehlen wir geeignete Betriebe und nehmen von diesen dafür eine Provision. Die brauchen wir auch, da wir die Gewerke koordinieren und diesen Aufwand kostenmäßig irgendwie abbilden müssen. Uns die Planungs- und Koordinierungsleistung als eigene Position vergüten zu lassen, schaffen wir leider nur selten.

Lohnen sich dann überhaupt Aufträge wie z. B. ein Badumbau, an denen der Schreiner naturgemäß einen eher geringen Anteil hat?

In der Regel schon. Wir versuchen immer, ein möglichst großes Paket für unseren eigenen Betrieb zu schnüren und nehmen z.B. Trockenbau oder Malerarbeiten in unser Angebot hinein. Das hält nicht nur Wertschöpfung im Betrieb, sondern gibt uns auch die Möglichkeit, über moderate Aufschläge unsere Planungsleistung mit abzubilden.

Wie gehen andere Schreiner Ihrer Erfahrung nach mit dem Thema »Komplettangebot aus einer Hand« um?

Viele Kollegen lassen die Finger davon. Man muss ja auch der Typ dafür sein, und Spaß daran haben, mit Menschen zu arbeiten. Viele Schreiner sind meiner Erfahrung nach jedoch eher »maschinenaffin« als menschenaffin. Im Fachverband Schreiner Bayern haben wir eine Erfa-Gruppe mit Gleichgesinnten. Dieser Austausch ist sehr hilfreich. Die Gruppe ist aus der Initiative »Entspannt modernisieren« enstanden, die vor Jahren im Verband initiiert wurde. Leider ist das Thema im Moment nicht wirklich präsent.

Woran liegt das?

Wie erwähnt, passt diese Ausrichtung nicht für jeden. Auch die Konjunktur spielt eine Rolle: Läuft es im Kerngeschäft so gut wie zur Zeit, besteht weniger Notwendigkeit, sich rechts und links umzuschauen.

Was macht für Sie das gewerkeübergreifende Arbeiten attraktiv?

Wenn man sich vom Wettbewerb abheben und seine Preise durchsetzen will, ist das ein sehr gutes Instrument. Man ist ja quasi konkurrenzlos: hat man dem Kunden ein Komplettangebot ausgearbeitet, bekommt man in der Regel auch den Auftrag. Falls nicht, dann, weil das Projekt nicht realisiert wird – nicht weil ein anderer Handwerker beauftragt wird. Und dass ein Kunde mit meinen Entwürfen zu einem anderen Schreiner geht, habe ich noch gar nicht erlebt.

Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung für ihren eigenen Betrieb ein?

Im Grunde könnten wir unsere Planungskompetenz noch besser in Szene setzen, in dem wir neben der Schreinerei mit einem eigenen Planungsbüro am Markt auftreten. Unsere Tochter besucht zur Zeit die Meisterschule in Garmisch; wenn sie in den Betrieb einsteigt, wird das eine ernsthafte Option sein.

Das Gespräch mit Rainer Korder führte dds-Chefredakteur Hans Graffé

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