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Einsame Spitze

Ausbildung
Einsame Spitze

Beim Landeswettbewerb Gute Form Baden-Württemberg überzeugten 2007 zwei Gesellenstücke »der kleinen Form«. Sie setzten sich deutlich von einem breiten Mittelfeld ab, das bei überwiegend gutem Niveau wenig Neues zeigte.

Der Landeswettbewerb Gute Form Baden-Württemberg 2007 hat gezeigt, dass auch die jungen Gesellen mit den von der Industrie vorgelegten gestalterischen Standards vertraut sind. Die technische Qualität der Gesellenstücke überzeugte auch 2007 die Jury. Stärker als in früheren Jahren wurde auch deutlich, dass die formalen Trends und Moden im Bereich Farbe und Material allseits bekannt sind. So war es aber doch mehrheitlich formal Vertrautes, das sich auf durchaus hohem Niveau der Jury stellte. Die beiden prämierten Stücke setzten sich hauptsächlich durch ihre Perfektion im Detail durch; konsequentes, klassisches Gestaltungshandwerk. Eine reduzierte Formsprache wurde in kompaktem Format verdichtet und überzeugend präsentiert. Darüber hinaus wäre es nahezu unmöglich gewesen, aus dem homogenen, ungewöhnlich großen Mittelfeld ein weiteres Stück hervorzuheben und stellvertretend auf den dritten Platz zu wählen. Gute Gestaltung als Grundvoraussetzung für gute Schreinerarbeit stand hier im Mittelpunkt.

Warten auf das Unerwartete
Sicher ist gerade der Wettbewerb 2007 eine Bestätigung für die Qualität unseres Ausbildungssystems auf breiter Ebene. Damit schaffen wir die Grundlagen für die Zukunft des Schreinerberufs. Am Ende blieb aber trotz dieser erfreulichen Gesamtleistung eine gewisse Ratlosigkeit. Sind die diesjährigen vernünftigen, durchaus marktkompatiblen Ergebnisse wirklich das Ziel? Was passiert, wenn sich ein handwerkliches Möbel kaum mehr von einem Serienprodukt unterscheidet? Genauer betrachtet stellt sich heraus, dass sich die herausragenden Stücke der vergangenen Jahre über ihre formale Qualität hinaus oft durch einen individuellen, funktionalen Mehrwert ausgezeichnet haben.
Oftmals waren es kleine Dinge, Details, die in der Serie auf der Strecke bleiben, Feinheiten, die persönliche Bedürfnisse berücksichtigen. Ein Einzelmöbel wird nicht dadurch zum Einzelmöbel, dass es nur einmal hergestellt wird, sondern dass es in eine spezielle Beziehung tritt zu seinem späteren Nutzer. Erst dadurch ergibt sich die Chance zur Abgrenzung von der Industrie. Die diskrete individuelle Note, weit entfernt von aufdringlichen, formal kurzlebigen »Erfindungen« und nicht zu verwechseln mit komplizierten Möbelmaschinen, war dieses Jahr kaum zu erkennen. In diesem Bewusstsein sollten auch Ausbilder und ausbildende Betriebe dazu aufrufen, die ausgetretenen Wege zu verlassen und Neues zu probieren. Experimente bergen zwar immer die Möglichkeit des Scheiterns, aber ohne Irrtümer entsteht auch nichts Neues. Eine vielleicht gefährliche Sehnsucht, aber: Wir warten auf das Unerwartete! Martin Schwer
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