dds vor Ort

Horatec zeigt Kante

Der Zulieferer von Losgröße-1-Möbelteilen, Horatec, hat jetzt sein Werk II in Betrieb genommen. Es ist nahezu eine 1:1-Kopie von Werk I und gilt als Musterbeispiel für Industrie 4.0. Neu ist jedoch der Fokus auf die Nullfuge, die Horatec jetzt mit und ohne Laser erzeugen kann.

Die kantenzelle im neuen Werk II bei Horatec bekantet jetzt hochglänzende Möbelfronten, unter anderem mit Hochglanz-ABS belegte Platten von Senosan oder die ebenfalls hochglänzenden, lackierten Melaminharzplatten »PerfectSense« von Egger. Senosan-Kantenbänder sind nur mit Laserfunktionsschicht erhältlich, die für PerfectSense nur ohne. Das Bild rechts zeigt zwei dieser makellosen Fronten, oben Senosan mit 1,3-mm-Laserkantenband und unten PerfectSense mit 0,8-mm-Kantenband (PUR). Eine Fuge zwischen Kantenband und Platte ist bei beiden Mustern fast nicht zu erkennen.

Seit 20 Jahren beliefert Horatec Tischler und Schreiner mit Möbelteilen in Losgröße 1. Die Kunden konstruieren die Möbel mit der Horatec-Software Roomdesigner, die auf das Plattensortiment von Egger sowie Beschläge aller namhaften Hersteller zugreift. Roomdesigner kalkuliert den Preis, nennt den möglichen Liefertermin und generiert nach der Online-Bestellung automatisch den Fertigungsauftrag. Zustellung und Fakturierung erfolgen über den Egger-Leithändler am Sitz des Kunden. Horatec beschäftigt 80 Mitarbeiter. Werk I arbeitet in drei Schichten, Werkt II hat vor wenigen Tagen den Betrieb aufgenommen und arbeitet noch in einer Schicht. Das Unternehmen sucht dringend Fachpersonal, um auch im Werk II nach und nach den Dreischichtbetrieb aufzunehmen. In beiden Werken zusammen fertigt der Zulieferer aktuell täglich gut 3000 Möbelteile.
Horatec-Geschäftsführer Wolfgang Thorwesten führt das gute Bekantungsergebnis auch ohne Laser- oder Heißluftverfahren auf die Doppelfügestation zurück, die es im Jahr 2011, als er Werk I modernisiert hat, noch nicht gab. Bei den meisten Oberflächen hat der Horatec-Kunde die Wahl zwischen Laserkante und weißem oder transparentem PUR-Klebstoff. EVA gehört nicht zum Programm. Der ungefüllte Transparentkleber ist so klar, dass ihn die Farbe der Kantenbandrückseite durchflutet und quasi einfärbt. Die Wahlfreiheit spielt vor allem bei den weniger aufwendigen Platten, etwa für Korpusse, eine Rolle. Die PUR-Bekantung bietet einen Kostenvorteil von 30 Cent pro Laufmeter, was bezogen auf den Gesamtpreis eines Möbelteils vielleicht fünf Prozent ausmacht.
Auf die Frage, welches Verfahren die besseren und widerstandsfähigeren Kanten liefert, will sich Wolfgang Thorwesten jedoch nicht festlegen. Was das Aussehen angeht, sprächen die Muster für sich. In Bezug auf die Widerstandsfähigkeit hätten beide Verfahren ihre Vorteile. Beim PUR sei das die chemische Aushärtung der Klebstofffuge und bei dem Laserverfahren eine höhere Prozesssicherheit und damit die Gewissheit, dass es keine Fehlstellen bei der Verklebung geben kann.
Doppelfügestation und ballige Fräser
Ganz gleich, für welches Verfahren sich der Kunde entscheidet, er profitiert von der neuen Doppelfüge- oder »Power«-Fügestation auf der Kantenanleimmaschine »KAR 350 Powerline« von Homag. Sie besteht aus zwei Fügestationen, die sich wiederum aus jeweils zwei Fräsern zusammensetzen, einen für das Einsetzen und Fügen im Gegenlauf und einen für das Fügen und den Werkzeugaustritt im Gleichlauf. Bei empfindlichen, beispielsweise hochglanzbeschichteten Platten fräst das erste Fräserpaar 1,5 der 2 mm Materialzugabe weg, während das zweite nur noch ganz leicht nachfräst. Bei normalen Platten braucht das zweite Fräserpaar gar nicht zum Einsatz zu kommen. Neben dem zweiten Fügefräsaggregat sorgen auch die »Diarex«-Fügefräser von Leuco für eine hervorragende Ausgangsfläche für das Bekanten. Mit einem Achswinkel von 43° und leicht balliger Form arbeiten sie mit ziehendem Schnitt und fräsen eine leicht hohle Schmalfläche, die dem Klebstoff oder der aufgeschmolzenen Funktionsschicht ausreichend Platz bietet, ohne den Spalt zwischen Kantenband und Fläche unnötig zu öffnen. Hydrodehnspanner sorgen darüber hinaus für einen besonders präzisen und ruhigen Lauf. Horatec hat sich gegen den P-Fräser von Leuco entschieden, weil dieser mit seinem noch ziehenderen Schnitt loses Material aus der Plattenmittellage herauszieht und Unruhe in die Kantenfläche bringt.
Auch wenn Horatec Möbelteile in Losgröße 1 fertigt, muss nicht nach jedem Teil ein Farb- oder Kantenwechsel erfolgen. Die Fertigung besteht aus den drei Zellen Zuschnitt, Kante und Bohren einschließlich Versand. Zwischen diesen drei Stationen befindet sich ein großer Sortierpuffer von Systraplan mit einer Steuerung von 3Tec. So lassen sich die Bekantungsaufgaben ganz einfach beispielsweise nach Kantenband- oder Klebstofffarbe sortieren. Das Bohren erfolgt in der Beladungsreihenfolge der Lkws.
»Unsere Kunden haben freie Wahl«
Wolfgang Thorwesten ist mit der neuen Kantenzelle vollauf zufrieden: »Wir erzielen Nullfugen, mit oder ohne Laser. Bald läuft Werk II auch in drei Schichten.«

Kontakt

Anwender: Horatec GmbH www.horatec.de
Maschinen: Homag Group AG www.homag-group.com
Fügefräser: Ledermann GmbH & Co. KG www.leuco.com
Sortierpuffer: Systraplan GmbH & Co. KG www.systraplan.de
Fertigungsleitsystem: 3Tec Automation GmbH & Co. KG, www.3tec.de

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dds Redakteur Georg Molinski besuchte Horatec und konnte sich vor Ort von der Kantenqualität überzeugen. Die Doppelfügestation konnte er jedoch nicht im Einsatz sehen, Gehäuse und Hauben haben den Blick versperrt.

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Horatec
»Wir erzielen Nullfugen mit oder ohne Laser. Bald läuft Werk II auch in drei Schichten.«

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