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»Probleme verschwinden nicht, sie verlagern sich«

Meinung: Was bringt die CNC?
»Probleme verschwinden nicht, sie verlagern sich«

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A. Weinzierl: Im Schreinerhandwerk bleibt der Mensch im Mittelpunkt, Foto: 3D-Holzdesign

Über CNC-Technik ist die letzten Jahre Vieles geschrieben worden. Nicht alles dabei war unbedingt schlüssig. Nicht selten musste der Leser den Eindruck bekommen, dass es an ein Wunder grenzt, dass man überhaupt noch konventionell seine Kunden bedienen und dabei auch noch wirtschaftlich sein kann. Ist die Welt da draußen tatsächlich so? Fakt ist: Vielen Kollegen fehlt es an Personal, sie haben Probleme, gleichbleibende Qualität zu liefern oder sie haben so viel Arbeit, dass sie effizienter werden müssen.

Worauf kommt es Ihnen an?

Aber: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich mit dem Schritt in die CNC-Fertigung die genannten Probleme in nichts auflösen ist schlichtweg null! Sie finden keine geeigneten Mitarbeiter? CNC wird dieses Problem sicher nicht ändern, sogar eher verschärfen. Sie erhoffen sich mehr Durchsatz? Den werden sie auch brauchen, denn: Die CNC-Technik ist teuer. Schon nach wenigen Jahren müssen Rechner, Software oder Komponenten ausgetauscht werden und nach höchstens 20 Jahren ist die Maschine so gut wie unbrauchbar! Es ist eben nicht wie in den 80er-Jahren, wo jedem Betriebsinhaber eine Breitbandschleifmaschine platziert wurde, mit der man auf Anhieb loslegen konnte, die genau fünf verschiedene Schleiffälle hatte und die bis heute treu ihren Dienst verrichtet.

Was Sie und Ihre Mitarbeiter brauchen

Das größte »Muss« ist jedoch die EDV-Kompetenz und -Affinität Ihrer Mitarbeiter! Diese klopfen nicht bei Ihnen an die Werkstatttür, kommen auch nicht von der Arbeitsagentur. Allein Sie selbst werden den Kraftakt zu stemmen haben, sie zu qualifizieren. Und dann wird Ihr mühevoll ausgebildeter Mitarbeiter auf einmal für die Konkurrenz interessant! Wir leben längst in einer Zeit, wo sich die Mitarbeiter aussuchen, wo sie arbeiten wollen.

Handwerk ist mehr als Produzieren

Auch besteht unser Schreineralltag eben nicht nur aus dem uns so lieben Teil – dem Fertigen in der Werkstatt (welcher einen immer kleineren Anteil darstellt) – sondern aus immer aufwendiger werdender Beratung, Planung usw. So werden Sie mit Sprung in die CNC-Technik automatisch mehr Zeit für Verkauf, Planung und den Einbau benötigen, um die Maschine auch zu amortisieren. Apropos: Gerade mal ein Drittel der Betriebe arbeitet mit Branchensoftware, um Zahlen und Zeiten wenigstens im Ansatz zu erfassen! Wie erledigen das die anderen zwei Drittel ? Ich sehe in diesen Betrieben, die ihren kaufmännischen Ansatz bis heute nicht digitalisiert haben, ein großes Problem: Sie ruinieren die Preise und bezahlen das mit dem »guten Gefühl« dass ihr Maschinenpark arbeitet.

Wie sieht es mit der Wertschöpfung aus?

Wie dem auch sei: Richtig ist auch, dass sich viele Betriebe aufgrund der C-Technik genial entwickelt haben. Hören Sie auf Ihr Unternehmerherz: Kann die durch CNC-Einsatz gesteigerte Wertschöpfung pro Stunde die jährlichen Mehrkosten besiegen? Schlägt zudem Ihr eigenes Herz oder das der tragenden Mitarbeiter »digital«? Dann gehen Sie diesen Weg! Ist das nicht der Fall, stecken Sie lieber etwas Geld in eine Bankraumoptimierung o. Ä.

CNC-Maschinen können fast alles. Mit Korpusgeneratoren und Dekorplatten werden wir unsere Kunden auf Dauer nicht zufriedenstellen. Um das Potenzial der Technik auszuschöpfen, braucht es kreative Köpfe, die ihr Handwerk noch konventionell erlernt haben. Der Mensch sollte also trotz aller Digitalisierung im Handwerk im Mittelpunkt bleiben.

Andreas Weinzierl ist Inhaber der Fa. 3D-Holzdesign in Traunstein und arbeitet seit 20 Jahren mit CAD und CNC.

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