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Tischlerhandwerk in Corona-Zeiten

Tischlerhandwerk in Corona-Zeiten
Wie geht es Ihnen gerade?

Von »fast normal« bis »katastrophal«: in den Betrieben des Tischler- und Schreinerhandwerks wirkt sich die Corona-Krise sehr unterschiedlich aus. dds hat sich bei Kolleginnen und Kollegen umgehört. Stimmungsbild einer Branche, in der es, im Gegensatz zu vielen anderen, doch irgendwie weiterläuft.

Ein Schreinermeister aus dem Rheinland sagte mir neulich am Telefon, er schäme sich fast, es auszusprechen, aber bei ihm im Betrieb liefe es eigentlich relativ normal. Natürlich hat der Kollege in der Werkstatt Hygieneregeln eingeführt, die Mitarbeiter halten Abstand, waschen sich regelmäßig die Hände usw. Auch liegt ein großer Auftrag vorübergehend auf Eis, weil der Kunde seinen Laden schließen musste. Durch den guten Auftragsbestand vor Ausbruch der Pandemie lässt sich die Lücke allerdings mit Projekten aus anderen Bereichen weitgehend füllen, so dass seine Mitarbeiter alle beschäftigt sind.

Das höre ich in diesen Tagen öfters: Betriebe, die relativ breit aufgestellt sind – und davon gibt es im Schreinerhandwerk immer noch sehr viele – scheinen recht gut mit der Krise zurechtzukommen. Bei den Kollegen, die im Bereich Fenster, Türen, Treppen … unterwegs sind, läuft es tendenziell besser, als bei den Möbel- und Innenausbauern; bei den etwas kleineren Betrieben besser als bei den großen. Dass die Lage in einigen Teilbranchen dramatisch ist – hier sei vor allem der Laden- und Messebau erwähnt – gehört allerdings auch zur Wahrheit. Mit dem Zuschneiden und Montieren von Plexiglasscheiben werden diese Betriebe wohl kaum über die Runden kommen.

Innungen und Verbände, Handwerkskammern, Verbundgruppen und ähnliche Institutionen unterstützen auf lokaler Ebene und bieten Hilfen der verschiedensten Art – im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Was der Staat innerhalb weniger Wochen an Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft auf die Beine gestellt hat, kann sich, bei aller berechtigten Kritik im Detail, sehen lassen. Kurzarbeitergeld und Direktzuschüsse, langfristige Kredite, Darlehen und Bürgschaften: Es wird geklotzt und nicht gekleckert. Die große Koalition macht ihrem Namen alle Ehre und die Opposition zieht mit: So viel Einigkeit war selten. Das ist aber auch nötig, angesichts des Ausmaßes der Krise. Dazu nur eine Zahl: Bis Mitte April hatten eine Dreiviertelmillion Unternehmen in Deutschland Kurzarbeit beantragt!

Für uns alle geht es jetzt um die Frage: Wie kommen wir da wieder raus? Klar ist: Es geht nur Schritt(chen) für Schritt(chen). Ja, wir müssen dringend zurück zur Normalität, aber eben mit Augenmaß. Denn natürlich wird mit den ersten Lockerungen das Konzert derjenigen lauter, denen das alles nicht schnell genug geht. Nur was nützt es, wenn es in ein paar Wochen dann heißt: Kommando zurück? Das wäre so ziemlich das Allerletzte was wir brauchen können.


dds-Chefredakteur Hans Graffé arbeitet wie fast alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von dds derzeit im Homeoffice. Der Arbeitsplatz mit Blick in den frühsommerlichen Garten ist ein Gewinn, was fehlt, sind die persönlichen Kontakte!

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