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Meisterstück, gefertigt mit der Hand-CNC von Shaper Tools

Meisterstück, gefertigt mit der Hand-CNC von Shaper Tools
Bauhaus, Skandinavien, Japan

Das Meisterstück von Johannes Müller verbindet die Leidenschaft für Bücher und Bildbände mit dem Faible an der Formensprache japanischer und skandinavischer Möbel und des Bauhauses. Daraus entstand »Biblioteca«, ein nach hinten geneigtes Sideboard für Bücher.

Living in japan, Bauhaus, Mies van der Rohe, Alvar Aalto, Charles & Ray Eames, Just one good chair, Möbel im Detail – zoomt man die Buchrücken im geöffneten Möbel heran, erzählen die Buchtitel schon einiges über die Entwurfsidee des Meisterstücks von Johannes Müller. Der 23 Jahre alte Schreinerkollege hat sein Meisterstück solchen Bildbänden gewidmet. Bei der Entwicklung seines Meisterprüfungsobjekts stellte er sich zu Beginn die Frage »Was ist mir wichtig?«. Und wie bringt man dies mit einem Möbelstück zusammen? Seine Leidenschaft für Wissen, Bücher, Reisen, zeitlose Gestaltung, dazu seine Beschäftigung mit dem Bauhaus sowie japanischer und skandinavischer Formgebung und mündete so in einem Möbel für Bücher in einer klaren, stringenten Formensprache. Hell, leicht, aufgeräumt, mit versteckten Finessen und zugleich flexibel in Räumen nutzbar, ob unter einer Dachschräge stehend oder als Statement vor einer Wand. In geschlossenem Zustand eher unscheinbar schwebend auf einem filigranen Chromgestell gelagert.

Gut gewählt: Sen, Leder, Chrom

Das japanische (ostasiatische) Holz Sen, irrtümlich aufgrund der feinen Jahrringstruktur und farblichen Nähe oft als Senesche benannt, bildet das Leitmaterial des Aufbewahrungsmöbels »Biblioteca«. Das traditionsreichste Material für Bucheinbände ist Leder. Insofern lag es nahe, Leder für die verschließenden Flächen des Möbels einzusetzen. Für die Front in der Form und Funktion von seitlich eintauchenden Rollladen. Klassisch ist ein Möbelrollladen mit sichtbaren Holzlamellen verklebt auf einem Gewebe ausgeführt. Johannes spiegelte die Konstruktion. Die Holzlamellen aus Sen sind bei ihm rückseitig stehend, fixiert auf einer Ledergranulatmatte, auf der wiederum das sichtbare Möbelleder aufgezogen ist. Durch seine planerische Tätigkeit im elterlichen Einrichtungshaus mit edlen Polstermöbeln, hat Johannes Zugriff auf feine Lederqualitäten der Polsterspezialisten. Bewusst wählte er eine Ton-in-Ton-Variante zum Farbton des Sen – geschlossenen wirkt das Möbel somit als einheitlich liegender Block. Auf beiden Außenbereichen schließen sich schmale Stauräume an die mittlere Rollladeneinheit an. Ausgeführt mit Türen in Lederoberfläche. Zugänglich sind sie über eine versteckte Mechanik, sodass private Objekte wie etwa Reisetagebücher nichtöffentlich verstaut sind.

Neben dem Sen und Leder ist verchromter Stahl der dritte Werkstoff. Das filigrane Gestell ist eine Hommage an das Bauhaus – die Planung des Meisterstücks begann 2019 im Jahr des 100-Jahre-Bauhausjubiläums. Durch die leicht nach hinten geneigte Auflage des Chromgestells liegt der quaderförmige Möbelkorpus im geöffneten Zustand auch auf stehende Betrachter ausgerichtet. Der klare Fokus gilt dem Inhalt des Möbelobjektes – dem Buch.

Die Neigung verlangte Überzeugungsarbeit beim Genehmigungsausschuss, der bei einem Sideboard einen horizontal angeordneten Oberboden erwartete.

Komplexes Fräsen mit der Hand-CNC

Für die gerundeten Formatierungs- und vielfältigen Fräsarbeiten entschied sich Johannes Müller für den Einsatz der bildsensorgesteuerten Hand-CNC »Origin« von Shaper Tools. Als einer der Vorabbesteller erhielt er das kalifornische Werkzeug der Festoolschwester Shaper Tools schon Monate vor der europäischen Markteinführung. Das digitale Werkzeug hatte er zum Bau von drei komplexeren Schablonen angedacht. Final wurden es dann 30 unterschiedliche Fräsanwendungen. Fünf Minuten Programmierung auf dem Notebook neben den Werkstücken auf der Hobelbank, per WLAN die Daten auf die Origin übertragen, und los ging das jeweilige Fräsen für ihn. Bis zum Vorbereiten der Oberflächen blieben die codierten Shapertapes auf den Werkstücken.

Die Daten liegen in der Cloud

Zehntelmillimeter genaue Nachfräsungen waren dadurch spielend machbar für das perfekte Anpassen der Beschläge und Bauteile mit den rundgeformten Konturen. Die Fräse orientiert sich am Scan der codierten Tapes und hat so eine Orientierung vergleichbar einem GPS-Systems bei der mobilen Navigation. Wird die Fräse erneut auf einem Werkstück aufgesetzt, kann sie akkurat nachformatieren oder in der Z-Achse tiefer fräsen. Johannes geht von über 20 Stunden Zeitersparnis durch den Einsatz der Origin beim Bau seines Meisterstücks aus.

Möchte er das Möbel duplizieren oder um weitere Möbel ergänzen – oder auch auch nur einzelne Fräsungen anderweitig einsetzen –, liegen alle erstellten Programme gesichert in einer Cloud. So kann er an jedem Ort, ob in der Werkstatt oder auf einer Baustelle die handliche CNC-Fräse aus dem Systainer packen und passgenaues Fräsen starten.

Nach der Meisterausbildung in Garmisch und zwei Jahren Praxis ist Johannes erneut an den Schulen für Holz und Gestaltung. Nun an der Fachakademie für Raum- und Objektdesign. Wir sind gespannt, was er dort an weiteren Projekten entstehen lässt.


Seit gut zwei Jahren befasst sich dds-Redakteur und Schreinermeister Hubert Neumann mit der Hand-CNC von Shaper Tools. Wenige der Anwender haben ihn so außergewöhnlich beeindruckt wie Kollege Johannes Müller. Chapeau!


Steckbrief

Johannes Müller
Müller Einrichtungshaus und Schreinerei, 84539 Ampfing

 www.mueller-einrichtungshaus.de

Eingesetztes Werkzeug:
Origin von Shaper Tools
70771 Leinfelden-Echterdingen

www.shapertools.com


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