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Den Raum organisieren

Küchen aus der Berliner Tischlerei Fri Möbel und Häuser
Den Raum organisieren

Anne Heusmann und Johannes Dziadek von der Berliner Tischlerei Fri Möbel und Häuser verstehen die Küche im offenen Wohnraum als Zentrum, das den Grundriss organisiert.

Selten sagt der Namen einer Tischlerei schon so Charakteristisches aus wie bei Fri Möbel und Häuser, auch wenn drei Buchstaben am Anfang erst einmal ein Rätsel aufgeben: Fri steht als Verbanfang von frieden, mittelhochdeutsch vride, althochdeutsch fridu, in der Bedeutung von Einfriedung für die grundlegendste Form, Raum zu schaffen. Auch Möbel und Häuser sind ganz wörtlich zu nehmen: Anne Heusmann und Johannes Dziadek sind beide gelernte Tischler und Architekten. Im Studium an der TU Berlin haben sie angefangen, Möbel zu bauen und dann einfach so weitergemacht: Zuerst eingemietet in Werkstätten, später in der eigenen Werkstatt auf dem Gelände von ExRotaprint im Wedding.

Der Architektur haben die beiden dennoch nicht den Rücken gekehrt, sie läuft im Hintergrund weiter: Wohnungen sanieren und umbauen ist das Thema, Möbelbau der Schwerpunkt, dabei bieten die Küchen den größten Gestaltungsspielraum.

Jeder Entwurf setzt bei den örtlichen Gegebenheiten an und wird im Gespräch mit den Kunden entwickelt. Es besteht der Anspruch, dass der Raum von Grund auf neu gedacht wird. Dabei gibt es wiederkehrende Grundsätze der Gestaltung und kreative Materialien, die sich bewährt haben: Seekiefer, Valchromat, HPL, Linoleum oder Schiefer gehören sicher nicht zum Standard in der Tischlerküche, auch nicht in Berlin. Als der Prenzlauer Berg noch mehr Baulücken hatte und weniger große Investoren anzog, kamen Aufträge oft aus dem Dunstkreis der Berliner Baugruppenszene: Man baute zusammen günstig Häuser, um sie in Eigentumswohnungen aufzuteilen. Die Küchen waren hier Erstausstattung in einer Neubauwohnung. Inzwischen gibt es wieder mehr Aufträge aus dem Altbaubereich. Viele Kunden kommen, weil sie vom Küchenstudio enttäuscht sind – gestalterisch sind die Küchen oft zu langweilig und treten nicht in Interaktion mit dem Raum. Die Idee, dass Elemente aus dem vorgesehenen Raum herausgreifen und sich gerade dadurch im Raum festschreiben, überfordert in der Regel auch die hochwertigen Küchenhäuser.

Anfang der 90er-Jahre ist die Küche als Möbelstück stärker ins Blickfeld gerückt: Sie hat sich einerseits zum Statussymbol entwickelt und andererseits wollte man im Zuge der nun häufiger offenen Grundrisse nicht immer auf eine standardisierte Küche blicken, die sich darin erschöpft, 60er- und 40er-Elemente in zwei Tiefen miteinander zu kombinieren.

»Es ist ein Unterschied, Korpusmodule zu bauen und dann zu versuchen, sie in Wohnungen zu integrieren oder einen Entwurf aufzusplitten in transportierbare Elemente. Einbaugeräte diktieren Zwangsmaße. Wir versuchen, sie zu integrieren, ohne dass sie dabei die Überhand über den Entwurf gewinnen. Die Küche ist voll mit Funktionen auf engstem Raum. Schubkästen, Fronten und Geräte in eine Leichtigkeit zu bringen, ist die Aufgabe. Für jeden Entwurf gilt es, Eigenheiten der Räume zu sehen und dafür Lösungen zu finden. Die Möbel bergen diese Lösung. Manche Leute rufen uns an, weil ihnen eine bestimmte Küche gefallen hat, sie haben aber einen ganz anderen Grundriss! Man muss Kriterien dafür entwickeln, ob etwas im Raum funktioniert oder nicht.«


dds-Redakteur Johannes Niestrath ist durch mehrere in exquisiter Handschrift gestaltete Gesellenstücke auf Fri Möbel und Häuser aufmerksam geworden – und wie so oft steht dahinter ein besonders kreativer Betrieb!


»Unser Fokus liegt auf der Küche, geht aber weit darüber hinaus. Wir versuchen, mit den Küchenmöbeln die Wohnung zu organisieren.«

Johannes Dziadek, Anne Heusmann


Steckbrief

Fri Möbel und Häuser ist eine Berliner Tischlerei mit dem Schwerpunkt Küchen. Anne Heusmann und Johannes Dziadek, beide Tischler und Architekten, arbeiten im Team von insgesamt acht Mitarbeitern.

Fri Möbel und Häuser, 13357 Berlin

www.fri-berlin.de


»Gerätemaße zu integrieren und sich gleichzeitig von ihnen zu befreien, um den Entwurf im Auge zu behalten, ist immer wieder eine Herausforderung.«

Anne Heusmann


»Unser Antrieb ist nicht auf die Küche begrenzt. Wir versuchen, mit den Küchenmöbel die Wohnung zu organisieren.«

Anne Heusmann, Johannes Dziadek

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