Gesellenstücke aus Rheinland-Pfalz im Wettbewerb Gute Form

Freunde klarer Formen

Preisträger, Belobigungen und weitere ausgewählte Gesellenstücke aus der Ausstellung zum Landeswettbewerb Gute Form in Rheinland-Pfalz, die im November 2017 in Trier gezeigt wurde.

Die gute Form ist im Sinne des gleichnamigen Wettbewerbs nicht immer einfach auszuloten: Soll es darum gehen, in welcher Intensität die gestalterische Auseinandersetzung gesucht und daraus in stimmige Entwürfe geführt wird – oder darum, Abbilder einer stilistischen Positivauswahl zu produzieren? In dieser Frage liegt schon eine Bewertung und für die Juroren ein Dauerkonflikt. Was den Juroren persönlich gefällt, ist kein Kriterium für Gute Form. Wahrnehmen und bewerten sind zweierlei: Das angestrebte Ziel einer gestalterischen Auseinandersetzung kann in vollem Umfang erreicht worden sein und gleichzeitig auf ganzer Linie dem eigenen ästhetischen Empfinden widersprechen. Diesem darf die Bewertung also nicht unreflektiert entspringen. Dafür sorgt in der Regel der Diskurs unter den Juroren, denn selten sind sich alle auf anhieb darüber einig, was Gute Form im Sinne des Wettbewerbs bedeuten soll. Nicht immer geht es dabei harmonisch zu – auch in Rheinland-Pfalz war im November durchaus Dampf im Kessel, als sich die Juroren unter Moderation von Arne Bretschneider zu einigen versuchten, welche beiden Gesellenstücke für die Teilnahme am Bundeswettbewerb nominiert werden sollen. Im Ring standen Prof. Brigitte Steffen, Leiterin des Studienschwerpunkts Textildesign an der Hochschule Reutlingen, der Architekt Frank Sprenger von der Handwerkskammer Koblenz sowie Johannes Niestrath, Tischlermeister und dds-Redakteur. Unser Beitrag zeigt nur einen Teil der Gesellenstücke, über die intensiv diskutiert worden ist. –JN

Kluge Materialzuweisung
Der Schreibtisch gliedert sich in massive Kufen und eine aufgesetzte Platte mit einem Stahlrahmen und einer dünnen Linoleumauflage. Der C-förmige Außenkorpus des rollbaren Containers umspannt Schubkästen und Fach mit Klappe. Kirschbaum und anthrazitfarbene Werkstoffen vereinheitlichen das Ensemble und den in der Funktion begründeten Materialmix. Ihmke Höhn, Schreinerei Mainzer, 55294 Bodenheim. Belobigung Gute Form Rheinland-Pfalz

Selbstbewusster Solitär
Der Korpus als Endlosband ist eine gelungene Auseinandersetzung mit dem Thema Formverleimung. Die roh anmutende Oberfläche in Risseiche überzeugt als Kontrapunkt zum homogenen Glas in gelungener Farbabstimmung. Der fein dimensionierte Schubkasten zeigt eine hohe handwerkliche Kompetenz, schön inszeniert durch die indirekte Beleuchtung. Johannes Regnery, Schreinerei Görres, 54589 Stadtkyll. Erster Preis Gute Form Rheinland-Pfalz

Inszeniertes Holz
Die Materialästhetik des Holzes wird bei diesem Möbelstück vielschichtig reflektiert und aufgefächert: Das zeigt sich in dem Hirnholzfurnier auf den Stirnseiten und Zwischenwänden sowie dem durchleuchteten Furnier unter der transluzenten Glasklappe, die ihrerseits eine astartige Struktur zeigt. In der Gesamterscheinung kann das Stück polarisieren – die Anziehungskraft liegt eher im konzeptionellen Ansatz und der erzeugten Stimmung. Maximilian Willems, Schreinerei Adams, 54294 Trier. Zweiter Preis Gute Form Rheinland-Pfalz

Ausflug nach Schweden
Das leicht anmutende Sideboard steht auf sogenannten Hairpin-legs, Stahlbügeln nach dem Vorbild einer Haarklammer. Die Mittelwand teilt den Korpus asymmetrisch in ein offenes Fach mit Zwischenboden und einen Korpus mit Tür. Eine weiße Außenhaut aus zweischichtig formverleimter MDF öffnet sich wie eine Eierschale über der in Nussbaum furnierten 16-mm-Spanplatte und verstärkt die optische Leichtigkeit des Möbels. Sebastian Seel, Schreinerei Bachschmidt, 67069 Ludwigshafen

Hoch gestapelt
Die Mischform aus Garderobe und Kleiderschrank zeigt eine eigenständige Auseinandersetzung mit der Organisation der Kleiderablage. Gut ablesbar ist die zerlegbare Schichtung des Stahlgestells und der Korpusvolumen in Rotulme und MDF in abgestufter Dimension. Originell ist die Kleiderstange mit den improvisierten Bügeln integriert. Tim Neunheuser, Holzwerk Judith Cramer, 53501 Grafschaft. Belobigung Gute Form Rheinland-Pfalz

Schlank aufgerichtet
In das auf Gehrung gefaltete, in Kernesche furnierte Mäanderband aus Tischlerplatte sind Korpuselemente und Rückwände als Quadrate mit jeweils 500 mm Kantenlänge eingesetzt. Grau lackierte MDF und durchlaufendes Furnierbild übersetzen die Konstruktionsidee in einem stimmigen Materialkontrast. Marius Kohl, Die Möbelmacher, 67158 Ellerstadt

Zwischen den Zeiten
Der pultartig in massiver sibirischer Lärche gearbeitete Tisch trägt in seiner Platte eine dreidimensional wirkende Intarsie aus isometrischen Würfeln. Im kulissengeführten Schubkasten überrascht eine Ausfachung in Mineralwerkstoff. So pendelt das an sich zeitlose Stück zwischen Tradition und Gegenwart, ohne die jeweiligen Attribute voll integrieren zu können. Christina Neises, Möbeltischlerei Brakonier, 54317 Gusterath

Zurückhaltend präsent
Das grafisch anmutende Stück zeigt im Zusammenklang des leichten Untergestells aus Vierkantstahl mit dem asymmetrisch geteilten lackierten Korpus und Schubkästen in Rüster eine feine Gliederung und schöne Proportionen. Großer Schubkasten und Klappe spiegeln sich auf der gegenüberliegenden Seite in Blende und kleinem Schubkasten. Auch Beschlag und Grifflösung sind Teil der geradlinigen Gestaltung des Möbels.Hannes Weißenmayer, Schreinerfarm, 67227 Frankenthal. Dritter Preis Gute Form Rheinland-Pfalz