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Gesellenstück von Torben Bischoff: »Eine Art Gewohnheit«

Gesellenstück von Torben Bischoff
»Eine Art Gewohnheit«

Torben Bischoff hat Industriedesign studiert, bevor er Tischler wurde – ohne Diktat des rechten Winkels und auf Augenhöhe mit CAD und CNC. Sein Gesellenstück spiegelt diese Prägung.

Herr Bischoff, am Anfang vieler Gesellenstücke steht noch vor der Idee das Holz. Auch bei Ihrem?

Tatsächlich war das Ausgangsmaterial eine Leimholzplatte aus Rüster mit durchgehenden Lamellen, vor Jahren bei einem Kunden ausgebaut und seither trocken gelagert!

Sind die organischen Formen mit Hilfe von CAD und CNC ausgeführt?

Ansichten und Schnitte entstanden zum größten Teil in Vectorworks 2D. Einzelne Details habe ich in Sketchup aufgebaut. Die organischen Formen sind mit der CNC in zwei Dimensionen konturgefräst, Kanten und Übergänge des Gestells sind radial mit dem Stabfräser angearbeitet. An die Beine angefräste Zapfen werden von der Traverse formschlüssig umfasst. Die Übergänge zwischen dem Gestell und den Korpusseiten habe ich von Hand mit einem Miniaturhobel ausgeführt.

Wie kam es zu der Entwurfsidee?

Es gab keinen konkreten Bedarf an einem speziellen Produkt. Möbelart und Größe sind typisch für meine Entwürfe aus der Studienzeit an der UdK Berlin, daher war der Entwurfsansatz eine Art Gewohnheit! Alles übrige ergab sich intuitiv bei der gestalterischen Arbeit. Mir gefällt das geometrische Spiel von sanften Radien, Formübergängen und scharfen Linien, etwa am Übergang der Stollen in die Seiten. Die Idee der Glasböden fand ich zunächst witzig und später richtig stark: Möbelstücke dieser Art wollen ja ihren Inhalt meist verbergen. Meines gibt mit vier geschlossenen Seiten zunächst auch diesen Anschein, gewährt dann aber doch den vollen Durchblick!

War die exponierte Gasdruckfeder eine Notlösung?

Ja, das gebe ich zu. Die Klappe musste abgefedert werden, ein unkontrolliertes Fallen könnte das ganze Möbelstück zum Kippen bringen. Leider habe ich keinen befriedigenden Beschlag gefunden und aus Zeitmangel musste dann schließlich eine schlichte Gasdruckfeder her.

Was würden Sie heute an Ihrem Gesellenstück anders machen?

Definitiv die Gasdruckfeder! Die muss ausgetauscht werden, und wenn der Beschlag selbst erdacht werden muss. Tatsächlich könnte ich an vielen Details noch einmal Hand anlegen, Gestaltung ist ein Prozess, der nie zu einem absoluten Ende kommt. Die Gesamtgeometrie würde ich etwas variieren, die Kante am Stollenübergang stärker betonen …

Wie nutzen Sie heute das Möbel?

Es steht als Ausstellungsstück in unserem Showroom und erinnert stetig daran, dass es in der Tischlerei noch mehr geben kann als Küchenzeilen und meterlange Schrankanlagen.

Noch ein Wort zu Ihrer Ausbildung und zur aktuellen Tätigkeit?

Ich bin chronologisch betrachtet zunächst Diplom-Produktgestalter und nach dem Studium mit diversen Berufen auf Tuchfühlung gegangen: als Grafiker und Werbetechniker, Fahrzeugbeschrifter und Industriemonteur, um dann die Ausbildung zum Tischler bei Bau+Art in Berlin zu absolvieren. Vorkenntnisse in CAD, CNC sowie mit vielen Materialien durch das Studium haben mich dieses Kapitel rasch abschließen lassen. Bei Bau+Art bin ich geblieben! Hier arbeite ich heute als Projektleiter und tue alles, damit die Jungs in der Werkstatt arbeiten können. Nur selber schaffe ich es leider nicht mehr so häufig in die Werkstatt.

dds-Redakteur Johannes Niestrath hat Torben Bischoff 2020 in Berlin getroffen.

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