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Meisterstück: Tisch von Nina Zipprich

Meisterstück: Tisch von Nina Zipprich
Materie in Bewegung

Nina Zipprich hat sich während des Entwurfs ihres Meisterstücks durch unterschiedliche Assoziationen inspirieren und leiten lassen. Eine Einordnung von Axel Müller-Schöll.

Die Vorgehensweise von Nina Zipprich kann man nicht mit der einer Designerin vergleichen, die re-interpretiert oder Funktionen optimiert, sondern eher mit der einer modernen Bildhauerin, die – wie es der Frankfurter Kunstprofessor Ottmar Hörl treffend ausdrückt »Materie in Bewegung zu versetzen vermag« und damit andere zum Staunen bringt, ganz ähnlich wie dies einem Zauberer gelingt. Bei diesem Möbelstück ist nämlich alles »einen Ticken anders«: die Tischplatte erhält ein Ornament, allerdings kein gewöhnliches, sondern eines, das scheinbar locker auf die Fläche gestreut ist, dabei Formen, Materialien und Geometrien zitiert, sie dabei variiert und zum Teil sogar ertüchtigt.

Die Tragstruktur, auf der die Tischplatte ruht, ist im herkömmlichen Sinne auch kein Gestell, eher die De-Konstruktion (Zerstörung) eines solchen – doch was mikadoartig hingepurzelt erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als stabiler Körper. Man kann dieses Objekt als Skulptur oder als Tisch mögen oder auch nicht – ein Manifest ist es allemal: Das Manifest einer Meisterin, die zur Umsetzung einer etwas schrägen formalen Idee vor keiner handwerklichen Schwierigkeit zurückschreckt, die das Holz traditionell fügt und bearbeitet, daraus aber nichts Traditionelles machen möchte, die ihr Know-how des Fügens und Formens spielend auf ein anderes Material wie Basaltstein zu transformieren weiß.

Ganz offensichtlich verfügt sie dabei auch über eine Portion Humor: Ihr Talent für das Ingenieurhafte führt nämlich nicht etwa zum Einbau komplizierter Elektronik, sondern zu einer raffinierten analogen Mechanik, die zur charmanten Hommage an einen, was Form und gestalterische Zuwendung anbelangt, seit langem zu unrecht übersehenen kleinen Helfer im Alltag gerät: einen integrierten Topfuntersetzer …


Prof. Axel Müller-Schöll lehrt an der
Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Innenarchitektur und Ausbaukonstruktion.
dds und dem Tischlerhandwerk ist er seit vielen Jahren beratend und als Autor verbunden.

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