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Der kleine Tisch

Ausbildung
Der kleine Tisch

Florian Löser, Meisterschule für Schreiner München, verschafft dem einst universell genutzten und heute fast vergessenen Möbeltypus ein gelungenes Comeback.

Prof. Axel Müller-Schöll, Burg Giebichenstein, Hochschule für Kunst und Design Halle

Der »kleine Tisch« als geschickte Hilfe in der Küche oder auf der Veranda (Marmelade Rühren, Hausaufgaben machen, …) ist ein fast in Vergessenheit geratener Möbeltypus: Leicht musste er sein, stabil und durfte auf den unterschiedlichsten Böden nicht wackeln. In diesem Sinne ist Florian Löser mit den runden Formen und der kraftvollen Farbgebung nicht nur formal eine Neuinterpretation des Möbeltyps gelungen, sondern auch konstruktiv. Die leicht abgespreizten Beine folgen dem Stabellenprinzip, das in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts in erster Linie für Wirtshausstühle, Bauerntische und Melkschemel Anwendung fand.
Allerdings wurde der hölzerne Fuß damals lediglich in eine massive Holzplatte eingesteckt und meist nicht ein- mal verleimt, sondern nur verkeilt. Erst das Gewicht, das auf das Möbel als Last einwirkte, brachte hinreichend Stabilität in diese Holzverbindung – insbesondere auch auf unebenem Grund, da die Konstruktion entsprechend sanft nachgab. Dies trifft auch auf Florian Lösers Möbel zu, wenn auch in reduzierter Form, da die Metallbeine auf eine Stahlkonsole geschweißt wurden.
Vorsichtige Bedenken habe ich lediglich bei den beiden Vierkant-Profilen aus Edelstahl, die, so Florian Löser, »aus Gründen der Stabilität und Formbeständigkeit« an den beiden Plattenenden eingeleimt wurden. Die Verbindung von Metall und Trägerplatte wird dabei überwiegend auf Scherung beansprucht, und zwar genau an den Klebestellen. Günstiger wäre es gewesen, eine solche Verstärkung an derselben Stelle unter der Platte anzuordnen – die Höhe der Schubladenseiten hätte dies problemlos zugelassen. Insgesamt betrachtet stellt das Möbel eine ebenso charmante wie anspruchsvolle Referenz eines ambitionierten Meisters seines Faches dar.
»Eine ebenso charmante wie anspruchsvolle Referenz eines ambitionierten Meisters!« Axel Müller-Schöll

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