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Watt Volt ihr denn beleuchten?

Marktübersicht
Watt Volt ihr denn beleuchten?

Das Angebot an Bau-Licht – das früher ein Schattendasein führte – nimmt im Gefolge der Akku-Entwicklung Fahrt auf. War bisher der Halogenstrahler aus dem Baumarkt verbreitet, haben nun die Hersteller von Elektrowerkzeugen das Thema entdeckt.

Lampen in allen Volt-Klassen werden heute mit Akku-Strom versorgt. Jeder Handwerker hat schließlich sein Arsenal kabelloser Werkzeuge im Gepäck. Daneben purzeln immer neue Akku-Ideen auf den Markt: von Messgeräten über Staubsauger, Radios und beheizte Arbeitsjacken bis hin zur akkubetriebenen Kaffeemaschine von Makita. Auch die LED-Technik entwickelt sich: immer größer wird die Lichtausbeute, d.h. die Helligkeit pro Watt, die erreichbar ist. Vor allem weiße LEDs mit ausreichender Effizienz gibt es noch nicht allzu lange. Die Lebensdauer von LEDs ist im Vergleich mit anderen Leuchtmitteln enorm. Dennoch altern auch sie; ihre Leuchtstärke nimmt ab: rund 30 Prozent in 10 000 Stunden. Lebenszeitverkürzend wirkt vor allem Wärme. Neben der relativen Leistung – Lichtausbeute pro Watt – zählt auch die absolute Leistung – Stromaufnahme in Watt. Bosch verbaut z.B. 60 LEDs, um 1200 lm (Lumen) zu erzeugen, bei DeWalt erzeugen 4 LEDs 1000 lm. Und der Stromverbrauch kann dem Schreiner auch auf der Baustelle nicht gleichgültig sein: Wenn dort nur eine Leitung vorhanden ist, an der alle Geräte hängen, kann Stromsparen sinnvoll sein.

Licht ist Pflicht
Helles Licht auf dem Bau ist kein Luxus, sondern gesetzlich vorgeschrieben. Die Anforderungen an die künstliche Beleuchtung auf Baustellen werden von der BG Bau in der Richtlinie A 199 angegeben (www.bgbau-medien.de). In der Richtlinie ASR A3.4 finden sich zudem die allgemeinen technischen Regeln für die Beleuchtung von Arbeitsstätten.
Für grobe und mittelfeine Montagearbeiten genügt eine Beleuchtungsstärke von 50 bis 100 Lux, anspruchsvolle Montage- und Oberflächenarbeiten erfordern 200 Lux; am höchsten sind die Anforderungen für das Arbeiten mit Holzbearbeitungsmaschinen – hier gelten 500 Lux als Minimum.
Nicht nur in der kalten Jahreszeit ist man auf elektrisches Bau-Licht angewiesen, auch sonst muss man immer damit rechnen, in dunklen Räumen arbeiten zu müssen: im Innenausbau, bei der Treppenmontage, im Laden- oder Messebau, bei der Dachisolierung, im Trockenbau und bei Bodenarbeiten. Die früher üblichen Halogenstrahler und Leuchtstoffröhren waren beschädigungsempfindlich, die Lebensdauer der Leuchtmittel war begrenzt. Halogenstrahler erwärmen sich – auch im Hochsommer – stark. Hitzeentwicklung und Bruchempfindlichkeit sind auch ein Sicherheitsproblem, vor allem dann, wenn viele Handwerker auf engem Raum arbeiten. Und zur Sicherheit gehört es im übrigen nach wie vor, dass ein Baustrahler staub- und strahlwasserdicht sein sollte (Schutzklasse IP 55).
Moderne LED-Leuchtmittel begnügen sich mit rund einem Fünftel der Energie, die herkömmliche Leuchtmittel verbrauchen, sie sind sehr langlebig, und ihre Lichtfarbe ist mit 5000 K (Kelvin) tageslichtähnlich. Dies fördert Konzentration und Wohlbefinden, und es ist außerdem immer dann von Bedeutung, wenn es auf den Farbton und die Qualität von Oberflächen ankommt. Die Farbtreue weißer LEDs wird gemessen an einem Index von 100, der dem Tageslicht entspricht und den bisher kein künstliches Licht vollkommen erreicht. LEDs schaffen Werte über 75, Neon und Halogen liegen darunter.
Flutlicht oder Spotlight
Die Allround-Leuchte kann es nicht geben – zu unterschiedlich sind die Anwendungssituationen. Raumlicht sollte homogen sein, d. h. ohne dunkle Randbereiche. Dazu benötigt die Lampe einen großen Abstrahlwinkel, der auch dazu beiträgt, dass man sie nicht ständig versetzen muss. Festool setzt bei seinem Baustrahler auf ein abgewinkeltes Gehäuse mit zwei LED-Platinen und erreicht damit einen Streuwinkel von 180 Grad. Auf einem Stativ montiert, ergibt dies ein echtes Flutlicht. Dafür ist allerdings Netzstrom erforderlich. Bosch hat seinen Strahler samt Akku in eine Systembox eingebaut. Makitas Baustrahler lässt sich sowohl mit Akku betreiben als auch mit Netzstrom. Dewalt konzentriert sich mit einem akkubetriebenen 18-V-Strahler auf Handlichkeit.
Die meisten Hersteller bieten Leuchten in verschiedenen Voltklassen an. Es macht also Sinn, bei der Wahl von Voltklasse und Hersteller auf das zurückzugreifen, was an Akkus und Ladegeräten bereits im Betrieb vorhanden ist. Schaltbare Helligkeitsstufen verlängern durch Stromsparen die Betriebsdauer. Schwenkbare Leuchtenköpfe helfen, immer die richtige Stelle zu beleuchten. Bei Montageleuchten ist wichtig, dass sie verschiedene Aufstell- und Befestigungsmöglichkeiten bieten: man sollte sie werkzeuglos an Gerüsten oder Leitern anbringen können. Sie sollten sicher auf dem Boden stehen und einfach zu transportieren sein, etwa durch einen Gürtel-Clip.
Und abgesehen von den Lichtideen der Hersteller: zur Montage lassen sich auch Outdoor-Stirnleuchten verwenden, die erstaunliche Leuchtkraft erreichen – wie jeder weiß, der schon einmal nachts von einem Radfahrer mit 1000 Lumen geblendet worden ist.

Was ist was?
Der Lichtstrom ist die Lichtmenge, die eine Leuchte abgibt. Einheit: Lumen (lm).
Die Beleuchtungsstärke gibt an, wie viel Licht auf einer Fläche ankommt. Einheit: Lux (lx). Es gilt: 1 lx = 1 lm/m2
Das Verhältnis von Lumen zu Lux hängt außer von der Flächengröße auch von Entfernung und Abstrahlwinkel ab.

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Jörg Zinßer ist Tischlergeselle und Journalist. Er arbeitet als freier Autor für dds. Um die Hintergründe der Lampen zu erhellen, hat er sich auf das Glatteis zwischen Lux und Lumen, Winkel, Fläche und Entfernung begeben.

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