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Wände mit Durchblick

Technik
Wände mit Durchblick

Trennwandsysteme bieten eine stetig wachsende Vielfalt an Glaskonstruktionen. Der zweite Teil unserer Marktübersicht stellt ausgewählte Systeme vor.

Die Anbieter von Trennwandsystemen, meist schon seit über 30 Jahren mit Vollwandkonstruktionen auf dem Markt, haben ihre Entwicklungen in den vergangenen Jahren auf neue Verglasungssysteme konzentriert. Dahinter steht der Wunsch von Architekten und Bauherren, Innenräume großzügiger, heller und vor allem kommunikativer zu gestalten. Zudem wird administrative Offenheit in Unternehmen gerne mit architektonischer Transparenz versinnbildlicht – wenn nicht sogar verwechselt. Der Anteil der Glaswände am Umsatz macht bei einzelnen Herstellern mittlerweile bis zu 80 Prozent aus.

Formale Reduktion
Die gestalterische Qualität verfügbarer Glaskonstruktionen hat in den letzten zehn Jahren erheblich zugenommen. Nach den schon länger angebotenen gerahmten Glaselementen sind zahlreiche konstruktiv und formal reduzierte Glassysteme hinzugekommen: Mehr Glas, weniger Profil. Mehr Durchsicht, weniger Ansicht. Die Profilansicht gerahmter Konstruktionen liegt zwischen 7 und 35 Millimetern. Die Profile rahmenlos geklebter »Structural-Glaz-ing«-Elemente verschwinden gar hinter einer durchgehenden Glasebene – eine Technik, die zunächst im Fassadenbau zum Einsatz kam und seit etwa fünf Jahren auch für Innenwände verfügbar ist. Auch so genannte »Nur-Glas«-Konstruktionen sind mittlerweile in allen Lieferprogrammen zu finden.
Rahmen- und Structural-Glazing-Verglasungen werden, ebenso wie die Spanplattenpaneele, ein- oder zweiteilig vorgefertigt, in die Ständer gehängt oder geklemmt. Die wandbündigen Varianten sind wahlweise mit ein- oder beidseitig angeordneten Scheiben möglich. Bei wandmittiger Verglasung sind Einfach- oder Isoliergläser einsetzbar. Pfosten-Riegel- und Lisenenverglasungen werden erst vor Ort aus Profilen und wandmittigen Glasscheiben zusammengesetzt. Einen Sonderfall stellen die Nur-Glas-Wände dar. Sie bestehen aus profillos gestoßenen Gläsern und benötigen lediglich U-Profil-Schienen zum Anschluss an das Gebäude. Die Bezeichnung »Nur-Glas« erhält ihre Berechtigung allerdings erst, wenn in der architektonischen Werkplanung die U-Profile oberflächenbündig in Boden, Wand und Decke eingelassen werden und somit optisch tatsächlich verschwinden.
Herausforderung Brandschutz
Die Schallschutzeigenschaften dieser schlanken Konstruktionen sind den konventionellen Verglasungen oftmals ebenbürtig. Beim Brandschutz müssen jedoch häufig Abstriche gemacht werden. Der Schwachpunkt von Structural-Glazing liegt etwa in der Klebeverbindung zwischen Glasscheibe und Rahmenprofil. Die Scheiben von Nur-Glas-Kons-truktionen sind lediglich mit einem Dichtungskeder aus transparentem Kunststoff gestoßen. Dennoch können, nicht zuletzt durch die Weiterentwicklungen der Glashersteller, mit manchen Glaskonstruktionen auch Feuerwiderstandsklassen bis F90 erreicht werden.
Besondere Lösungen
Die Unterschiede zwischen den Glaskonstruktionen der einzelnen Hersteller liegen im Detail, z.B. bei Schall- und Brandschutzwerten oder den Profilansichten (siehe Tabelle Seite 68 und 69). Insbesondere jene Glaswände, die nicht auf dem jeweiligen Standard-Wand-ständer basieren, bieten in technischer oder gestalterischer Hinsicht herausragende Eigenschaften. Intek hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, eine Structural-Glazing-Glaswand zu entwickeln, die einen Brandschutz bis F90 gewährleistet. Dazu werden zusätzlich zu den wandbündig geklebten Scheiben bis zu zwei gerahmte Brandschutzgläser in der Wandmitte eingefügt – ein hoher kons-truktiver Aufwand, der dem Auge nicht verborgen bleibt und die Bezeichnung »Structural Glazing« etwas relativiert. Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung hierfür steht noch aus.
Strähle fertigt seit 2007 das »System T«, bei dem überraschend wenig Metall im Einsatz ist. In der Pfosten-Riegel-Bauweise werden beidseitig wandbündige Glasscheiben mit sichtbaren Edelstahl-Pressbeschlägen auf die Unterkonstruktion montiert. Diese besteht aus furniertem Schichtholz. Mit 36 Millimetern Breite unterbieten die Ständerprofile den Querschnitt jeder Stahl-Aluminium-Konstruktion. Brandschutz darf hier nicht erwartet werden, wohl aber eine Schalldämmung Rw,P bis 40 dB.
Auch Lichte hat eine Glaswand entwickelt, deren sichtbare Profile aus Holz bestehen. Das Pfosten-Riegel-System »650« kommt mit Pressleisten aus u-förmig profilierten Holzstollen daher. Sie umschließen den normalen Stahlständer, woraus sich die im Lichte-System verbreitete Wandstärke von 105 Millimetern ergibt. Beim Nur-Glas-System »800«, dem bislang einzigen in der Structural-Glazing-Technik, werden die Scheiben einseitig wandbündig auf 25 Millimeter breite Boden-, Wand- und Deckenprofile geklebt. Dennoch zeigen sie sich in der Wandansicht mit einer zwei Millimeter schmalen, um die Glasfelder laufenden Kante. Die Glasstöße kommen ohne Profil aus und werden dauerelastisch versiegelt.
Drum gelingt mit »Planus light« ein System, das kostengünstig die Rahmenbreite in der Ansicht auf sieben Millimeter minimiert, während erst hinter Glas die volle Profilbreite von 28 Millimetern sichtbar wird – eine Rahmen-Verglasung mit höchstem Glasanteil in der Frontansicht.
Raumqualität mit Glas
Auch wenn die architektonische Bedeutung von Glaswänden im Innenraum wächst und die bauphysikalischen Schwächen kleiner werden: Die Komponenten des Innenausbaus müssen letztlich eine für Menschen angenehme Umgebung schaffen. Glas ermöglicht Sichtverbindungen und nonverbale Kommunikation über Raumgrenzen hinweg. Es lässt Tageslicht auch in tiefer gelegene Mittelzonen mit hoher Aufenthaltsqualität. Die Grenzen zu benachbarten Räumen werden fließend, die großzügigere Raumwirkung kommt insbesondere Zellenbüros zugute. Andererseits stehen Glaswände dem Wunsch nach Privatsphäre entgegen und bieten keine Möglichkeiten zur Unterbringung von Stauraum. Daher ist es häufig sinnvoll, die Büroquerwände als Vollwand auszuführen und mit Möglichkeiten zur horizontalen oder vertikalen Organisation auszustatten.
Flurwände können mit einem Glasanteil zwischen null und 100 Prozent ausgebildet werden. Aber mit steigendem Glasanteil wächst auch die Notwendigkeit, die Durchsicht dieser Glasflächen individuell zu steuern. Die Hersteller haben auf dieses Bedürfnis reagiert und ermöglichen für viele Glaswände den Einbau von Jalousien. Bei Kastenverglasungen im Glaszwischenraum, bei Einscheibenverglasungen raumseitig hinter der Scheibe. Alternativ zur technischen Aufrüstung mit Jalousien können die Scheiben schon ab Werk mit Folien beklebt werden. Daraus ergeben sich zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten.
Bei hohem Kostendruck lassen sich unterschiedliche Systemwelten kombinieren: etwa Querwände als Gipskartonständerwände und Flurwände als Glas-Systemtrennwände. Das ist repräsentativ, aber die Flexibilität leidet. Systemtrennwände vereinen fast alle im Innenausbau wichtigen Eigenschaften: Als vorgefertigte Elemente mit gebrauchsfertigen Oberflächen ermöglichen sie eine schnelle Abwicklung auf der Baustelle. Besonders dynamische Unternehmen mit häufig wechselnden Raumstrukturen profitieren von der schnellen und staubfreien Versetzbarkeit der Wände. Auch in Glas erfüllen sie höchste Anforderungen an Schall- und Brandschutz.
Systemtrennwände bieten der Innenarchitektur viele Möglichkeiten, nicht zuletzt durch die Vielfalt der Oberflächen: Glas, Melaminharz, Holzfurnier, Echtmetall oder Textilien, bei Bedarf akustisch wirksam. Einzig: Wer kein Freund der Fuge ist, greift dennoch zu Gipskarton. Daniel Vieser
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