Technik

Tapeten aus Stein

Richter Furniertechnik hat die Herstellung immer dünnerer Natursteinfurniere weiter vorangetrieben. Die jüngsten Varianten verhalten sich wie ein Textil oder eine Tapete.

Bei der »Stone-Veneer« genannten Produktpalette aus Halbzeugen und Fertigelementen kommen Sandsteine, Schiefer und Quarzit zum Einsatz. Die von großformatigen Steinplatten abgespaltenen Schieferfurniere sind 0,1 bis 2,0 mm dick. Glasfasern, eingebettet in eine Polyesterharzmatrix halten die Schichten auf der Rückseite fest zusammen. Sandstein wird auf eine flexible und haltbare Gitternetzstruktur aufkaschiert. Die spaltraue Oberfläche und die wechselnden Farbspiele in den einzelnen Steinschichten machen jedes Blatt zu einem Unikat. Alle Steinfurniere gibt es in verschiedenen Standard-Farben und Oberflächenqualitäten.

Neu ist der »NanoStone« als Weiterentwickelung des Stone-Veneers. Besondere Schiefergesteine werden in nur 50 bis 100 µm dünne Schichten aufgespalten. Als Trägermaterial dient ein wasserstrahlgefestigtes Vlies mit 90 g/m². Mit einer Gesamtdicke von 0,3 mm gibt es diese Steinoberfläche in Rohformaten von 1220 x 610 mm. Die Schieferoberflächen sind jetzt so flexibel und leicht, dass Einsatzmöglichkeiten denkbar sind, die so vorher niemals hätten realisiert werden können (vgl. »Um die Ecke gedacht« von Oliver Hess, dds 8/2009, Seite 56/57). Schiefergestein mit seiner typischen Oberflächenstruktur kann man jetzt wie eine Tapete an die Wand kleben. Dieser Steinvliesverbundwerkstoff hat eine hohe Verformbarkeit. Rechtwinkliges Falten in horizontaler wie auch vertikaler Richtung ist ebenso machbar wie das Biegen engster Radien. Dreidimensionales Tiefziehen ist bedingt möglich; hier zeigt das Vlies die Grenzen auf. Eine Silikonemulsion schützt die Oberfläche vor Verschmutzung. Mit rückseitiger, 0,8 bis 1,5 mm dicken Kaschierung aus recyceltem Leder erlaubt das Material immer mehr Anwendungen, die sich bisher nur mit Textilien verwirklichen ließen.
Für den dauerhaften Einsatz an Wandflächen bietet der Hersteller außerdem Stone-Veneer-Wall an. Das Steinfurnier ist hier werksseitig auf eine 7 mm dicke Hartschaumplatte aufgezogen, sodass es sich mit Fliesenkleber applizieren lässt. Alternativ gibt es steinfurnierte Nut-und-Feder-Paneelelemente aus 12 mm dickem MDF. Die Befestigung erfolgt mittels einer nicht sichtbaren Verschraubung durch MDF-Federn in den Farben anthrazit oder grau. Sie sorgen für ein ansprechendes Fugenbild und gewährleisten auch den problemlosen und schnellen Auf- und Rückbau, z. B. bei temporären Bauten oder sehr kurzen Bauzeiten im Trockenbau.
Bei den Bodenelementen »Stone-Veneer Floor« kommen nur Schieferoberflächen auf einer Trägerplatte aus 2,0-mm-HDF sowie einer trittschalldämmenden, 3-mm dicken PUR-Hartschaumgranulat-Platte zum Einsatz. Sie eigen sich besonders für den Objekt- Messe- und Ladenbau mit einer zeitlich begrenzten Nutzung. Oliver Hess

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