Nesting im Holzhandwerk

Wovon Schreiner so träumen

Was auf den ersten Blick nach einem See mit Sonnenuntergang und eintauchendem Außenbordmotor aussehen mag, ist eine vollautomatische Nesting-Maschine, die Martin Maierhofer mit dem »Schreinertraum« von Grupp die lästige Plattenbearbeitung abnimmt.

Martin Maierhofer unterbricht für ein paar Minuten seine Arbeit im Bankraum und geht in den Maschinenraum. Seine 300 m2 große Werkstatt in Rain bei Donauwörth befindet sich in einem ehemaligen Bauernhof im Ortskern. Vor 19 Jahren hat er den Betrieb gegründet und arbeitet für Privatkundschaft ebenso wie im Objektgeschäft. Zu 50 Prozent erwirtschaftet er seine Umsätze mit Massivholzarbeiten, den Rest mit Möbeln und Einrichtungen aus Plattenwerkstoffen. Zurzeit beschäftigt er einen Gesellen, der nur freitags kommt, und einen Lehrling, der jedoch noch sein Berufsgrundschuljahr absolviert und in den Ferien und am Wochenende stundenweise aushilft. Weiterhin unterstützt ihn sein Vater, ein pensionierter Beamter. Seine Frau Evi kümmert sich um die Büroarbeiten und betreut den Ausstellungsraum im Stadtzentrum von Rain. Der Bankraum befindet sich im ehemaligen Schweine- und Kuhstall, der Maschinenraum in der Scheune mit einem großen Tor.

Bohrt vor dem Zuschnitt

Im Maschinenraum stehen die klassischen Tischlereimaschinen, eine Kantenanleimmaschine und neuerdings eine CNC, eine für das Nesting ausgelegte 4-Achs-Pratix von SCM. Auf dem Maschinentisch liegen soeben mit einem Schaftfräser aus einer weißen Halbformatplatte herausgetrennte und mit allen Beschlagsbohrungen versehene Möbelteile. Obwohl kein einziges Teil aus dem Nest herausgelöst worden ist, sind alle stirnseitigen Dübellöcher waagrecht in die Schmalflächen gebohrt. Martin Maierhofer drückt immer wieder den Schiebertaster, bis die Werkstücke bequem erreichbar auf dem kurzen Abnahmetisch liegen. Die Möbelteile legt er in den Hordenwagen, die schmalen Reststreifen wirft er in die Abfalltonne. Er lässt das Portal der Maschine zurückfahren und ruft seinen Vater zu Hilfe. Vor der CNC direkt am Scheunentor hat der Plattenlieferant speziell für den aktuellen Auftrag einen etwa 20 cm hohen Stapel weißer Halbformatplatten auf ein Paar Böcke abgelegt. Der Vakuumheber zum Beschicken der CNC aus dem senkrechten Plattenlager neben der Maschine oder vom Stapel vor der Maschine ist noch nicht installiert, also heben sie zu zweit die oberste Platte ab und legen sie auf den Maschinentisch. Martin Maierhofer stellt sich an den Maschinenbildschirm und startet das nächste Programm. Beide gehen jetzt wieder ihrer eigentlichen Arbeit nach. Etwa 30 Halbformatplatten verarbeitet er im Monat und lastet die Maschine damit zu vielleicht 20 Prozent aus. Bereits seit drei Jahren träumt Martin Maierhofer davon, Korpusse auf einer CNC zu fertigen. Der Plattenzuschnitt auf der Formatkreissäge war ein mühsames Geschäft und ließ sich nicht ohne Helfer bewältigen.

Nimmt die lästige Arbeit ab

Das Hantieren und ungleichmäßige Vorschubbewegungen führten immer wieder zu Beschädigungen der Platten. Alle Weiterverarbeitungen wie Bohren, Nuten, Fräsen und Kantenanleimen waren recht zeitintensiv, erklärungsbedürftig und damit auch fehleranfällig. Als dann letztes Jahr in den Sommerferien der Auszubildende nachdem Berufsgrundschuljahr die Kündigung eingereicht hatte, stand für Martin Maierhofer fest, dass er sich konventionell mit den Platten nicht weiter herumquälen möchte. Er fragte seinen Maschinenhändler Markus Grupp, welche Maschine ihm die lästige Arbeit am besten abnehmen kann. Grupp empfahl ihm den »Schreinertraum«, ein patentiertes und aufeinander abgestimmtes Paket aus einer Pratix-4-Achs-CNC von SCM, der Verschachtelungssoftware MultiCenter-Studio (MCS) von CAD Line sowie einem Winkelaggregat von Grotefeld für das horizontale Dübelbohren. MCS verschachtelt mit Maestro, dem Programmiersystem von SCM, konstruierte Werkstücke und erlaubt die Bearbeitungen Fräsen, Sägen und Bohren von oben sowie horizontales Bohren. MCS verschachtelt die Programme so, dass die zu fräsenden Taschen auch übereinander oder am Rand liegen und somit der Verlust und die Bearbeitungszeit reduziert werden. Eine Tasche benötigt einen Werkstückabstand von 12 cm. Langfristig betrachtet treiben die Taschen den Verschnitt jedoch kaum in die Höhe.

Dass Martin Maierhofer bereits seit Jahren mit dem Konstruktionsprogramm Palette-CAD arbeitet, hat die Umstellung auf die CNC erleichtert. Palette-CAD hat eigens für Maierhofer die Anbindung an MCS programmiert. Die Besonderheit des Schreinertraum-Pakets ist die Fähigkeit, im Nest die horizontalen Dübellöcher einzubringen. Dazu legt die Nesting-Software den Verschnitt, der sonst meistens am Plattenrand anfällt, dorthin, wo die Dübellöcher zu bohren sind. Ein Schaftfräser fräst zwischen die Werkstücke Taschen, in die das Winkelaggregat zum waagrechten Bohren eintaucht (siehe Bild Seite 80/81).

»Mehr Zeit für die Kür«

Seit Jahresanfang arbeitet Martin Maierhofer mit dem Schreinertraum und bereut den Schritt überhaupt nicht: »Die Plattenverarbeitung ist für mich die Pflicht, ein Massivholzmöbel die Kür. Der Schreinertraum ist für mich wahr geworden: Die Pflicht erledigt sich quasi von selbst, für die Kür bleibt mehr Zeit. Zusätzlich erweist sich das Konzept auch als wirtschaftlich. Für das, was die Maschine an langweiliger Arbeit erledigt, bräuchte ich sonst einen Vollzeitgesellen.«


dds-Redakteur Georg Molinski hat Martin Maierhofer in seiner Bauernhofwerkstatt besucht. Die Schreinertraum-CNC verrichtete brav ihren Dienst, während der Schreinermeister traumhafte Massivholzmöbel erschuf.


Kontakt

Anwender: Schreinerei Maierhofer 86641 Rain am Lech www.schreinerei-maierhofer.de

Maschine: SCM Group Deutschland GmbH, 72622 Nürtingen www.scmgroup.com

Händler und Patent: Maschinen-Grupp GmbH, 89564 Nattheim, www.grupp.de