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Fingerschutz mit PCS-System an der Formatkreissäge

Sicherheitssystem an der Formatkreissäge
Sichere Sägen mit PCS-Fingerschutz

Hubert Baumann schafft es nicht, auf seiner Formatkreissäge ein Wiener-Würstchen durchzuschneiden, das Sägeblatt taucht einfach ab. Mit Partnern aus der Wissenschaft konnte die Felder Group die gefährlichste Bestie unter den Tischlereimaschinen mit dem Fingerschutzsystem PCS zähmen.

Stolz führt Hubert Baumann in seiner Werkstatt in Hausach im Kinzigtal die Sicherheitstechnologie seiner neuen Formatkreissäge vor.

Gefahr am Sägeblatt erkannt

Damit kein Finger herhalten muss, habe ich extra ein Glas Wiener-Würstchen mitgebracht. Der Schreinermeister schaltet die Säge ein, schnappt sich ein Plattenreststück aus dem Abfallbehälter hinter der Säge und legt dieses auf den Schiebetisch an den Ablänganschlag. Darauf legt er das Würstchen, fixiert es mit der linken Hand und schiebt den Tisch zügig nach vorne. Er führt einen ganz normalen Trennschnitt durch. Kurz bevor das Würstchen die Gefahrenzone erreicht schaltet sich die Maschine aus und das Sägeblatt taucht blitzartig ab. Der simulierte Unfall hat auf der Wurstpelle lediglich einen winzigen, kaum wahrnehmbaren Kratzer hinterlassen (siehe Bild rechts).

Abstand zum Finger erkannt

Hubert Baumann wiederholt das Experiment, legt die Wurst aber weiter links rund 3 mm diesseits der Sägelinie auf. Diesmal kann er den Schnitt komplett ausführen, die Wurst bleibt unversehrt.

Die schützende Geisterhand, die eigentlich nicht Würste, sondern Finger und Hände schützen soll, heißt »PCS« (Preventive Contact System) und ist aktuell eine Option für die Formatkreissäge »Kappa 550 E-Motion« von Format4. Gefördert durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) entwickelte die Felder Group zusammen mit der TU Wien dieses Fingerschutz- und Sicherheitssystem. Es nutzt das Kreissägeblatt als Sensor. Das Paar aus Sägeblatt und seiner Umgebung verfügt wie ein Kondensator über eine messbare elektrische Kapazität. Diese ändert sich stark, wenn sich stromleitende Körper wie die Wurst, ein Finger oder Metallteile nähern. Wenig stromleitende Gegenstände wie trockene Holzbretter wirken sich auf die elektrische Kapazität nur sehr wenig aus. PCS erfasst jede Kapazitätsänderung, wertet sie aus, erkennt bei größeren Ausschlägen frühzeitig Gefahrensituationen und veranlasst gegebenenfalls das blitzartige Abschalten und Absenken des Werkzeugs.

Im Normalbetrieb halten Dauermagnete das hängend gelagerte Sägeaggregat auf seiner Arbeitshöhe fest. Wenn PCS auslöst, kehren starke Elektromagnete die Wirkrichtung der Kraft um, sodass das Aggregat mit mehrfacher Erdbeschleunigung nach unten abtaucht. Hochleistungshydraulikdämpfer bremsen den Block sanft ab, sodass er unversehrt bleibt. Per Knopfdruck lässt er sich dann wieder in seine Arbeitsposition zurückfahren.

Das vor 120 Jahren gegründete Familienunternehmen firmiert heute als Baumann GmbH, beschäftigt 17 Mitarbeiter und besteht aus einem Zimmerei- und einem Schreinereibetrieb. Schwerpunkt sind der Holzhausbau, Dachsanierungen, Treppenbau, Dachfenster, Balkone, Innenausbau und Möbel.

Die sensible Einstellung gewählt

Als vor drei Monaten die Neuinvestition der Formatkreissäge anstand, entschied sich Hubert Baumann wegen PCS für das Modell Kappa 550 E-Motion. Die Maschine ist jetzt seit zwei Monaten im Betrieb und erfüllt ihren Dienst zur vollsten Zufriedenheit von Hubert Baumann und seiner Belegschaft.

Beim Aufstellen der Maschine konnte sich Hubert Baumann beim PCS für die Standardeinstellung »Robust« oder für »Sensitiv« entscheiden. Er wählte die höhrer Empfindlichkeit, denn diese sorgt für besonders hohe Sicherheit. Das bringt dafür aber mehr Fehlauslösungen mit sich als die andere Variante.

Fingerschutz mit Zusatznutzen als Metallsensor

Hubert Baumann sagt: »Fehlauslösungen gab es bisher selten, und zwar einmal bei klatschnassem Holz und gelegentlich – was ich eigentlich gut finde – bei Metalleinschlüssen.« Wenn er aber doch mal bewusst einen metallischen Werkstoff oder tatsächlich ein Wiener-Würstchen sägen möchte, kann er die PCS-Empfindlichkeit umstellen. Wie, steht im Handbuch.


dds-Redakteur Georg Molinski brachte zum ersten Mal Würstchen mit zum Reportagetermin. Er erlebte Hubert Baumann als weitsichtigen Arbeitgeber, der sich aktiv um das Wohlergehen seiner Belegschaft kümmert.

 

 


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