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Digitalisierung im Tischlerhandwerk

Digitalisierung im Tischlerhandwerk
Plattenverarbeitung heute

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Ein Tischlergeselle startet den Zyklus einer Nesting-Maschine. In zehn oder 20 Minuten schiebt die Maschine ihm nur noch zu bekantende Möbeleile zu dds-Foto: Georg Molinski, Konradin Medien GmbH
Es gibt viele Wege, wie sich Möbelteile effizient fertigen lassen. Fast alle setzen virtuelle Werkstücke voraus. Welche Technik sich für wen anbietet, hängt von der Leistung, den Stückzahlen und den Losgrößen ab. dds-Redakteur Georg Molinski über aktuelle Entwicklungen in der Plattenverarbeitung.

Die Digitalisierung ändert die Arbeitsweise der Tischler und Schreiner enorm. Heut gilt es, einen Schrank oder eine Küche zunächst am Bildschirm virtuell zu bauen. Damit hat der Schreiner seinen Teil der Arbeit eigentlich schon geleistet. Alles Weitere können Maschinen erledigen – mit je nach Automatisierung mehr oder weniger Unterstützung durch Menschen, die nicht Tischler sein müssen.

Die Wertschöpfung lässt sich mit dem Erstellen eines Schriftstücks vergleichen. Das benötigt Experten, die den Text verfassen sowie Grafiker, die den Inhalt in eine angemessene, aber immer noch digitale Form bringen. Am Ende bedarf es lediglich eines Computerdruckers, der aus dem virtuellen Produkt eine reales macht. Dieser Vergleich mag vereinfachen, trotzdem trifft er aber im Kern auf ein bedeutsames Tätigkeitsfeld von Tischlern und Schreinern zu: Die Verarbeitung fertig beschichteter Platten zu Korpussen, Möbelfronten und Inneneinrichtungen.

Viele Betriebe hinterfragen zurecht das gewohnte Vorgehen in der Plattenbearbeitung. Bisher haben sie mithilfe von Handskizzen oder bei komplizierteren Aufträgen am Reißbrett konstruiert, eine Stückliste geschrieben, große Platten auf die Formatkreissäge gewuchtet, aufgeteilt und die Zuschnitte Station für Station durch die Fertigung gebracht. Dieses grundsätzliche Vorgehen muss nicht falsch oder unwirtschaftlich sein. Es lässt sich jedoch mit Software, Maschinen und Transport- und Automatisierungstechnik in vielen Punkten verbessern.

Nachdem kleinere Tischlereien und Schreinereien in den letzten Jahren ihre Arbeit auf CAD und CNC umgestellt haben, lag der Investitionsschwerpunkt mittelgroßer und größerer Betriebe im Bereich Materialfluss vor allem im Plattenzuschnitt. Automatische, liegende Plattenlager, die eine liegende Säge oder eine Nesting-Maschine mit Rohformatplatten beschicken, haben die Effizienz und die Schlagkraft vieler Betriebe enorm erhöht.

Heute zeichnen sich drei Trends ab: das Nesting, das Automatisieren einer oder mehrer Maschinen zu autonomen, das heißt mannlosen Fertigungszellen sowie der Einsatz von Computern beziehungsweise Fertigungsleitsystemen, die den Materialfluss durch die Fertigung steuern und optimieren.

Nesting. Es erübrigt viele Einzelmaschinen. Eine Nesting-Maschine ermöglich es, selbst in kleinsten Betrieben eine vernetzte Produktion zu betreiben. Sie stellt aus Rohformatplatten Möbelteile her, die nur noch zu bekanten sind.

Fertigungszellen. Darunter versteht man intelligent automatisierte Maschinen, die über einen Leitrechner oder Barcode-Etiketten Anweisungen erhalten, was mit einem Werkstück zu tun ist.

Fertigungsleitsysteme. Das Kernstück einer vernetzten Produktion bildet ein Computer mit einem FertigungsleitSsystem. Es optimiert und steuert die Fertigung nach Zielen wie Termintreue, minimaler Verschnitt oder möglichst kurze Durchlaufzeit.

Egal, für welche Technik sich ein Unternehmen entscheidet, ohne virtuelle Möbelstücke und ohne Software funktioniert die moderne Schreinerei nicht mehr. –GM

 

Mehr zum Thema Nesting erfahren Sie auf unserer Themenseite Nesting

 

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