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»Kein Hexenwerk«

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»Kein Hexenwerk«

Die technische Holztrocknung ist kompliziert und nur industriell sinnvoll zu betreiben – so die weitverbreitete Meinung. Für die Schreinerei Schütz ist sie jedoch überhaupt kein Hexenwerk.

Den Gleiswagen hat Anton Schütz soeben vollgepackt: 15 Lagen 30 mm dicke Eichenbretter, dazwischen jeweils 20 mm dicke Stapelleisten. Das Holz braucht er für einen Wohnzimmerschrank, den er übernächste Woche bauen will. Der Tischlermeister schlägt die Messelektroden ein und liest die Holzfeuchte ab: »13,9 Prozent, hier müssen wir nur ein wenig nachtrocknen. Das dauert fünf Tage.« Jetzt schiebt er den Stapel hinein, hängt das Thermo-Hygrometer stirnseitig vor den Holzstapel, räumt die Gleisverlängerung aus Kanthölzern auf ihren Platz und verschließt die 5 x 1,1 x 1,1 m große Kammer. Auf der Rückseite steckt er den gezogenen Stecker wieder ein. Übermorgen wird er mal hereinschauen.

Vor 30 Jahren hat sein Vater, ebenfalls Anton Schütz, die Kammer nach seinen eigenen Größenvorstellungen gebaut und mit dem Handwerker-Holztrockner T1 Standard von Braun ausgestattet. Den Bauplan hat Braun geliefert. Die Kammerwände bestehen aus beplankten 60 mm dicken Holzrahmenelementen. Von innen nach außen besteht der Sandwichaufbau aus einer Hartfaserplatte, einer PVC-Dampfsperre, 60 mm Styropor und einer 19-mm-Spanplatte. Vor 15 Jahren tauschte Anton Schütz junior dann das alte Trockenaggregat gegen das neue T1 Super mit Heizung aus. Es beschleunigt die Trocknung um etwa ein Drittel.
Neben Anton senior und junior arbeiten in der Schreinerei Schütz in Weilheim, Oberbayern, auch noch der Enkel Dominik sowie sechs Gesellen. Der jährliche Massivholzbedarf liegt bei 100 m3, von denen die Schreinerei vielleicht ein Drittel in der eigenen Kammer trocknet. »Wir können jederzeit schnell auf unsere Kundenwünsche reagieren, auch wenn der Holzhändler mal keine trockene Ware hat«, sagt Anton Schütz junior.
Das Aggregat besteht aus einer Wärmepumpe und einem Ventilator. An der kühlen Seite der Wärmepumpe, dem Verdampfer, strömt die durch den Brettstapel hindurch angesaugte und feuchtebeladene Luft vorbei. An der Verdampferoberfläche kondensiert das Wasser und gelangt über einen Schlauch in den Auffangeimer hinter der Kammer. Die warme Rückseite des Wärmetauschers heizt die Kammer auf, sodass ein Heizaggregat eigentlich nicht nötig ist. Die Heizung beschleunigt nur das Hochfahren, danach schaltet sie sich ab.
»Wir schalten nur ein und aus«
Die Steuerung der Kammer funktioniert recht einfach: Der Bediener stellt die Trocknungsintensität ein und muss wissen, wann er die Kammer zu leeren hat. Die einzustellende Trocknungsintensität lässt sich in Abhängigkeit von Holzart, Holzdicke und Holzmenge einfach aus einer Tabelle herauslesen. Die Tabelle gibt auch den Wert des täglichen Wasserentzugs an. Dividiert man die Differenz von Anfangs- und Endfeuchte durch diesen Wert, erhält man die Trocknungsdauer in Tagen. Anton Schütz kommt schon lange auch ohne diese Rechnung zurecht. Er fährt immer mit 70 Prozent Intensität und weiß: 30 mm Fichte von 18 auf acht Prozent zu trocknen dauert 11 Tage, Eiche benötigt das 1,3-Fache. 80-mm-Fichte braucht dafür zwei Wochen, die Eiche drei. Zum Schluss läuft immer weniger Wasser aus. Leert er morgens nur noch einen Liter aus, weiß er, dass die Zielfeuchte erreicht ist.
Anton Schütz kann sich den Trockner aus dem Betrieb gar nicht mehr wegdenken: »Die Kammer passt zu uns. Wir können in wenigen Tagen verschiedene Holzarten und -dicken auf einmal zuverlässig auf acht Prozent trocknen. Das ist kein Hexenwerk. Wir schalten nur ein und aus, ohne die Einstellungen zu verändern. Die Temperatur bleibt so niedrig, dass das Holz keinen Schaden nehmen kann. Außerdem verbraucht die Kammer kaum Energie.«
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