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Ein Fall für zwei

Technik
Ein Fall für zwei

Vor rund einem Jahr stellte Thomas Beck ein Konzept für Leichtbaumöbel vor. Heute steht die Markteinführung kurz bevor. Dazwischen liegt der Werdegang einer spannenden Partnerschaft von Gestalter und Produzent.

Normalerweise wendet sich ein Gestalter mit einem Produkt an etablierte Handelsunternehmen. Diese organisieren Produktion, Vertriebsstruktur und Marketing und bieten neue Produkte dann unter ihrer Marke an. Der Gestalter gibt die Rechte an das Unternehmen ab – und hat, wenn überhaupt, nur noch wenig Einfluss auf Entscheidungen. Soweit der »normale« Lauf der Dinge. Doch bei Thomas Beck, Möbeldesigner und Innenarchitekt, kam alles anders: Auf Messen präsentierte er sein Leichtbaukonzept, die Möbelbranche zeigte sich interessiert, aber zögerlich. Der Durchbruch kommt mit dem Artikel für dds, in dem Beck seine Leichtbaumöbel vorstellt und den Aufruf »Hersteller gesucht!« startet (dds 10/2012). »Die Resonanz war überwältigend. Innerhalb weniger Wochen haben sich viele interessante Gespräche und Treffen mit Schreinern und Möbelproduzenten ergeben«, ist Beck noch heute begeistert. Einer der ersten, der Beck nur fünf Tage nach Erscheinen der dds-Ausgabe anruft, ist Frank Ackermann, Geschäftsführer und Inhaber der Schreinerei Georg Ackermann GmbH.

Es folgt ein erstes Treffen Ende Oktober bei Ackermann in Wiesenbronn. Für Beck stimmt schon der erste Eindruck, ihn überzeugen Betriebsgröße und Philosophie des Familienunternehmens. Man ist sich auf Anhieb sympathisch und schnell einig: Beim gemeinsamen Arbeitsessen wird die Zusammenarbeit beschlossen. Damit stehen plötzlich viele Fragen im Raum: „Welches Möbel zuerst? Wer ist die Zielgruppe? Was kostet das Produkt? Wann ist ein Preis gerechtfertigt? Auf welchem Weg kann man dieses Produkt verkaufen?“ Doch die Männer sind beseelt von einer gemeinsamen Vision, das Feuer ist entfacht. Am Ende des Abends wird die Gründung einer gemeinsamen Firma per Handschlag besiegelt, erstes Produkt wird ein Tisch sein.
Fortan kümmert sich Beck um die Weiterentwicklung seines Möbelkonzepts, entwirft Zusatzelemente und eine Verpackung für den Tisch, entwickelt das Marketing- und Vetriebskonzept. Ackermann ordert erste Materialproben und kümmert sich um alle weiteren betriebswirtschaftlichen wie produktionstechnischen Punkte. Alles geschieht in ständiger gegenseitiger Abstimmung: Da Beck gelernter Schreiner ist, fällt die Verständigung leicht, die Kommunikationswege sind kurz und unkompliziert. »Wir ergänzen uns sehr gut. Jeder macht, was er am besten kann«, erklärt Ackermann die partnerschaftliche Zusammenarbeit. Unklarheiten und Unwegsamkeiten im Entwicklungsrozess eines gemeinsamen Geschäftskonzepts, das den Vertrieb von Produkten direkt ab Lager des Produzenten vorsieht, sind so rasch ausgeräumt. Die Zusammenarbeit ist in dieser Konstellation für beide Partner neu. »Es braucht Mut einen anderen, neuen Weg zu gehen und Bereitschaft zu Kompromissen«, stellt Beck fest. So unterschiedlich jedoch die Herangehensweisen oder Ansätze, eine Problematik zu lösen, so sehr schätzen die beiden am gemeinsamen Projekt den bereichernden Austausch: »Eine solche Zusammenarbeit mit einem Gestalter bringt einen immer weiter – manchmal zwar auch an den Rand des Wahnsinns, aber am Ende entstehen durch den Austausch immer auch neue Denkweisen oder Produkte«, erklärt Ackermann lachend. »Heute können wir das erste verkaufsfertige Produkt im eigenen Webshop anbieten«, ergänzt Beck. Er wünscht sich, dass Handwerker und Gestalter öfter zusammenarbeiten. Dies bedinge zwar einen Prozess des Kennenlernens, zudem seien Denk- und Sichtweisen oft gegensätzlich, Ziele und inhaltliche Schwerpunkte häufig verschieden gewichtet. Dass diese Kooperation erfolgreich sein kann, zeigen viele bekannte italienische Möbelmarken, hinter denen oft Handwerksunternehmen stehen. »Wenn die Chemie stimmt und man von der Idee überzeugt ist, sollte man nicht lange zögern, sondern so etwas einfach mal ausprobieren«, ermutigt Ackermann seine Kollegen. Denn solche Projekte benötigen auch eine gewisse Konsequenz, damit sie trotz des Tagesgeschäfts laufen. »Darüber hinaus ist es möglich, einen hohen Grad sowohl in ästhetischer Hinsicht als auch in der Produktqualität zu erreichen, was zuerst im Interesse des Nutzers, nicht zuletzt aber auch im Sinne des Handwerks und des Gestalters sein sollte«, bringt es der Designer auf den Punkt. EMS

Hintergrund
Unter der Marke Thobeck werden Möbel aus der Leichtbauserie über einen eigenen Online-Shop sowie über den Einzelhandel ab Dezember 2013 vertrieben. www.thobeck.de Thobeck ist ein Gemeinschaftsprojekt der Georg Ackermann GmbH, Wiesenbornn und Thomas Beck, Halle/Saale. Thomas Beck steht als freiberuflicher Interior Designer hinter Konzept und Form der angebotenen Produkte. Die Georg Ackermann GmbH ist für die Herstellung verantwortlich.
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