Startseite » Gestaltung » Möbel »

Ein Klassiker im Retro-Gewand

Möbel
Ein Klassiker im Retro-Gewand

Unangefochten dominierte der Sekretär von Christian Mathis den Gestalterpreis Berlin der Meister des Jahrgangs 2013. Axel Müller-Schöll befasst sich mit dem Meisterstück und darüber hinaus wie Grundlagen entstehen, um solch ein Stück zu schaffen.

Prof. Axel Müller-Schöll Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

CHristian Mathis hat mit seinem Sekretär ein fulminantes Meisterstück geschaffen. Die Fügungen sind alle mit Raffinesse überlegt und handwerklich sehr anspruchsvoll. Formal bedient er nahtlos das Baumuster, das im Barock in Mode kam und später im Biedermeier zum Repertoire des gutsituierten Bürgers gehörte. Der eigentliche Zweck des Möbels, nämlich einen Platz zum konzentrierten Schreiben, transformiert er für die Anforderung der Gegenwart, in der weniger Papier und Füllfederhalter bemüht werden, sondern Laptop und Maus, da das Verschicken per Internet und nicht mehr per gelber Post geschieht. Die Öffnung des Sekretärs ist klassisch in ihrem Prinzip, aber mit moderner Dämpfung für das geschmeidige Verschließen. Ein Klassiker im Retro-Gewand, up to date in seinem Funktionsangebot! Chapeau!
Ein Meisterstück, für das zweifelsohne ein gehöriges Maß an Transpiration von Nöten war. Die Frage wirft sich auf: Wo bekommt man für eine solcher Art schweißtreibende Leistung die Inspiration? Auf der einen Seite gibt es da die Sparten-Museen, z. B. das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg oder das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt und dazu ein halbes Dutzend Landesmuseen. Aber ganz offensichtlich formieren sich zunehmend auch neue Schaufenster, die diesen Orchideen des handwerklich meisterlichen Einzelstückes Präsenz verschaffen. Die Beiprogramme der einschlägigen Branchentreffs in Mailand und Köln sind heute schon attraktiver als die eigentlichen Messen und zunehmend findet man Dauerpräsentationen auf Initiativen von Handwerkern in der Tradition der Zünfte und Gilden. Wer sich demnächst – der Urlaub steht ja vor der Türe – auf den Weg in den Süden macht und dessen Weg über Bregenz führt, sollte unbedingt in Andelsbuch einen Stopp einlegen. Dort hat der Schweizer Architekt und Pritzker-Preisträger Peter Zumthor für die Handwerkerschaft der Region einen Werkraum geschafften, eine Vitrine mitten im Stadtraum, mit der er die Handwerkskunst in Vorarlberg preist und Erzeuger mit Nutzern verlinkt. Auch das ein Meisterstück! Wer von dort abreist und ohne Idee geblieben ist, hat in der Tat Urlaub bitter nötig!
Aktuelles Heft
Titelbild dds - das magazin für möbel und ausbau 9
Aktuelle Ausgabe
09/2021
EINZELHEFT
ABO
dds-Zulieferforum
Grafik des Monats

Zahl der Betriebe im Tischlerhandwerk

dds auf Facebook


dds auf YouTube

Im dds-Channel auf YouTube finden Sie:
– Videos zu Beiträgen aus dds
– Kollegen stellen sich vor
– Praxistipps-Videos
– Maschinen & Werkzeuge

Abonnieren Sie dds auf YouTube »