Kevin Gerstmeier: Vom Schreiner zum Designer

»Der kann es wirklich bringen«

Schreinermeister Kevin Gerstmeier hat gerade sein Studium zum Raum- und Objektdesigner an der Fachakademie in Garmisch-Partenkirchen abgeschlossen und ist bereits als Gestalter mit eigenem Designstudio im Geschäft.

Selten tritt jemand mit so viel Erfolg noch so bescheiden auf: Kevin Gerstmeier, Schreinermeister und jetzt Raum- und Objektdesigner, dds-Preisträger der ersten Stunde und Gewinner einiger einschlägiger Auszeichnungen, will Gestaltung als Beruf ergreifen. Auf der Messe Blickfang hat er im vergangenen Jahr als Preisträger des Future Awards ein Coaching mit Nils Holger Moormann gewonnen, seines Zeichens Designverleger, der mit dem Entwurf immer auch den Markt im Blick hat. Die Begegnung in Aschau im Chiemgau war für beide eindrücklich. So sagt Nils Holger Moormann: »Ich habe Kevin als einen Menschen kennengelernt, der viel nachdenkt und bei dem man sieht, dass die Arbeit mit dem einen Produkt noch nicht abgeschlossen ist, sondern stetig weitergeht. Fasziniert hat mich, welcher extrem schwierigen Aufgabe er sich stellt, sich als Möbelschreinermeister von der perfekten sachlichen Seite zu lösen. Dass er sich mit seinem Fachwissen nicht einmauert und damit in der Lage ist, Design zu machen. Mir hat es sehr gut gefallen, dass Kevin es schafft, sich von seinem bisherigen Beruf frei zu machen und sich der Unterschiede seiner bisherigen und der künftigen Profession bewusst ist. Ich dachte mir häufiger: Der kann es wirklich bringen. Er ist ein Leiser, bescheiden und zurückhaltend. Und diese Eigenschaften tun Design manchmal auch gut.«

Wir wussten es im Grunde schon vor sechs Jahren: Die Jury des dds-Preises 2013 hat Kevin Gerstmeier damals als erstes Nachwuchstalent ausgezeichnet.

Möbel gestalten

Sein Stuhl Mahu, mit dem Kevin Gerstmeier in der Designwelt sichtbar geworden ist, verbindet eine aus der Natur abgeleitete Formensprache mit Massivholz und rationeller CNC-Fertigungstechnik. Besonders ist, wie sich die hinteren beiden Stuhlbeine organisch aus der Rückenlehne entwickeln, an der die vorderen Beine wie mit einem Ellenbogengelenk ansetzen. Die tief geschnittene Sitzfläche verbindet die für einen sicheren Stand ausgestellten Beine als stabilisierendes Element. Mahu transformiert das organische Design der 1960er-Jahre in eine zeitgemäße Formensprache und Fertigungstechnik.

Als seine Abschlussarbeit an der Fachakademie für Raum- und Objektdesign hat Kevin Gerstmeier ein Sitzmöbel für ein aufstrebendes Berliner Möbellabel entwickelt – mehr kann noch nicht gesagt werden. Und noch eine weitere Neuigkeiten hat er im Gepäck: Seine Nominierung für den German Design Award »Newcomer 2020«, der sich nicht auf ein einzelnes Produkt, sondern das ganze Portfolio und die Person bezieht. Herzlichen Glückwunsch, Kevin!


dds-Redakteur Johannes Niestrath hat Kevin Gerstmeier aktuell an der Fachakademie Garmisch-Partenkirchen getroffen. Gutes Design verbindet: Beide lesen wir die Uhrzeit auf einer Junghans Automatic von Max Bill ab.

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