Ausbau des Foyers in der Evangelischen Kirche Filderstadt-Harthausen

Mehr Transparenz

Zuvor war der Kirchenraum vom Foyer abgeschottet, jetzt geht eine Blickachse von draußen bis zum Altar. Die Gemeinde öffnet sich in mehrfacher Hinsicht.

In der evangelischen Kirche Filderstadt-Harthausen ist das neue Foyer zum Mittler zwischen Kirchenraum und Außenwelt geworden: Ein heller, offener Raum ist an die Stelle dunkler Enge getreten und steht auch im übertragenen Sinne für eine offene Gemeinde. Der Architekt Oliver Fischer hatte bei der Entwurfsplanung auf zweierlei Rücksicht zu nehmen: Ein fixes Budget von 200 000 Euro und den zum Teil denkmalgeschützten Bestand des Gotteshauses. Als bewährten Partner holte er für Innenausbauarbeiten die Schreinerei Klocker aus Hirrlingen mit ins Boot.

Zwei eingestellte Raumkörper beinhalten links des Eingangs die Küche, zum Kirchenraum Schränke für technische Anlagen, rechts Treppen zu Empore und Keller sowie eine Toilette. Sichtbarer Hauptwerkstoff ist Dreischichtplatte in Weißtanne mit keilgezinkter Decklage, die auch an den neuen Unterdecken der Emporen sowie Altar und Heizkörperverkleidungen zum Einsatz kommt. Für den Blick vom Altar sowie in Richtung Altar ist die ursprüngliche Symmetrie der Kirche wiederhergestellt worden, nachdem sie in den 1980er-Jahren empfindlich gestört wurde: die Orgel wurde aus ihrer zentralen Position auf der Empore seitlich neben den Altar gesetzt und im Zuge dessen auch der ehemals beidseitige Zugang zur Empore einseitig ausgebildet. Daran war zwar in der aktuellen Ausbaustufe nichts mehr zu ändern, doch flankieren nun die beiden Boxen in Weißtanne symmetrisch die Festverglasungen um die verglasten Pendeltüren. Die Bestandspfeiler sind foyerseitig verkleidet und vom Altar aus laufen sie sichtbar vom Boden bis zur Decke durch. Geschickt integrieren die Boxen verschiedene Raumnutzungen und Stauraumangebote, ohne dass die wahrgenommene Ordnung davon beeinträchtigt würde. Dazu trägt auch die egalisierende Wirkung der Weißtanne in ihrem keilgezinkten »Rapport« bei, der belebte und changierende Flächen in größtmöglicher Ruhe ermöglicht. Schattenfugen gliedern die Flächen und gleichen Toleranzen der krummen Wände aus.

Schnittstellen ohne Brüche

Eine Herausforderung bei baulichen Veränderungen im denkmalgeschützten Bestand ist, die Ablesbarkeit des Neuen zu gewährleisten und es gleichzeitig ohne Brüche in den Kontext einzufügen. Das scheint hier in beispielhafter Weise ohne Zugeständnisse an die Funktion gelungen. Eine überzeugende Schnittstelle ist der Übergang der Bodenbeläge: Eiche Stabparkett unter den Bänken und Muschelkalk auf dem Gang begegnen dem neuem, farblich subtil abgestimmten Terrazzobeton, der das Foyer über die Pendeltüren in den Kirchenraum hinein erweitert. Die Unterdecken der Emporen mit integrierten Downlights fügen sich in großer Selbstverständlichkeit in den Bestand ein und scheinen über die besondere Materialität der Weißtanne den Muschelkalk zu spiegeln.

Pünktlich zum 500. Reformationsjubiläum konnte sich die Kirchengemeinde am 31. Oktober 2017 auch äußerlich erneuern. Wenn das kein gutes Zeichen ist!


dds-Redakteur Johannes Niestrath hat sich vor Ort von dem gelungenen Innenausbau des Kirchenraumes überzeugt: Bestand und neue Elemente wirken voneinander abgesetzt und dennoch harmonisch verbunden.


Inhalt

Im Detail

Vierteljährlich stellen wir in dds einen besonders gelungenen Innenausbau mit seinen wesentlichen konstruktiven Details vor. In dieser Ausgabe: Umbau und optische Öffnung des Foyers der evangelischen Kirche Filderstadt-Harthausen.


»Das behutsame aber selbstbewusste Einfügen neuer Elemente, orientiert am historischen Kirchengrundriss, bringt einen erheblichen Mehrwert für die Gemeinde.«

Oliver Fischer, Fischer Architektur, Stuttgart