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TeamViewer als Handwerkstool nutzen

Dienstleistungen und Wartung aus der Ferne - hilft Handwerk und Kunden
Service 2.0 – damit’s lukrativ ist

Service 2.0 – damit’s lukrativ ist
Ob Übertragung der Baustellensituation ins Handwerkerbüro oder die Steuerung vom Büro aus – digitale Systeme bieten viel Potenzial Symbolbild: AdobeStock/Gorodenkoff Productions
Dienstleistungen und Wartung aus der Ferne – welche Chancen Systeme wie TeamViewer dem Handwerker und seinen Kunden bieten, skizziert Matthias Brack in seiner dds-Kolumne.

Matthias Brack, Schreinermeister

Der Handwerkermangel ist in vielen Gewerken zu spüren und gerade Kunden, die einen kleinen Auftrag oder gar nur eine Reparatur- oder Servicearbeit in Auftrag geben möchten, haben es aktuell besonders schwer, einen Handwerker zu finden. Auch wird es immer schwieriger, geeignetes Fachpersonal zu bekommen oder einen Fachhandwerker eines anderen Gewerkes, der schnell mal eine kleine Tätigkeit, wie etwa die Inbetriebnahme einer speziellen Steuerung oder das Anschließen eines Gerätes, übernimmt.

Aber warum ist das so und weshalb sind Kleinaufträge bei vielen Handwerkern so unbeliebt? Gerade bei Kleinaufträgen ist das Verhältnis von unproduktiver Arbeit zur wertschöpfenden Stunde, die abgerechnet werden kann, sehr ungünstig. Meist muss viel Zeit im Vorfeld investiert werden und am Ende kann man dann nur einen Bruchteil davon in Rechnung stellen und fragt sich bei so manchem »Geschäft«, ob man nicht lieber stattdessen die Füße auf dem Sofa hochgelegt und somit weniger Geld in den Sand gesetzt hätte.

Doch überall, wo es Schwierigkeiten gibt, entstehen auch Chancen. Denn in einer effizienten Abwicklung von Kleinaufträgen oder komplexen Wartungs- und Servicearbeiten steckt viel Potenzial für größere Folgeaufträge und auch für die Arbeiten selbst lassen sich durchaus gute Stundensätze von bis zu 100 Euro erzielen. Die Kunden sind glücklich, wenn sich überhaupt jemand darum kümmert und vielleicht sogar noch die Tätigkeiten eines Kollegen mit ausführt, damit nicht noch mal extra ein Handwerker organisiert werden muss.

Aber wie kann hier die Digitalisierung helfen? Ganz einfach, durch Minimierung der Zeiten im Vorfeld der eigentlichen berechenbaren Tätigkeiten, durch mehr Effizienz einzelner Top-Leute, durch geringere Fahrtzeiten und durch eine genaue und nachvollziehbare Dokumentation der auszuführenden Arbeiten.

Fernsteuerung über TeamViewer

Ein konkretes Tool, das hier zum Einsatz kommen kann, ist TeamViewer Assist AR. Damit lässt sich vom Rechner, Tablet oder Mobiltelefon aus der Kunde oder ein Monteur »fernsteuern«. Viele Handwerker kennen TeamViewer aus der Softwarewartung. Zu Beginn bekommt das Gegenüber eine Nachricht mit einem Link, wo er sich die App inkl. Zugangsdaten herunterladen kann. Über eine sichere Verbindung wird es möglich, durch die Smartphonekamera des Gesprächspartners das Problem zu sehen und ihn anzuweisen, was er zeigen soll oder welche Tätigkeiten er ausüben soll um z. B eine Funktion zu überprüfen.

Mit Pfeilen, Texten oder dem Finger lassen sich dann Markierungen auf seinem Bildschirm platzieren, damit nachvollziehbar ist, was als Nächstes zu tun ist oder welche Handgriffe notwendig sind. Alle Notizen bleiben dank der AR-Funktion immer am bearbeiteten Objekt kleben, sodass der Nutzer auch bei komplexeren Abläufen später noch nachvollziehen kann, wie die einzelnen Schritte waren, und diese ggf. noch mal wiederholen oder überprüfen kann. Über die Aufnahmefunktion lässt sich der komplette Servicetermin aufzeichnen und später dem Kunden, aber auch dem Monteur zusenden. Damit hat dieser gleich einen Ablauf der auszuführenden Arbeiten und das Kundengespräch ist nachvollziehbar dokumentiert. Zugleich entsteht eine Vorlage für vergleichbare Servicesituationen. Es entsteht ganz nebenbei auch noch eine Wissensdatenbank für das Unternehmen intern oder auch für externe Kunden.

Nebenbei entsteht eine Datenbank

Dabei ist auch ein Dateiaustausch während des Calls möglich, sodass auch weiterführende Anleitungen oder etwa Explosionszeichnungen o. Ä. direkt in Echtzeit während der Sitzung geteilt werden können. Fehlende oder beschädigte Bauteile lassen sich identifiziert und zugleich bestellen.

Selbstverständlich lässt sich die App nicht nur für Serviceeinsätze nutzen, sondern kann auch zur Unterstützung von neuen oder weniger erfahrenen Monteuren eingesetzt werden. So ist es denkbar, dass beispielsweise ein erfahrener Monteur aus dem Homeoffice heraus unterschiedliche Teams vor Ort bei der Abwicklung komplexerer Arbeiten unterstützt. Oder auch ein Servicetechniker einer anderen Firma die eigenen Leute steuert bei komplexeren Aufgaben, wie etwa der Programmierung oder Inbetriebnahme einer Steuerung, ohne dass er weite Strecken anreisen muss und unnötig Kosten anfallen.

Wer das Ganze noch professioneller angehen will, der kann sich eine AR-Brille, wie die Microsoft HoloLens, kaufen und hat dann die Hände bei der Tätigkeit frei und sieht die Anweisungen über die kleinen Bildschirme in der Brille direkt in sein Sichtfeld projiziert, ähnlich einem Head-up-Display beim Auto.

Technik mit vielen Chancen

Was sind die Vorteile dieser heute schon verfügbaren Technologie? Sie ermöglicht, schnell und effizient einfachere Servicearbeiten zu begutachten ohne eine extra Anfahrt und ggf. auch sehr schnell festzustellen, ob es überhaupt das eigene Gewerk betrifft. Der Personaleinsatz wird deutlich effektiver und ältere erfahrene Mitarbeiter können mehrere jüngere Kollegen unabhängig vom Ort und körperlichen Anstrengungen unterstützen. Es kann dadurch wichtiges Wissen zukünftig länger in der Firma erhalten bleiben.

Vorgänge werden dadurch sauber dokumentiert. Werden längere Anfahrtswege im Vorfeld oder von mehreren Leuten gespart, schont das nicht nur die Umwelt, sondern verleiht dem Unternehmen ein modernes und nachhaltiges Image. Ganz nebenbei steigern sich die Kunden- und auch die Mitarbeiterzufriedenheit, weil durch schnelle Reaktion unerfahrene Kollegen unterstützt werden können. Konfrontationen mit zu schwierigen und überfordernden Arbeiten reduzieren sich. Das erspart Zeit, Geld und Frust.

Die Technik ist nicht für jeden Einsatz geeignet und ein sicherer Umgang mit dem Smartphone ist die Voraussetzung für die Nutzung der Software, da doch ein paar Schritte zu tun sind, bis die Verbindung steht. Eine Internetverbindung ist Voraussetzung. Aber wer sich näher mit der Technik beschäftigt, wird die Vorzüge und Einsatzmöglichkeiten schnell erkennen und, wer weiß, vielleicht kann der Handwerker der Zukunft für den Onlineservice und Echtzeitsupport vom Büro aus eine lukrative Rechnung stellen. So wird wieder mehr Wertschöpfung in diesem unliebsamen Bereich erzielt. Aber auch dem Fachkräftemangel kann hier in Teilbereichen durch gezielteren Personaleinsatz entgegengewirkt werden.

Der Service ist in der Standardversion kostenlos und kann sofort eingesetzt werden. Also worauf warten, Smartphone raus, App installieren und einfach mal testen!


»Der Einsatz von Apps wie TeamViewer in Kombination mit Tablets oder gar Datenbrillen bringt die Servicemöglichkeiten auf ein ganz neues Level!«

Matthias Brack


Steckbrief

Schreinermeister Matthias Brack ist erfolgreicher Wintergartenbauer. Er engagiert sich über den eigenen Betrieb hinaus in vielen Netzwerken – damit das Handwerk zukunftsfähig aufgestellt ist.

Brack Wintergarten GmbH & Co. KG
Tannenweg 1
87452 Altusried
www.brack-wintergarten.de


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