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Symbolhafte Dynamik

Ausbildung
Symbolhafte Dynamik

Das ungewöhnlich gestaltete Möbelobjekt aus Eiche und grün lackierter MDF von Janis Scherder lenkt die Aufmerksamkeit auf sich. Das soll es auch, dient es doch als Blickfang für potenzielle Kunden eines Whiskyladens.

Garmisch-Partenkirchen, Innenarchitekt und Dipl.-Designer, Schulleiter a. D.

Zunächst entsteht der Eindruck, ein lineares Korpusband durchdringe von links nach rechts mit abnehmender Tiefe einen ringförmigen elliptischen Korpus. Bei der genaueren Betrachtung von vorn entsteht durch die Fuge zwischen dem grünen Ring und des als aufschiebbare Hülle ausgebildeten rechten Korpusteils der gegenteilige Eindruck – als durchdringe nämlich der Ring den Eichenkorpus. Beide Körper des Hängesideboards haben durch die Wand eine gemeinsame Bezugsebene: Bei beiden sind Teile herausgeschnitten, sie sind ohne ineinander einzudringen an den Schnittflächen stumpf verbunden. Eine tatsächliche Durchdringung als Alternative wäre möglich, wenn der elliptische Körper in der Tiefe erweitert und zum tragenden Element ausgebildet würde. Dies würde die markante Reliefartigkeit des Objekts noch verstärken, wobei die zeichnerische Erfassung der Schnittflächen auch mithilfe von CAD aufwendig wäre. Zumal die den ringför- migen Körper bestimmenden Ellipsen jeweils rechts um 15 Grad gedreht sind, in der Vorderansicht nach unten und in der Draufsicht nach vorn.
Das Möbel soll für Whisky-Verkostungen genutzt werden und einen repräsentativen Aufbewahrungsort für die Flaschen, Gläser und weitere Utensilien bieten. Dem Verwendungszweck angemessen besteht der längliche Korpus aus Eiche, einem traditionell für die Whisky-Reifung eingesetzten Holz. Die tief gebürstete und geölte Oberfläche soll zu einer rustikaleren Optik und Haptik führen. Eher dem Zeitgeschmack erlegen erscheint die leuchtende Lackierung des kreuzenden elliptischen Elements – sie soll als Gegenpol zu dem Eichenkorpus Modernität ausdrücken.
Janis Scherder hat das Möbel nach dem Gesichtspunkt »function follows form« entworfen und damit Prioritäten gesetzt, die sich auf die praktische wie auch die formal-ästhetische Funktion einschränkend auswirken, zum Beispiel die Anschlagart der Türen, die Auswahl der Bänder und die Falzausbildung. Die Gesamterscheinung des Möbels strahlt eine symbolhafte Dynamik aus und ist als Blickfang gelungen – die Gestaltung im Detail hätte der Exklusivität des Produkts noch mehr gerecht werden können. Eckhard Heyelmann,
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