Meisterstück in Eiche und Mineralwerkstoff

Schönheit des Einfachen

Das auf den ersten Blick unscheinbare Meisterstück von Alexander Gallesdörfer überzeugt als ausnehmend gelungenes, in den Formen stimmiges und harmonisches Möbel.

Lätthet heißt dieses Meisterstück auf schwedisch. Übersetzt bedeutet das Einfachheit, Leichtigkeit und benennt ein Anliegen des Auftraggebers bezüglich der Gestaltung des Möbels. Der Schreibtisch besteht aus einem flachen formverleimten Korpus mit längs umlaufendem Furnier und schräg stehend konischen Füßen. Er zeigt eine sehr klare, auf das Wesentliche reduzierte Formensprache, die bis ins Detail durch Kreis und Halbkreis als geometrische Grundelemente bestimmt wird. Diese finden sich im Querschnitt der Beine, in der Ausbildung des Korpus als Endlosband, verkleinert in der Griffausbildung und schließlich in der Kulissenführung der Schubkästen. Auch in Wahl und Einsatz von nur zwei sichtbaren Materialien, weißem Mineralwerkstoff und matt lackierter Eiche, die außerordentlich gut miteinander harmonisieren, spiegelt sich in diesem minimalistischen Ansatz der Wunsch des Auftraggebers wider.

Die Gestalt des Korpus setzt sich geometrisch aus zwei Halbzylindern und einem Quader zusammen. Sie umschließt drei großvolumige, durch Zwischenwände und feine Fugen getrennte Schübe, welche mit ihrer variablen Fächereinteilung die bedarfsgerechte Nutzung ermöglichen. Papier (auch großformatiges), Schreibutensilien, Dokumente sowie elektronische Geräte finden hier Platz. Die an den Seitenwänden der Schubkästen einseitig eingefrästen Kulissenvollauszüge laufen gemäß der bestimmenden Formensprache sichtbar rund aus. Die ausgefälzte Griffleiste in den Schubkastendoppeln aus Mineralwerkstoff ist in Länge und Höhe spannungsvoll dimensioniert und mit Bedacht platziert: In der Ansicht betont sie eine asymmetrische Gliederung des flachen Korpus. Die gedrechselten Füße sind mittels einer verdeckten Stahlkonstruktion lösbar befestigt. Unebenheiten im Boden sind durch Höhenversteller ausgleichbar.

Das Meisterstück zeigt eine durchweg anspruchsvolle gestalterische und handwerkliche Qualität. Im Zusammenklang mit der gelungenen Formgebung sind Einfachheit und Leichtigkeit als Kundenwunsch überzeugend umgesetzt worden.

Frontalschnitt: Ein C-förmig formverleimtes Oberteil bildet mit der Grundplatte optisch ein Endlosband – die Kante wird furniert
Vertikalschnitt: Die Korpusrückwand ist als Blende ausgebildet und lösbar mit Keku-Beschlägen befestigt

Eckhard Heyelmann, Garmisch-Partenkirchen, Innenarchitekt und Dipl.-Designer. Von 1990
bis 2001 hat er als Leiter der Schulen für Holz und Gestaltung in Garmisch-Partenkirchen auch die Entwicklung der Meisterstücke betreut.