Meisterstücke

Rahmenbau in Serie

Mit einer außergewöhnlichen Idee stellt sich Markus Swarra der Aufgabe, für den Showroom eines Bilderrahmen- und Vitrinen-Herstellers ein Möbel zu entwerfen. Der Bilderrahmen selbst dient ihm als Metapher für sein Konzept.

In der Vorderansicht sind unterschiedliche Rahmengrößen collagenartig verschränkt verbunden sowie teilweise mit schwarzen Flächen geschlossen oder offen gehalten. In der Seitenansicht bilden die hintereinander gereihten Rahmen ein faszinierendes räumliches Spiel mit linear anmutender Geometrie, eingebunden in einer klaren Leistenstruktur, die sich zum Korpus addiert. Im Bereich der eingeschobenen »Vitrinen« verschmelzen die Rahmen in der Tiefe zur Fläche, im Außenbereich bleiben sie mit Zwischenraum ablesbar. Dieses Wechselspiel von Dichte und Offenheit lässt das Möbel wie eine bildhauerische Skulptur erscheinen. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die eingeschobenen Behältnisse aus schwarzer MDF, die mit großem Überstand an der Vorder- und Rückseite herausragen. Die zurückhaltenden Metall-griffleisten an der Unterkante der Schubkästen und der Drehtür unterstützen die Blockhaftigkeit dieser Einsätze und unterstreichen damit die kraftvolle, skulpturale Anmut des Möbelstückes. Eine Lichtfuge aus Acrylglas und LED-Band zwischen Behältnis und Rahmen ist ein weiterer, gestalterischer Kunstgriff, um die Trennung beider Elemente zu betonen. Hier wäre alternativ und mit weniger Materialaufwand vorstellbar, den Zwischenraum der Rahmenstruktur komplett offenzuhalten, um das Durchschieben der Behältnisse klarer zu verdeutlichen.

Beeindruckend sind die konstruktiven Details, die aus der tradierten Holzverbindung entwickelt und angewandt wurden. Diese Verbindungen sind nicht nur konstruktiv notwendig, sie sind zusätzlich auch als dekoratives Element im Gesamtbild des Möbels zu sehen. Insgesamt 228 Gehrungen, 456 Fremdfedern, 80 Schwalben-Überblattungen und vier gezinkte Schubladen versetzen den Betrachter in Erstaunen. Die außergewöhnliche Idee von Markus Swarra löst seinen formalen Anspruch, ein Möbelstück für einen repräsentativen Platz innerhalb eines bestimmten Showrooms zu entwickeln, vollkommen ein.

Frontalschnitt: Konstruktive Verschränkung der massiven Rahmen mit den MDF-Einschüben
Vertikalschnitt:Der mittlere Schub ist elektronisch gesichert und lässt sich mit einer Chipkarte entriegeln

Prof. Peter Litzelbauer, Architekt, Innenarchitekt und Tischlermeister, lehrt Grundlagen des Konstruierens/Raum, Möbel, Material an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Fachbereich Architektur und Design.