Ausbau Licht 4.0

Licht taktet unsere innere Uhr

Biodynamisches Licht als Beleuchtung der Zukunft ist das Thema des Showrooms »Emil 28« der Herbert Waldmann GmbH in Villingen-Schwenningen. Seit Sommer 2017 können Besucher hier innovative Beleuchtungslösungen real erleben. dds-Redakteurin Elena Deeg war vor Ort.

Beim Betreten des Showrooms fällt der Blick über den Tresen direkt auf die dahinter gelegene Leuchtwand. Auf ihr präsentieren sich Entstehungsgeschichte und Meilensteine in chronologischer Abfolge. Alles begann vor neunzig Jahren, als Gründer Emil Waldmann die Notwendigkeit guter Beleuchtung am Arbeitsplatz erkannte und mit seiner Fabrik Abhilfe schuf. Damals galt Schwenningen als die weltweit größte Uhrenstadt, sodass besonders die speziellen Anforderungen des Uhrmacherhandwerks im Mittelpunkt standen. Später kamen dann die drei weiteren Geschäftsfelder Bürobeleuchtung, medizinische Phototherapie sowie der Bereich Pflege und Gesundheit hinzu – die bis heute das Portfolio des Unternehmens bilden. Nach wie vor zählt die Industriebeleuchtung zum Kerngeschäft und macht rund die Hälfte vom Jahresumsatz aus. Inzwischen stehen fast tausend Mitarbeiter weltweit – davon rund 600 in der Unternehmenszentrale in Schwenningen und weitere elf Tochterunternehmen in Europa – hinter dem internationalen Erfolg.

Biodynamisches Licht

lauf Seit einigen Jahren kristallisiert sich dieses Thema besonders heraus: Licht, dass sich genau wie das natürliche Tageslicht in Beleuchtungsstärke und Lichtfarbe im Verlauf des Tages ändert. Der moderne Mensch hält sich immer mehr in Gebäuden auf. Dabei hat das Tageslicht einen enormen Einfluss auf unsere Sehkraft, unsere Emotionen sowie auch auf die biologische Wirksamkeit. Mehr noch, wir werden durch das Licht regelrecht getaktet. Das geht soweit, dass sich körperliche Auswirkungen zeigen, wenn wir keinem oder wenig Tageslicht ausgesetzt sind. Erst 2001 wurde dieser Zusammenhang zwischen Licht und biologischer Wirksamkeit durch die Forschung belegt. Der Einstieg in diese Entwicklung folgte dann vor 14 Jahren über den Pflegebereich. Denn mit künstlicher Beleuchtung – die eben auch die biologische Wirksamkeit nachahmt – lassen sich Veränderung beeinflussen, die den Körper neu takten. Etwa bei demenzkranken Menschen, deren Tag-/Nachtrhythmus sich durch eingeschränktem Zugang zu natürlichem Licht verschoben hat.

Diese Simulation von natürlichem Tageslicht lässt sich beim Rundgang durch den Showroom selbst erleben. Im Themenkorridor »Biodynamisches Licht» sind die Leuchten so programmiert, dass sich die Veränderungen mit dem bloßen Auge wahrnehmen lassen. Aber tatsächlich merkt man die Übergänge der unterschiedlichen Simulationseinstellungen über den Tag verteilt sonst nicht. Der Modus beginnt früh morgens, wie das natürliche Tageslicht auch, mit einem höheren Blauanteil, diese sind dafür verantwortlich, dass wir aktiviert und verschiedene Körperaktivitäten in Gang gesetzt werden. Gegen Mittag hin verringern sich diese Blauanteile zuerst, bevor sie am Nachmittag schließlich gar nicht mehr vorhanden sind. Das Licht wird gegen Abend hin zunehmend wärmer, lässt uns zur Ruhe kommen und später eben schlafen. Die Lichtsteuerung ist durch eine eingebaute Uhr fest über den Tag programmiert und läuft automatisch durch. Für die Anwendung der biodynamischen Lichtlösungen wird eng mit der Wissenschaft zusammengearbeitet. Man hält sich bewusst an die Erkenntnisse, ohne dabei manipulieren zu wollen. Ein kleines Tief nach der Mittagspause ist und bleibt völlig normal und soll auch nicht durch zusätzliche Aktivierung ausgeräumt werden.

Auf die Bedürfnisse abgestimmt

Der Lichtbedarf ist sehr unterschiedlich, je nach Aufgabenbereich oder Zweck. Eine Beleuchtung, die man individuell einstellen kann, ist viel wert und längst nicht überall gegeben.

Ursprünglich lag die Kompetenz bei arbeitsplatznaher Beleuchtung wie Stehleuchten, klassische Arbeitsplatzleuchten oder Schreibtischleuchten. Mittlerweile zählt aber auch die Beleuchtung von ganzen Räumen zum Unternehmensrepertoire, denn diese sind im Projektgeschäft immer häufiger gefragt.

Auf der Light + Building präsentiert man sich unter dem Motto »Born to create natural light« mit ganzheitlichen und biodynamischen Beleuchtungslösungen für Büros, Pflege- und Gesundheitseinrichtungen sowie erstmals für die Industrie. Die Biodynamik läuft dabei über den indirekten Lichtanteil ab, dieser ist notwendig, um ideal zu wirken. Quasi wie bei einem blauen Himmel strahlen sie dann über den oberen Wandbereich und die Decke, so trifft das Licht von oben und von vorne auf das Auge und wirkt somit auf die Ganglienzellen, die für die biologische Lichtwirkung empfänglich sind. Als Referenz für die Biodynamik im Büro dient das Projekt bei Bayer in Basel. Dabei stehen die Themen Gesundheitserhaltung, Konzentrationsfähigkeit und Wohlbefinden im Fokus.

Für die Industriehallen werden mit Tiefstrahler «Acaneo» sowie Lichtband »Taureo« außerdem zwei Prototypen vorgestellt. »Mit dem durchaus etwas herausfordernden Motto wollen wir ausdrücken, dass wir bei Waldmann mit Leidenschaft Beleuchtungssysteme entwickeln. Schon immer stehen der Mensch und seine Bedürfnisse bei der jeweiligen Anwendung in unserem Fokus«, so Gerhard Waldmann.

Vernetzte Beleuchtung

Inzwischen sind Leuchten oft auch mit der Gebäudeautomation verbunden. Das Licht geht an, Heizung, Klima und Lüftung schalten sich automatisch dazu. Sogenannte Standardschnittstellen lassen sie immer mehr Teil der vernetzten Umgebung werden.

Besonders die »Connected Care«-Technologie im Pflegebereich beschreibt einen spürbaren Mehrwert: Sie unterstützt die Sturzprävention und verbessert dabei die Bewegungsfreiheit und das Wohlbefinden. Leuchte »Zera« wird hauptsächlich über dem Bett eingesetzt und übernimmt dabei etliche Funktionen. Sie dient als Leselicht, Nachtlicht, Beleuchtung für Pflegetätigkeiten oder eben als Orientierungshilfe bei Nacht. Verbunden mit der optionalen Sensorik reagiert die Leuchte außerdem auf Bewegung und liefert je nach Einstellung ein Signal an das Pflegepersonal. So dient das Licht hier zudem als Sicherheit.

Doch zurück nach Schwenningen: Der Showroom repräsentiert auf 320 Quadratmetern alle relevanten Technologien und Innovationen der vier Geschäftsbereiche und dient sowohl Besuchern wie auch den Mitarbeitern. Die flexible Mitte ist mit Rollen versehenen Tresen und Barhockern möbliert, bei Vorträgen wird die Fläche einfach bestuhlt. So ist der Bau genauso Schauplatz für Produktschulungen, Informationsveranstaltungen oder Abend-Events. Bei dieser Gelegenheit leuchtet »Emil 28« – anstatt wie üblich in Rot – dann gerne auch in Wunschfarbe. -ED


Steckbrief

Beleuchtung für Büro, Industrie, Pflege und Gesundheit sowie Systeme für die medizinische Phototherapie finden bei Waldmann zusammen. Das mittelständische Familienunternehmen wird nun in dritter Generation von Gerhard Waldmann geleitet.

Herbert Waldmann GmbH & Co. KG. 78056 Villingen-Schwenningen
www.waldmann.com

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