Was beim Einbau von Dunstabzügen zu beachten ist

Die Kunst mit dem Dunst

Dunstabzüge sollen einwandfrei funktionieren, müssen leise und energiesparend sein und sollen auch noch gut aussehen. Stefan Böning weiß, was bei Planung und Montage zu beachten ist.

Schon bei der Planung eines Dunstabzuges sollte man einige grundlegende Dinge beachten, damit das Ergebnis den Kundenerwartungen entspricht. Zunächst ist zu klären, wo die Kochstelle in der Küche platziert ist. Die Frage, ob nach oben, nach hinten oder nach unten abgesaugt wird und wie groß der Abstand zum Kochfeld ist, entscheidet über den weiteren Verlauf der Planung. Dabei gilt folgende Faustregel: Je weiter der Dunstabzug von der Kochstelle entfernt ist, desto größer und leistungsfähiger muss der Abzug dimensioniert werden.

Auch die Lage der Küche und das Gebäude spielen eine Rolle. Können Abluftleitungen verlegt werden? Werden Nachbarn evtl. durch Gerüche oder Geräusche belästigt? So findet man die Antwort auf die Frage, ob eine Abluft- oder eine Umluftvariante zum Einsatz kommt.
Warmluft steigt nach oben, das weiß jeder. Viele Abzugshauben machen sich diesen Effekt zunutze. Bei Induktionskochfeldern entsteht jedoch kaum Wärme auf der Oberfläche des Kochfeldes, sodass dieser Effekt zu einem großem Teil nicht mehr gegeben ist und mit einer höheren Leistung des Dunstabzuges kompensiert werden muss. Das heißt: Auch die Wahl des Kochfeldes beeinflusst die Dimensionierung und Leistungsfähigkeit des Dunstabzuges.
Sehr wichtig sind zudem die Kochgewohnheiten der Nutzer: Wie oft und was wird in der Küche gekocht? Wird bei normalem bis mittlerem Kochverhalten eine Luftwechselrate von sechs- bis zehn mal pro der Stunde empfohlen, so sollte z. B. bei häufigem Grillen oder frittieren die Luft bis zu zwölfmal mal in der Stunde ausgetauscht werden.
Niedrigenergie- und Passivhäuser sind häufig mit einer Lüftungsanlage ausgestattet. Hier muss man mit dem Lüftungsbauer abklären, inwieweit eine Abluftanlage integrierbar bzw. sinnvoll ist. Außerdem muss geklärt werden, wo der Abluftkanal verläuft und wie der Durchbruch durch die Gebäudehülle geplant ist. Auch eine in der Wohnung vorhandene bzw. geplante raumluftabhängige Feuerstätte beeinflusst die Planung zur Küchenabluftanlage. Hierfür informiert man sich ggf. beim Schornsteinfeger über die örtlichen Vorschriften, die von Bundesland zu Bundesland variieren können. Um die Luftzirkulation zu gewährleisten, ist ein Fensterkontaktschalter sinnvoll, der bei Abluftanlagen eine Grundvoraussetzung sein sollte. Generell gilt: Es kann nur so viel Luftvolumen abgeleitet werden, wie Frischluft nachströmen kann.

Abluft oder Umluft?

Der Vorteil einer Abluftanlage ist, dass ein großes Luftvolumen abgeleitet werden kann – einschließlich der in der Luft enthaltenen Feuchtigkeit. Räumlich getrennte Gebläse reduzieren dabei den Geräuschpegel und überbrücken längere Abluftwege. Der große Nachteil sind die Wärmeverluste durch die erforderliche Zuluft in der kalten Jahreszeit. Umluftanlagen haben dieses Defizit nicht, hier verbleibt die Wärme im Raum. Die im Kochdunst enthaltene Feuchtigkeit jedoch auch, sodass entsprechend gelüftet werden muss. Der Filter muss regelmäßig getauscht werden, was laufende Kosten verursacht. Der große Vorteil einer Umluftableitung liegt in der einfacheren Montage. Auch in Sachen Design kann eine Umluftanlage oft einiges mehr bieten, da kein störender Kanal zugeführt wird.

Die Montage

Um einen soliden Luftabzug zu gewährleisten, sollte bei Abluftkanälen ein Mindestdurchmesser von 125 mm eingehalten werden. Dabei ist egal, ob ein Rundrohrsystem oder ein Flachkanal zum Einsatz kommt. Erfahrungsgemäß gilt: Je weniger Bögen, Reduzierungen oder Knicke verbaut werden, desto effektiver und leiser arbeitet das System. Die Steckverbindungen sind in Strömungsrichtung zu verbinden und mit einem speziellen Klebeband abzudichten. Bei räumlich getrennten Lüftern führen Schalldämpfer zu einer Entkopplung und somit zu einem geringeren Geräuschpegel.
Horizontal verlaufende Abluftkanäle werden mit leichtem Gefälle nach außen verlegt, da so eventuell entstehendes Kondensat abgeleitet wird. Der Luftauslass nach außen erfolgt durch den sogenannten Mauerkasten. Einige Modelle sind mit Blower-Door-Zertifikat erhältlich. Sie werden in verschiedenen Durchmessern mit mechanischen bzw. elektronisch gesteuerten Rückstauklappen angeboten. Sie verhindern, dass Kaltluft von außen in das Lüftungssystem eindringt.
Verläuft der Abluftkanal vertikal, sind einige Dinge mehr zu beachten. Um Schäden durch Kondensat zu vermeiden, ist der Einbau von Kondenswasserabscheidern dringend erforderlich. Sie sammeln, speichern und verdampfen anfallendes Kondensat. Wenn der Kanal in unbeheizten Räumen verläuft, muss er isoliert werden. Je kälter die Kanaloberfläche, desto höher ist die Kondenswasserbildung. Aus diesem Grund kann auch der Einsatz von mehreren Abscheidern erforderlich bzw. von Vorteil sein. Auch in vertikaler Richtung sollten Rückstauklappen, die das Eindringen von Kaltluft verhindern, verbaut werden. Für die Ableitung im Dachbereich stehen sowohl Dachlüfter, Dachhauben als Universallösungen sowie Abluftlösungen der Ziegelhersteller zur Wahl.

Was bietet der Markt?

Berbel Ablufttechnik entwickelt und produziert Dunstabzugshauben mit einem einzigartigen Wirkprinzip. Das nutzt die Kraft der Zentrifuge und sammelt die Fettpartikel in einer leicht zu reinigenden Auffangschale, statt es zu filtern. So minimieren sich der Reinigungsaufwand und die Brandgefahr. Eine dauerhaft hohe Leistung ist garantiert. Mit »EcoSwitch« kombiniert Berbel die Vorteile von Abluft- und Umluftvariante. So kann in der kalten Jahreszeit mit Umluft und im Sommer oder bei starken Gerüchen mit Abluft gekocht werden. Das spart Heizenergie und verlängert die Tauschzyklen für die Aktivkohle auf zwei bis drei Jahre. Nicht nur in der Technik setzt Berbel Akzente, sondern auch im Design. Ein Beispiel dafür sind die Deckenlifthauben, die sich per Fernbedienung in der Höhe verstellen lassen und außer Betrieb als formschönes Leuchtobjekt wirken.
Bora Lüftungstechnik saugt den Küchendunst dort ab, wo er entsteht: auf der Fläche des Kochfeldes. Die Vorteile liegen in der geringen Geräuschbelastung und darin, dass sich der Kochdunst gar nicht erst im Raum verbreiten und mit der Raumluft vermischen kann. Die Abluftleitungen oder Aktivkohlefilter sind unsichtbar im Küchenmöbel untergebracht, reduzieren aber den nutzbaren Stauraum. Die Bora-Absaugungen lassen sich mit verschiedenen Kochfeldern kombinieren. Auch Gaskochfeld, Glaskeramik-Wok oder Edelstahlgrill sind möglich. Auch hier sind Abluft- bzw. Umluftsysteme und entsprechendes Zubehör erhältlich.
Der Küchenausrüster Franke hat verschiedene Dunstabzugshauben im Programm. Mit der »Maris Built-Under« hat der Hersteller einen Deckenlüfter im Angebot, der zur Installation unter der Decke (Raumhöhe max. 2600 mm) geeignet ist. »Dawn«, ist eine motorisch ausfahrbare Inselhaube im Franke-Programm, die bei Nichtgebrauch in der Arbeitsfläche verschwindet und somit im Unterschrank ihren Platz hat. Die »Format«-Eckhaube saugt Gerüche ab, wenn die Kochstelle sich in einer Ecke befindet.
Gaggenau bietet mit der Serie 400 ein modulares System für den Dunstabzug an. Es umfasst u.a. mit Decken-, Tisch-, Mulden-, Insel- und Wandhaube eine ganze Produktgruppe, die flexibel Profitechnik in die private Küche bringt. Alle Lüftungsgeräte werden ohne eigenen Motor geliefert und können sowohl als Um- oder Abluftvariante zum Einsatz kommen. Extern platzierbare, geräuscharme Gebläsebausteine kommen zum Einsatz. Während die Muldenlüftung mit Kochplatten und Geräten wie Grill, Teppan Yaki oder Fritteuse kombiniert werden kann und den Dunst nach unten verschwinden lässt, setzt man bei der Coanda-Esse auf den gleichnamigen »Coanda«-Effekt. Ein Teil der gereinigten Luft tirtt so aus, dass die Dunstschwaden geleitet werden. Es wird weniger temperierte Raumluft abgezogen und der Geräuschpegel verringert sich.
Auch Miele bietet eine große Vielfalt an Dunstabzügen an. Eine spezielle Checkliste »Lüftungstechnik« erleichtert nicht nur dem Planer die Arbeit, sie sensibilisiert auch die Kunden für das Thema Dunstabzug. Die meisten Miele-Hauben verfügen über eine Nachlaufsteuerung, die sich zwischen fünf und 15 Minuten einstellen lässt. Eine Besonderheit der Miele-Hauben ist die Automatikfunktion »Con@ctivity 2.0«. Sie passt die Absaugleistung dem tatsächlichen Kochgeschehen an, indem Kochfeldeinstellungen über Funk an die Haube übermittelt werden. Die elegante »DA 6796W Shape« bietet mit ihrem schräg angestellten Wrasenschirm insbesondere großen Menschen viel Bewegungsfreiheit über dem Kochfeld. Auch beim Zubehör hat Miele einiges zu bieten.
Naber entwickelt, produziert und vertreibt Küchenzubehör, u.a. Lüftungstechnik für die Dunstabzugshaube. Hier findet man neben Kanälen und Rohren passende Bögen, Übergänge und sämtliches Zubehör. Auch die oben erwähnten Kondensatabscheider und Rückstauklappen sind erhältlich. Passive und aktive Mauerkästen werden in unterschiedlichen Farben, Materialien und Design angeboten. Auch Ostermann bietet ein umfangreiches Küchenabluft-Zubehör-System für Tischler und Schreiner an. Bei Bedarf kann man sich durch geschulte Techniker beraten lassen.

Fazit

Die Planung und Montage von Küchen-Abluftsystemen verlangt dem Tischler und Schreiner einiges ab. Zum einen sollen beim Kochen durch den Geruch die Sinne angesprochen werden. Zum anderen sollen Wasserdampf und Gerüche nicht im Raum verbleiben. Dies gilt es dem Kunden aufzuzeigen, um gemeinsam das für ihn optimale Abluftsystem zu finden.
Kreative Perspektiven bietet der Markt. Außerdem gilt es, den Kunden einzuweisen und ihm aufzuzeigen, wie er seinen Dunstabzug durch Zuluft bzw. Vor- und Nachlaufzeit effektiver nutzen kann. Ein solide geplanter und ausgeführter Dunstabzug ist ein wichtiger Baustein einer mit allen Sinnen erlebbaren Schreinerküche.

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