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Das Handwerk im Blick

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Das Handwerk im Blick

Kantenbandhersteller Döllken geht mit einer klaren Botschaft zur Nürnberger Messe: »Wir sind der ideale Partner für das holzverarbeitende Handwerk«. Warum das so ist, verraten die Geschäftsführer Peter Schulte und Frank M. Bruns im dds-Interview.

Das Interview führten dds-Chefredakteur Hans Graffé und dds-Redakteur Georg Molinski

Döllken ist einer der bedeutendsten internationalen Hersteller von Kunststoffkantenbändern. Mit 1200 Mitarbeitern weltweit produziert das Unternehmen ABS-, PVC-, PP- und Acrylkanten für Industrie und Handwerk. Das holzverarbeitende Handwerk wird über den stationären Fachhandel wie z. B. Klöpferholz oder Thalhofer mit Döllken-Produkten versorgt. dds traf Geschäftsführer Peter Schulte und den Vorsitzenden der Geschäftsführung Frank M. Bruns im Januar in Gladbeck und hat sich über die weiteren Pläne des Unternehmens informiert.
dds: Herr Schulte, Herr Bruns, mit Ihrem Auftritt auf der Holz-Handwerk wollen Sie sich beim Tischler und Schreiner stärker ins Bewusstsein bringen. Haben Sie diese Zielgruppe bisher vernachlässigt?
Peter Schulte: Das kann man so nicht sagen. Wir sind der Hersteller mit dem größten Anteil an kleinen Verarbeitern weltweit. Aber es stimmt schon, dass viele Tischler und Innenausbauer in Deutschland uns bisher vor allem mit der Industrie in Verbindung gebracht haben. Dabei bieten wir gerade fürs Handwerk einige interessante Serviceleistungen an.
Geben Sie uns ein paar Beispiele?
Frank M. Bruns: Der Verarbeiter kann bei uns über den Handel nicht nur ganze Rollen, sondern auch Kleinstmengen beziehen. Wir liefern ab einem Meter Länge und in allen möglichen Breiten. Das gilt für alle Produkte aus unserem Lagerprogramm. Bestellt wird beim Händler, die Lieferung erfolgt dann direkt durch uns. Das ermöglicht einen schlanken und damit kostengünstigen Prozess und garantiert Lieferzeiten von 24 bzw. 48 Stunden in Deutschland und Europa. Aufträge die bis 15:00 Uhr eingehen, werden noch am selben Tag verschickt.
Um die Auswahl der richtigen Kante zu erleichtern, haben wir unseren neuen »Kanten-Finder« programmiert. Mit diesem ganz einfachen Onlinetool lässt sich sekundenschnell die passende Kante zu über 10 000 Plattendekoren finden. Die Kernbotschaft ans Handwerk lautet: Bei uns stimmen Service- und Produktqualität! Döllken steht für Vielfalt, Verfügbarkeit und Schnelligkeit.
Peter Schulte: Interessant für Tischler sind auch unsere Neuheiten im Acrylkantenbereich. Hier gehen wir ganz neue Wege, indem wir lamellen- und stegartige Strukturen in die Kante einbetten. Diese echte Dreidimensionalität in Verbindung mit der Tiefenwirkung des Acrylmaterials ergibt eine faszinierende Optik, die sich als Hingucker an Arbeitsplatten oder Tischen hervorragend eignet.
Wie ist die Entwicklung bei den Kantenbändern für Nullfugenmaschinen? Hier steht Ihnen ja nach wie vor das Patentrecht im Weg, das den Einsatz auf Lasermaschinen in Deutschland im Grunde verhindert …
Schulte: Das stimmt. Das Bulthaup-Patent reglementiert den Einsatz der Lasertechnik in Deutschland. Nicht aber der Alternativen wie Heißluft- oder Plasmatechnik. Rehau hat als einziger Kantenbandhersteller ein Mitbenutzungsrecht an dem Patent und stellt seine Kunden frei von Ansprüchen. Für die Anwender der Lasertechnik heißt das: Es gibt nur einen einzigen Kantenproduzenten. Das ist eine monopolistische Struktur. Mittlerweile haben die meisten Maschinenhersteller ihren Entwicklungsfokus ja auch auf die alternativen Techniken verlegt. Ein Monopol ist also auch für die Weiterentwicklung einer Technologie nicht unbedingt von Vorteil.
Im Handwerk setzt sich zunehmend die Heißlufttechnik durch. Können Ihre Kanten problemlos auf diesen Maschinen verarbeitet werden?
Schulte: Nicht nur problemlos, sondern sehr effizient und wirtschaftlich. Das gilt im Übrigen auch für Maschinen, die mit Plasma-, Imalux- oder NIR-Verfahren von Holzher arbeiten.
Welche Produkte bieten Sie mit Funktionsschicht an?
Bruns: Sämtliche 5000 Artikel aus unserem Lagerprogramm! Und zwar ab einer Bestellmenge von einer Rolle, d. h. ab 75 Laufmetern, bei einer Lieferzeit von max. fünf Arbeitstagen. Das können wir, weil wir die Funktionsschicht »post-coextrudieren«. Das heißt: Wir bringen sie nachträglich im Extrusionsverfahren auf die gewünschte Kante auf. Ab Bestellmengen von 500 Laufmetern stellen wir die Kanten im Durchlaufverfahren her.
Ihre Nullfugenkanten sind hochpreisiger als nachbeschichtete Kanten des Wettbewerbs. Warum?
Schulte: Weil es sich um ein Qualitätsprodukt handelt, das gegenüber den mit Schmelzkleber nachbeschichteten Produkten klare Vorteile hat. Bei weißen oder grauen Platten kommen sie mit den in Standardfarben angebotenen Schmelzkleberbeschichtungen vielleicht noch klar. Wenn es darüber hinaus geht, zeichnet sich der andersfarbige Kleber jedoch als Fuge zwischen Platte und Kante ab. Unsere Premiumfunktionsschicht, wie wir sie nennen, ist in der Farbe der Kante eingefärbt, sie schmiert nicht beim Nachfräsen und ist abrissfester als herkömmliche Verklebungen.
Auf der Holz-Handwerk werden wir eine Kantenanleimmaschine am Stand haben, um dieses komplexe Thema anschaulich und praxisnah zu demonstrieren.
Was zeigen Sie sonst noch auf der Messe in Nürnberg?
Bruns: Neben den beschriebenen Themen stellen wir u. a. unsere neuen Arbeitsplattenkanten vor. Hier haben wir über 60 neue Dekore im Programm. Erstmals übrigens auch für Formica- und Westag & Getalit-Platten. Des Weiteren werden wir unsere enge Kooperation mit Kaindl/Kronospan kommunizieren und natürlich das Kantenprogramm zu der neuen Kronospan-Trend-2016- sowie zur neuen Egger-Kollektion vorstellen.
Um digital bedruckte Kanten ist es in letzter Zeit ruhig geworden. Welche Bedeutung hat diese Technik Ihrer Ansicht zukünftig?
Schulte: Der Digitaldruck hat seinen Markt gefunden im Bereich Küchen-Arbeitsplatten, für sehr spezielle Dekorwünsche und bei stark strukturierten Oberflächen. »Digital« als USP oder Verkaufsargument wird sicher irgendwann verschwinden. Dem Kunden ist schlussendlich egal, wie seine Kante hergestelltwurde, Hauptsache Qualität und Service stimmen!

Die Döllken-Kunststoffverarbeitung GmbH und der Surteco-Konzern

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Döllken beliefert Möbelhersteller weltweit mit thermoplastischen Kanten und gehört zu den Marktführern der Branche. Keimzelle des Unternehmens ist die 1887 in Essen als Holzhandlung und Sägewerk gegründete W. Döllken & Cie. 1952 erkannte Döllken als eines der ersten Unternehmen die Bedeutung des Kunststoffs und wurde zum Spezialisten für die Extrusion von Kunststoffprofilen. Heute ist Döllken auf vier Kontinenten mit eigenen Produktionsstätten vertreten, beschäftigt über 1200 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von über 220 Mio. Euro. Seit 2002 ist Döllken ein Teil des Unternehmensverbundes der Surteco SE. Surteco gilt als weltweit führender Anbieter von Oberflächentechnologien im Bereich dekorativer Flächenfolien und Kanten auf Basis von technischen Spezialpapieren und Kunststoffen. Der Konzernverbund schafft Synergie durch die Zusammenarbeit von Döllken mit den Surteco-Untenrehmen BauschLinnemann, (Spezialist für papierbasierte Möbeloberflächen) und dem Dekordrucker Surteco Dekor (vormals Bausch Decor und Süddekor). Innerhalb des Surteco-Konzerns repräsentiert Döllken als »Strategische Geschäftseinheit Kunststoff« (SGE) sämtliche Kunststoffaktivitäten.
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