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Raumdynamik

Technik
Raumdynamik

Die für ein Appartement entworfene Küche der Architekten Lee + Mir überwindet die übliche Addition von Korpuselementen zugunsten eines gestalterisch und funktional eigenwilligen Konzepts.

Eine Küche als Teil eines offenen Wohnraums zu konzipieren ist eine Herausforderung, der sich Konfektionäre wie Architekten stellen. Letztere haben einen konkreten Raum und den Auftraggeber mit individuellen Bedürfnissen im Blick, während erstere eine Idee entwickeln, die einem breiten Anforderungsprofil genügen muss. Der Kunde wählt maximal die technische Ausstattung und die Materialien.

Die hier gezeigte Küche ist von den Architekten Patrik Lee und Marc Mir für ein Appartement in Neu-Ulm entworfen und von der Firma Hupfer Innenausbau, Illertissen, umgesetzt worden. Sie ist ein Beispiel für die Auseinandersetzung mit einem vorgegebenen Raum und den Wünschen des Auftraggebers. Markant sind schräge Flächen und Fugen. Ihnen liegt keine geometrische Zahlenmystik zugrunde. Der Entwurf entzieht sich der formalen Einordnung, dynamisiert den Raum durch seine Eigenwilligkeit. Der Reihenschluss gleicher Korpuselemente als häufigstes Bauprinzip einer Küche wird zugunsten individueller Identität und Funktionalität überwunden.
Die Architekten zeigen, was häufig in der Decke verschwindet: Downlights und Dunstabzug sind in aufgesetzte dunkle Korpuselemente integriert. Und sie verstecken, was in der Regel auf der Arbeitsplatte herumsteht: Wasserkocher und Toaster finden Platz in seitlichen Auszügen. Das sind nur zwei Beispiele für gestalterische Eigenständigkeit.
Dieser Entwurf von Lee + Mir grenzt eine im wirklichen Sinne individuelle Küche von einem Baukastensystem aus Arbeitsplatten, Fronten und weiteren Komponenten ab, welches Fachhändler aber auch Tischler und Schreiner ihren Kunden gern als individuell verkaufen. Wenn individuell als ein Synonym für austauschbar verwendet wird, weist das auf den Verlust entsprechender Aufträge hin, die dem Handwerker tatsächlich Individuelles abverlangen. Vielleicht ist dieser Verlust aber auch hausgemacht – wenn nämlich an Stelle des Entwerfens immer häufiger ein Konglomerat aus Komponenten tritt, die mit Vielfalt und Verfügbarkeit locken. Die Komponenten in ein Ganzes einzugliedern, anstatt das Ganze daraus zusammenzusetzen, wäre die eigentliche Gestaltungsaufgabe. Die Zusammenarbeit mit Architekten kann in diesem Sinne hilfreich sein. Auch der Tischler und Schreiner selbst kann sich aber auf die Tugenden des Entwerfens besinnen – darauf, gestalterische Ideen und Stärke im Detail zu entwickeln, anstatt die Kreativität vorschnell einem Korpusgenerator zu überlassen. JN

Projektbeteiligte
Planung: Architekten Lee + Mir 70176 Stuttgart Tel.: (0711) 258585-0, Fax: -10 www.lee-mir.com
Innenausbau: Hupfer Innenausbau 89257 Illertissen Tel.: (07303) 3300, Fax: 41500 www.hupfer-innenausbau.de
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