Mit dem eigenen Profil

Continental wollte sich im Foyer seiner Entwicklungsabteilung mit dem eigenen (Reifen-)Profil präsentieren. Innenarchitekt Oliver Hess vom Büro Formverbund entwarf einen digital bedruckten Empfangstresen und koordinierte alle Arbeiten am Projekt.

Der neue Empfangstresen im Foyer des Bereiches Forschung und Entwicklung der Continental AG in Hannover sollte nicht nur das Image als innovatives und Technologie orientiertes Unternehmen unterstreichen. Gefragt war ein Design, das klar darauf hinweist, welchen Unternehmensbereich man hier betritt. Die Corporate-Identity verlangte auch moderne, zukunftsweisende Materialien und Verfahren. So fiel die Wahl auf digital beduckten Schichtstoff.

Tresen erzählt eine Geschichte
Der Reifenhersteller gab das Thema für die Motive vor: Die 6,3 m lange Theke sollte die Geschichte der Entwicklung eines Reifens erzählen, von den linienhaften Vorzeichnungen auf dem puren Gummi eines Reifenrohlings über fertige Umrisse der Profilvertiefungen bis hin zu deren fotorealistischer Abbildung.
Wir reduzierten die Anzahl der Materialfarben für den gesamten Bereich auf Schwarz, Weiß, Grauabstufungen und gebürstetes Aluminium. Außerdem legten wir die Glanzgrade der einzelnen Materialien gemäß den Anforderungen an Pflege und Reflexion fest.
Neue Techniken und Materialien schaffen neue Begehrlichkeiten. Das Verfahren der Reifenherstellung in der Tresenfront geschützt im Schichtstoff unempfindlich gegen die Alltagseinflüsse zu verpressen, schien ein adäquater Anwendungszweck zu sein. Da in der kurzen Entwurfs- und Planungszeit auch nur ein entsprechend kleines Produktionsfenster zur Verfügung stand, galt es, die richtigen Partner für die einzelnen Teilbereiche zu finden.
Die richtigen Partner
Der Tischler stand fest. Mit Thermopal fanden wir einen Hersteller, der auch bei der angefragten Stückzahl eins des Individualdruckes im HPL seine Unterstützung anbot. Die weitere Entwicklung des grafischen Entwurfes mit der notwendigen Erstellung von sicheren Druckdaten in dieser Größe wurde an ein Büro mit hoher drucktechnischer Kompetenz vergeben, mit dem unser Büro schon an anderer Stelle positive Erfahrung sammeln durfte.
Beim Verpressen von bedrucktem Papier findet immer eine gewisse Farbverschiebung zwischen dem auf dem reinen Papier zu begutachtenden Zwischen-Ergebnis und dem kunststoffgetränkten HPL statt. Sinnvollerweise ist eine Bemusterung mit der Erstellung mindestens eines Labormusters, d. h. einer kleinen Probeverpressung, von den meisten Herstellern vorgesehen. Auf die Größe einer Musterplatte stellten wir die schwierigen Ausschnitte des Gesamtmotivs, um sie 1:1 zu begutachten. An dieser Stelle empfehlt sich auch die Freigabe durch den Kunden.
Feinarbeit für die richtige Farbe
Wir mussten feststellen, dass Schwarz nicht gleich Schwarz ist. Der Grundton des Tresens sollte dem eines frisch produzierten Reifens entsprechen, und gleichzeitig sollte die Farbe zu den seitlich angrenzenden Flächen in einem Standard-Schwarzton aus dem Thermopal-Programm verlaufen. Hier war Feinarbeit gefragt. In Teilbereichen des Schwarz haben wir zwischen 10 und 100 Prozent Cyan untergedruckt, um die gewünschte Tiefe zu erreichen. Dieser Effekt lässt sich bei einfarbigen Schichtstoffen leichter erzielen, da man durchgefärbte Papiere verwenden kann. Der Individualdruck erfolgt jedoch auf weißem Papier.
Motiv, Layout und die Farbverläufe vom Schwarz zum Hellgrau waren nach weiteren Bemusterungen zufriedenstellend. Jetzt galt es, das 0,76 x 6,18 m große Motiv auf die zwei notwendigen HPL-Platten im Format 2,75 x 205 m so zu platzieren, dass die Motivteile genügend Fleisch zum Besäumen, Zuschneiden und Formverleimen boten.
Um dem Tischler das Finden des richtigen Ansatzes zu erleichtern, montierte der Grafiker jeweils oberhalb und unterhalb des Motivs eine fortlaufende Längenskala mit 5-cm-Schritten.
Durch das Tränken des bedruckten Dekorpapiers mit Melaminharz kommt es zum Quellen und Schwinden des aufgedruckten Motivs, sodass mit nicht unerheblichen Maßabweichungen zu rechnen ist. Hier ist es hilfreich, das Motiv so zu wählen, dass die Größen- und Positionsabweichungen nicht auffallen. Anders als bei der Massenproduktion, z. B. von Laminatfußbodenelementen, ist beim Individualdruck ein Ausgleich bzw. die Optimierung der Toleranzen wirtschaftlich nicht machbar, da hierbei zu viel Ausschuss anfiele. Da das Motiv des Continental-Tresens kleine Maßabweichungen zuließ, konnte der individuell bedruckte Schichtstoff zur Montage just in time produziert werden.
Fazit
Digitaldruckverfahren für Schichtstoffe und die Trägerpapiere werden den gleichen Innovationsschub erfahren wie der Druck von Großformaten und Bannern. Obwohl wir nur wenig Erfahrung im Print-Bereich haben, war unser Know-how für die Koordination der Teilbereiche nützlich und ausreichend. Für die Erstellung von verbindlichen Druckdaten würde ich immer Fachleute einbinden, insbesondere wenn es um die drucktechnische Kommunikation und die Übergabe von verbindlichen Daten geht. Auch für den Verarbeiter ist es gut, das Material in sorgsamen Händen zu wissen. Das Ergebnis, für Außenstehende ein schon fast langweiliges Motiv, verstärkt bei den Mitarbeitern und den Fachbesuchern des Bereiches Forschung und Entwicklung die Identifikation mit dem Kernthema der Entwicklung des Hightech-Produktes Reifen, und zwar vom Erzeugen des Rohstoffes bis zur Entwicklung der Funktion jeder einzelnen Lamelle. Oliver Hess

Projektpartner
GU-Agenturen für Conti F+E: TM-Company GmbH / Dillenberger-Exhibitions 30159 Hannover www.dillenberger-exhibitions.com
Entwurf, Planung, Betreuung und Koordination: Formverbund-Büro für Designlösungen Oliver Hess, Dipl.-Ing. FH Innenarchitektur 30159 Hannover www.formverbund.de Entwurf und Erstellung der Druckdaten: Fischhase – Information und Gestaltung GmbH & Co KG 30167 Hannover www.formverbund.de Tischlerarbeiten: Möbelbau Kaether & Weise GmbH 31195 Lamspringe www.formverbund.de