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»Unsere Teams denken mit«

Durchlauf-CNC von Format-4 in Schreinerei Streb
»Unsere Teams denken mit«

An der Maschine stehen und nur Teile auflegen und abnehmen, das wollen Karl Streb senior und junior ihren Schreinern nicht zumuten. Die Belegschaft soll nicht ausführendes Organ eines Arbeitsvorbereiters sein. Dennoch zieht die Digitalisierung auch in diesen Betrieb ein.

Josef Staudigl und sein Vier-Mann-Team bauen in der Schreinerei Streb in Berching bei Neumarkt in der Oberpfalz weiß zu lackierende Einbauschränke für ein modernes, großzügiges Einfamilienhaus. Der Tischlergeselle steht an der vor einem Jahr angeschafften Durchlauf-CNC »Creator 950« von Format-4 und versieht ein Möbelteil nach dem anderen mit Beschlagsbohrungen und -fräsungen. Bereits gestern hat er auf Basis der Entwurfszeichnungen des Architekten mit dem Grundriss und den vertikalen Schnitten eine Stückliste geschrieben und mithilfe zweier oder dreier Brettrisse die Maße ermittelt, die sich im Kopf so ohne Weiteres nicht ermitteln lassen, etwa die Höhen, auf denen die Schubkastenauszüge einzubohren sind.

Makros mit Know-how

Die Teamkollegen haben die Platten an der liegenden Plattensäge zugeschnitten und die Teile nach der Fertigungsreihenfolge an der CNC sortiert, das heißt zuerst die Seiten, dann die Konstruktionsböden, die Einlegeböden und schließlich die Rückwände. Josef Staudigl arbeitet die Stapel ab und wirft immer wieder mal einen Blick auf den großen Plan. Das Gros der eigentlichen Konstruktionsarbeit erledigen einmal programmierte Makros, die anhand weniger Parameter wie Schrankbreite, -höhe und -tiefe die Dübel-, Beschlags- und Reihenlochbohrungen sowie die Rückwandnut platzieren.

Wenn sich das Werkstückformat ändert, tippt der Schreiner die Breite und die Länge des Werkstücks in den Steuerungsbildschirm ein und gibt über parametrische Programme die Bearbeitungen vor, schiebt das Werkstück nach vorne und rechts gegen die Anschläge, schiebt das linke Einlauflineal nach rechts gegen das Werkstück und arretiert es. Jetzt kann er ein Werkstück nach dem anderen in die Maschine eingeben und den Bearbeitungszyklus sicher per Beidhandtaster starten. Heute hat Josef Staudigl keinen Helfer, der zum Verkürzen der Taktzeiten hinter der Maschine die fertigen Werkstücke abnimmt. Also hat Josef Staudigl den Schalter für die Ausgaberichtung auf vorne gestellt.

Familienunternehmen mit Teamgeist

Die 1894 in Berching gegründete Schreinerei Streb beschäftigt 24 Mitarbeiter und hat sich auf wohlhabende Privatkundschaft spezialisiert. In vierter und fünfter Generation führen Karl Streb senior und sein Sohn Karl junior das Unternehmen. Die Schreinerei fertigt überwiegend Möbel, aber auch schlichte, stumpf einschlagende Zimmertüren samt Zargen sowie Fenster und Pfosten-Riegel-Konstruktionen. Die Belegschaft teilt sich in drei Möbelbauteams und zwei Bauschreinerteams auf. Jedes Team besteht aus drei bis vier Schreinern und begleitet seine Aufträge vom Aufmaß über die Arbeitsvorbereitung und die Fertigung bis zur Montage auf der Baustelle.

Das Gros der Aufträge wickelt die Schreinerei in gut eingespielter Zusammenarbeit mit wenigen Architekten ab. In der Regel bereiten die Architekten die Entwürfe so weit auf, dass im Büro kein großer Konstruktionsaufwand mehr besteht. Wenn für ein Möbelstück kein Entwurf vom Architekten vorliegt, übernimmt Isabell Streb, die Frau vom Juniorchef, die Konstruktionsarbeit. Sie arbeitet mit F4 Design. Diese CAD-CAM-Software, die Format-4 gemeinsam mit dem Softwarehaus CAD-T entwickelt hat, hat Streb zusammen mit der neuen Creator-CNC angeschafft. Die Software ist auf die Bearbeitungszentren von Format-4 und damit auch auf die 2009 in Betrieb genommene Profit H22 abgestimmt.

Generieren und konstruieren

Das auf Auto-CAD basierende F4 Design enthält für das Gros des Alltagsgeschäfts einen ganz einfach und schnell zu bedienenden Produkt- und Korpusgenerator sowie einen klassischen CAD-Modus für beliebig komplexe Aufgaben. Beide Elemente lassen sich auch kombinieren, indem der Tischler und Schreiner beispielsweise zunächst mit dem Generator ein normales Möbelstück plant und es dann im CAD-Modus individuell abwandelt.

Eine Universal- und eine Korpus-CNC

Das alte Profit-H22-Bearbeitungszentrum hat sich in der Schreinerei Streb zur Engpassmaschine entwickelt. Nahezu alle Möbelteile, Türblätter, Zargen, Massivholzkonstruktionen sowie Hebeschiebetüren hat Streb auf dieser Maschine gefertigt. Lediglich die Fensterfertigung lief und läuft immer noch über eine Winkelanlage. Als im Herbst 2018 die Anschaffung einer zweiten CNC anstand, haben sich Vater und Sohn gegen eine 5-Achs-Konsolen-Maschine und für eine Durchlauf-Korpus-CNC entschieden. Für die alte und neue Maschine war mit einer Auslastung von fünf Stunden pro Tag zu rechnen. Die reine Korpusmaschine erübrigt das Positionieren von Saugern und erlaubt einen besonders ergonomischen Betrieb ohne Umrüsten. Der Bediener muss sich nicht mit dem Werkstück über den Maschinentisch beugen. Die alte Maschine ist mit einer automatisch schwenkbaren Säge ausgestattet, sodass eine Lösung für Schifter- und Gehrungsschnitte vorhanden war. Außerdem sind die Anschaffungskosten für eine Durchlauf-CNC deutlich niedriger. Letztendlich fiel die Entscheidung auf die Creator 950 mit F4 Design, weil so alles aus einer Hand kommt und aufeinander abgestimmt ist.

Die Belegschaft ist mit im Boot

Das Potenzial der CAD-CAM-Software, aus der Zeichnung Stücklisten sowie alle CNC-Programme vollautomatisch zu generieren, nutzt die Schreinerei aktuell noch nicht, arbeitet aber schon an der Umstellung. Karl Streb senior kennt seine Mitarbeiter und weiß, dass sie nicht nur im Büro konstruierte Werkstücke auf die Maschine auflegen wollen, sondern aktiv in die Konstruktion und Arbeitsvorbereitung mit eingebunden sein wollen. Daher streben Vater und Sohn eine Lösung an, die es den Mitarbeitern erlaubt, weiterhin mit der parametrischen Programmieroberfläche der Maschine zu arbeiten oder komplexere Konstruktionen statt mit Brettriss selbst mit F4 Design an ganz neuen Arbeitsplätzen zu verwirklichen.

Der Abschied vom Brettriss steht an

Karl Streb junior sagt: »Wir haben uns für die Creator und für F4 Design entschieden, weil die alte und die neue Maschine sowie die Software aus einer Hand kommen. Wer die eine Maschine programmieren kann, beherrscht auch die andere. Beide Maschinen laufen zuverlässig und nahezu störungsfrei. Unsere Belegschaft, mein Vater und ich freuen uns schon darauf, wenn F4 Design bei uns das Schreiben von Stücklisten und den Brettriss ablösen wird.«


dds-Redakteur Georg Molinski besuchte die Schreinerei Streb und erlebte ein starkes Führungsteam aus Karl Streb senior und Karl Streb junior mit einer hoch motivierten und sehr selbstständigen Mannschaft.


Steckbrief

Anwender: Karl Streb GmbH
92334 Berching
Tel.: (08462) 94208-14, Fax: -29
www.schreinerei-streb.de

CNCs und Software:

Format-4
A 6060 Hall in Tirol
Tel.: +43 (5223) 5850-0
www.format-4.com

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