Startseite » Technik » Maschinen & Anlagen »

Schreinertauglich

Maschinen & Anlagen
Schreinertauglich

Kleine Mengen, viele Holzarten in unterschiedlichen Abmessungen – ein Tischler und Schreiner hat beim Holztrocknen viel höhere Hürden zu überwinden als sein Industriekollege. Oliver Dünisch machte sich auf die Suche nach schreinertauglichen Holztrocknern.

Kaum ein Tischler und Schreiner befasst sich noch selbst mit der technischen Holztrocknung, weil er meistens Holzwerkstoffe oder getrocknetes Leimholz als Kantel oder Platte verarbeitet. Es gibt dennoch gute Gründe sein Schnittholz selbst technisch zu trocknen, etwa um jeden Kundenwunsch erfüllen zu können, die Qualität zu sichern oder günstige Einkaufsquellen zu nutzen. Auf jeden Fall hat der Handwerker andere Anforderungen an die technische Schnittholztrocknung als sein Industriekollege. Er verarbeitet kleinere Mengen und mehr Holzarten in unterschiedlichen Abmessungen. Ein Rundgang über die Messe Holz-Handwerk 2014 in Nürnberg zeigt: Es gibt sie, die Spezialisten für kleine, schnelle, flexible Schnittholztrockner.

Die Physik der Holztrocknung bleibt gleich, egal ob in der handwerklichen oder industriellen Anlage oder beim natürlichen Trocknen. Langfristig hängt die Feuchte, die sich im Holz einstellt (Holzgleichgewichtsfeuchte), von der Temperatur und der relativen Luftfeuchte der Umgebung ab. Diese beiden Größen bestimmen deshalb auch die Zielfeuchten, die bei der technischen Holztrocknung erreicht werden müssen. Unter mitteleuropäischen Klimabedingungen variieren die Zielfeuchten zwischen etwa sechs bis neun Prozent für trockene, beheizte Innenräume und 16 bis 20 Prozent im Außenbereich. Die Trocknung verläuft bei gleicher relativer Luftfeuchte umso schneller, je höher die Umgebungstemperatur ist, da warme Luft deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann als kalte Luft. Bei 20 °C kann absolut trockene Luft 17 g, bei 90 °C allerdings 432 g Wasser aufnehmen. Bei einer relativen Luftfeuchte von 50 Prozent halbieren sich die Werte dementsprechend. Temperatur und relative Luftfeuchte sind deshalb die zentralen Steuergrößen für die technische Schnittholztrocknung in der Kammer. Hohe Temperaturen und niedrige relative Luftfeuchten führen zu einer sehr raschen Entfeuchtung des Holzes. Allerdings sind hier Grenzen gesetzt, da bei sehr hohen Trocknungsgeschwindigkeiten und sehr hohen Trocknungstemperaturen die Gefahr von Trocknungsfehlern deutlich ansteigt.
Die Hersteller von technischen Schnittholztrocknungsanlagen streben deshalb in unterschiedlichen Konzeptvarianten eine Balance zwischen der Trocknungsgeschwindigkeit, der Trocknungsqualität und den Kosten der Schnittholztrocknung an.
Schnittholztrockner unterscheiden sich im Trocknungsverfahren und im Aufbau. Ein Besuch bei den Anbietern von Schnittholztrocknungsanlagen für Schreinereien auf der Messe Holz-Handwerk 2014 in Nürnberg macht deutlich: Unterschiedliche Anbieter setzen auf unterschiedliche Trocknungsverfahren: Frischluft-/Ablufttrockner (Lauber, Eberl), Vakuumtrockner (Eberl, Kronseder) sowie für besonders geringe Holzmengen Kondensationstrockner (Braun).
Bei der Frischluft-/Ablufttrocknung erfolgt die Entfeuchtung des Holzes durch umlaufende warme Luft, die Feuchtigkeit aufnimmt und diese über eine Abluftklappe nach außen bringt. Um die Luftfeuchte im Bedarfsfall während des Trocknungsprozesses auch künstlich anheben zu können, sind die Kammern neben einer Heizung und eines Ventilators auch mit einer Sprüheinrichtung ausgestattet. Bei kleineren Frischluft-/Ablufttrocknungsanlagen setzt Lauber mit stirnseitig angeordneten Ventilatoren auf eine Entfeuchtung im Längsstrom, was dem natürlichen Feuchtefluss im Holz entspricht. Die Entfeuchtung im Längsstrom erlaubt hohe Luftgeschwindigkeiten in der Kammer, wodurch die Trocknung innerhalb der Kammer sehr gleichmäßig und rasch erfolgt. Die Entfeuchtung im Längsstrom hat allerdings Auswirkungen auf die Beschickung.
Damit auch im Innern des Stapels die Luft zirkulierte, bedarf es luftdurchlässiger Stapelleisten. In der Regel ist die Brettware manuell umzustapeln, weshalb das Verfahren auf kleinere Anlagen beschränkt ist. Eberl setzt deshalb bei seinem Frischluft-/Ablufttrockner (Modell Air Classic) ausschließlich auf eine Entfeuchtung im Querstrom. Neben dem Faktor Zeit beeinflusst die Art der Beschickung auch wesentlich den Platzbedarf für die Schnittholztrocknungsanlage. Lauber bietet deshalb Kammern an, die sich von oben als Truhe (Modelle T3-T7), von der Längsseite (Modelle S4-S7) oder auch von der Querseite (Modelle K4-K13) beschicken lassen.
Klassiker und Energiefresser
Aufgrund des hohen Gewichtes einer beladenen Kammer, empfehlen alle Hersteller ein eigenes Fundament. Ein Nachteil der klassischen Frischluft-/Ablufttrocknung sind die hohen Wärmeverluste bei der Feuchteabgabe über die Abluftklappe. Eberl bietet deshalb den Trocknungscontainer Air Classic mit einer Wärmepumpe an, bei dem die Entfeuchtung über Kondensation an einem Wärmetauscher erfolgt. Durch die Wärmerückgewinnung beim Entfeuchten kann auf eine externe Heizung verzichtet werden. Im Gegensatz zur Entfeuchtung über Kondensation, erfordert die Frischluft-/Ablufttrocknung eine vergleichsweise einfache Anlagentechnik, die sich für alle Holzarten eignet. Eberl empfiehlt seinen Querstromtrockner Air Classic aber dennoch bevorzugt für einfacher zu trocknendes Schnittholz. Bei verfärbungsanfälligen Hölzern und größeren Querschnitten rät Eberl zum Vakuumtrockner.
Bei der Vakuumtrocknung handelt es sich um eine Verdampfungstrocknung im Gegensatz zur Frischluft-Ablufttrocknung, bei der die Entfeuchtung des Holzes durch Verdunstung bei Temperaturen unter 100 °C erfolgt. Die Vakuumtrockner der Firmen Eberl und Kronseder arbeiten in einem Luftdruckbereich von 50 bis 200 mbar, wodurch der Siedepunkt des Wassers auf 60 bis 30 °C abgesenkt wird. Die Trocknung des Holzes erfolgt dadurch deutlich schneller. Außerdem führt das Absenken der Trocknungstemperatur im Vakuum dazu, dass chemische Verfärbungen des Holzes, die erst bei einer bestimmten Schwellentemperatur ausgelöst werden, vollständig unterbleiben bzw. deutlich schwächer ausgeprägt sind als bei höheren Trocknungstemperaturen.
Effiziente Hightech
Eine Entfeuchtung der Kammerluft kann im Vakuum nur über Kondensation erfolgen. Deshalb und aufgrund eines aufwendigeren Gehäuses sowie der Vakuumpumpe, ist die Vakuumtrocknung aufwendiger als die der Frischluft-/Ablufttrocknung.
Mit den Kondensationstrocknern, beziehungsweise den »Handwerker-Holztrocknern« setzt Braun ein möglichst einfaches Gegengewicht. Die Aggregate T1 und T2 sind für die Trocknung von Kleinstmengen unterschiedlicher Holzarten und Abmessungen konzipiert. Hierbei wird der Luft in der vom Anwender nach Anleitung selbst zu erstellenden Kleinkammer ständig Feuchtigkeit durch Kondensation entzogen (siehe Reportage Seite 34).
Klein aber fein
Durch die hierbei frei werdende Wärme, erwärmt sich die Kammer ohne Zusatzheizung auf 30 bis 45 °C, sodass auch eine Holztrocknung auf eine Holzfeuchte, die unterhalb der Holzgleichgewichtsfeuchte des Aufstellortes liegt, möglich ist. Um die Trocknungszeit zu verkürzen, können die Aggregate optional noch mit einer Zusatzheizung ausgestattet werden. Die Aggregate werden über eine einfache folgeunabhängige Programmsteuerung bedient, für die Braun entsprechende Trocknungstabellen für Nadel- und Laubhölzer in unterschiedlichen Stärken und Holzmengen bereitstellt.
Bei Lauber, Eberl und Kronseder kommen hingegen vollautomatische, holzfeuchteabhängige Regelungen zum Einsatz, bei denen der Trocknungsverlauf ständig der aktuellen Holzfeuchte des Trockengutes, der Lufttemperatur sowie der Holzgleichgewichtsfeuchte angepasst wird (die Kondensationstrockner von Braun können ebenfalls als Sonderzubehör mit entsprechenden Messstellen zur Kontrolle des Trocknungsvorganges ausgerüstet werden). So regelt die im Grundpreis enthaltene Computerautomatik MP 9010 von Lauber nach Eingabe von Holzart, Holzdicke und Endfeuchte den Trocknungsprozess, der über einen handelsüblichen PC visualisiert werden kann, vollautomatisch.
Die dds-Marktübersichten (Seiten 38, 39 und 40 jeweils unten) helfen dem Tischler und Schreiner, für sich einen wirtschaftlich sinnvollen Trockner zu finden. Aspekte sind der Anschaffungspreis, die Kosten für Holzlagerung und Beschickung sowie die Energiekosten. Mit Ausnahme der Kondensationsaggregate von Braun, variiert der Anschaffungspreis der Schnittholztrockner sehr stark in Abhängigkeit von Größe und individueller Ausstattung. In einem Musterangebot bietet Lauber den Längsstromtrockner S-6 mit einem Volumen von 4,1 m³ mit Computer-Automatik ab Werk für netto 23 800 Euro an. Allerdings bietet Lauber auch Selbstbauaggregate mit komplett installierter Technik und Regelung, bei denen lediglich das Gehäuse vom Kunden selbst zu erstellen ist, was die Anschaffungskosten deutlich reduzieren kann. Für den Energieverbrauch können je nach Holzart, Brettdicke und Anfangs- und Endfeuchte ebenfalls nur orientierende Angaben gemacht werden, wobei hierbei auf die unterschiedlichen Kosten für unterschiedliche Energieformen (elektrisch, Warmwasser, Gas) und Tarife (z. B. Strompreis Wärmepumpentarif) hinzuweisen ist. Deutlich wird aber bei allen Herstellern: Potenziale zur Energieeinsparung sind ein ganz zentrales Thema bei der Schnittholztrocknung – sei es durch den Einsatz von Wärmepumpen (Eberl, Braun), durch eine Reduzierung der Energiekosten für die Ventilatoren im Vakuum (Eberl, Kronseder) oder eine automatische Drehzahlregelung der Ventilatoren (Lauber).
Vermeidbare Fehler
In den vollautomatisch gesteuerten Schnittholztrocknern sind für praktisch alle Handelshölzer entsprechende Trocknungsprogramme hinterlegt, sodass bei sachgemäßem Betrieb Trocknungsfehler äußerst unwahrscheinlich sind. Eine Fehltrocknung ist deshalb meistens auf einen unsachgemäßen Betrieb zurückzuführen. Die häufigsten Fehler treten beim Anbringen der Messfühler im Holz auf, aber auch beim Messen der Temperatur, der relativen Luftfeuchte oder der Luftgeschwindigkeit in der Kammer. Eine beliebte, weitere Fehlerquelle sind schadhafte Kabel(-verbindungen). Wird – was möglichst zu vermeiden ist – Holz unterschiedlicher Holzart, unterschiedlicher Dimension und unterschiedlicher Anfangsfeuchte in einer Charge gemeinsam getrocknet, muss sich das Trocknungsprogramm immer an der am langsamsten zu trocknenden Holzart, an der größten Brettdicke und der höchsten Anfangsfeuchte orientieren.

Oliver Dünisch

3523439

»Es gibt sie, die schreinertauglichen Trockner! Schauen Sie genau hin, welcher zu Ihnen passt.
Aktuelles Heft
Titelbild dds - das magazin für möbel und ausbau 9
Aktuelle Ausgabe
09/2022
EINZELHEFT
ABO
dds-Zulieferforum
Tischlerhandwerk in Zahlen

Zahl der Betriebe im Tischlerhandwerk

dds auf Facebook


dds auf YouTube

Im dds-Channel auf YouTube finden Sie:
– Videos zu Beiträgen aus dds
– Kollegen stellen sich vor
– Praxistipps-Videos
– Maschinen & Werkzeuge

Abonnieren Sie dds auf YouTube »

[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]