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Größer, weiter, höher – und?

Akkutechnik bei E-Werkzeugen
Größer, weiter, höher – und?

Die Anzahl an Modellen und die Kraft und Ausdauer von Akkuwerkzeugen wächst ständig. Manch Hersteller bietet über 200 Werkzeuge für einen 18-V-Akku. Was nutzt diese Vielfalt dem Tischler und Schreiner in der Praxis? Eine Einordnung von dds-Autor Josef Schneider.

Früher war alles besser und vieles einfacher. Beim Kauf eines Elektrowerkzeugs zählte einzig die Qualität des Werkzeugs. Die Handkreissäge von Festool, der Bohrhammer von Bosch, der Schwingschleifer von Metabo – oder wie auch immer. Jeder hatte seine Favoriten. Doch wer heute ein Werkzeug kaufen möchte, kommt zwangsläufig ins Grübeln. Schuld ist der Hype um die kabellose Baustelle.

Der Kampf um den Kunden ist diesbezüglich voll entbrannt. Slogans wie »Ein System, 35+ Geräte« (AEG), »Ein Akku für alles« (CAS), »Mehr als 230 Werkzeuge mit nur einem Akku« (Makita) oder »Ein Akkusystem – über 145 Tools« (Milwaukee) bauen Druck beim Handwerker auf. Doch was sagt die Anzahl der lieferbaren Geräte wirklich aus?

Was nutzt es dem Tischler?

Zeit, die rein quantitativen Slogans der Hersteller unter die Lupe zu nehmen. Ein Blick in die aktuellen Kataloge kann da helfen. Sind die Geräte, die ich brauche, überhaupt dabei? Was will ich als Tischler oder Schreiner beispielsweise mit einem Akku-Betonverdichter oder einer Akku-Erdkabelpresse? Muss ich diese gedanklich nicht ebenso von der propagierten Zahl abziehen wie die unzähligen Akku-Heckenscheren und Rasentrimmer?

Mitarbeiter einbeziehen

Gut beraten ist, wer vor der Kaufentscheidung die im Betrieb vorhandenen Geräte bilanziert. Welche Akkugeräte sind in Gebrauch? Wie zufrieden sind die Mitarbeiter damit? Welch sinnvolles (!) Neues gibt es? Denn – hört, hört – nicht jedes Nachfolgemodell ist besser als sein Vorgänger. Wenn man solchermaßen seinen Bestand durchforstet, die Mitarbeiter befragt und die Bedarfe ermittelt hat, dann kann man losziehen zum Händler seines Vertrauens. Mein Rat: Dort die Geräte in die Hand nehmen und möglichst ausleihen, um sie dem Baustellenalltag auszusetzen.

Das für Profis breiteste Spektrum bietet die 18-Volt-Klasse. Die zwölf führenden Hersteller bieten über 500 (!) Akku-Werkzeuge, die für Schreiner mehr oder weniger relevant sind. Einige Hersteller streben ein möglichst breites Sortiment an, andere fokussieren sich stark auf den Holzhandwerker.

Im Vergleich zu den Universalisten hat beispielsweise Festool aktuell noch eine überschaubare Anzahl an Akkugeräten im Programm. Doch von denen sind quasi alle für den Holzhandwerker relevant. Bemerkenswert: Für ihre kleinen Kompaktschleifer haben die Wendlinger eigens einen Akku in neuer Bauform entwickelt. Diese passt sich der Ergonomie des Gerätes an – und nicht umgekehrt. Ein neuer Trend?

Akku-Kooperation

Ein kleines aber feines Akkuprogramm für Holzhandwerker führt auch Mafell. Insbesondere die Akku-Kappschienen-Sägen haben es vielen Handwerkern angetan. Deren 18-Volt-Akkus sind kompatibel mit den Geräten von neun(!) anderen Herstellern. Die Akkukooperation nennt sich Cordless Alliance System (CAS). Ein Kürzel, das man sich merken muss. Denn neben Mafell gehört auch Metabo diesem Verbund an. Das Nürtinger Unternehmen war in den letzten Jahren der Innovationstreiber für die kabellose Baustelle. Das bescherte uns einerseits Akkus mit immer höheren Leistungswerten und andererseits richtungsweisende Akkuwerkzeuge, darunter eine Tischkreissäge, die sich wahlweise mit einem 36-V-Akku oder aber mit zwei 18-V-Akkus betreiben lässt.

18 Volt plus x

36-Volt-Power dank zweier 18-Volt-Akkus, das bietet neben Metabo auch Makita. Deren 2 x 18-V-Palette umfasst Bohrhämmer, Winkelschleifer, Handkreis-, Kapp- und Gehrungssägen. Vier 2 x 18-V-Akkusauger stehen zur Wahl, darunter ein Hybridsauger für kombinierten Akku-/Netzbetrieb.

Mit vier 36-V-Hybridsaugern übernimmt Hilti in diesem Bereich die Marktführerschaft. Die Absauger decken die Staubklasse M bzw. L ab. Ansonsten finden sich im Lieferprogramm vor allem Bohr- und Kombihämmer sowie drei Handkreissägen.

Bohrhammerkompetenz beweist Dewalt mit rund zehn solcher Geräte. Dabei setzen die Amerikaner bei den leistungsstärkeren Akkuwerkzeugen auf ihr 54-V-Flexvolt-System. Highlight für Holzhandwerker ist eine Paneelsäge, die wahlweise mit zwei 54-V-Akkus oder Netzkabel betrieben werden kann.

Der Vorteil der hohen Spannung liegt in einer geringeren Wärmeentwicklung. Das führt zu einem anderen Wirkungsgrad und zu höherer Leistung – so sieht man das zumindest bei Hikoki. Das japanische Unternehmen hat daher 18-V-Akkus entwickelt, die bei Bedarf 36 Volt liefern. Zwölf Geräte umfasst die »MultiVolt«-Palette. Interessant: ein Netzadapter, der ein Akku-Werkzeug bei stationärem Dauereinsatz bei Bedarf in ein kabelgebundenes wandelt.

Weniger ist mehr?

Bei vielen Schreinerjobs kommt es eher auf Kompaktheit denn auf schiere Leistung an. Man denke nur an die Möbelmontage. Je kleiner und leichter ein Werkzeug, desto besser. Von daher empfiehlt sich unbedingt ein Blick auf das 12-V-Programm der Hersteller. Bosch überraschte mit einem 12-V-Hobel und einer 12-V-Kantenfräse. Neben den kleinen blauen 12-V-Arbeitsleuchten und 12-V-Bohrschraubern ergeben sich dadurch erfreulich viele und interessante Einsatzmöglichkeiten der kleinen Akku-Packs.

Auch Milwaukee baut sein 12-V-Sortiment stetig aus – über 75 Tools seien lieferbar. Neben Leuchten und Heizjacken sind es vor allem kleine, handliche Bohrschrauber, die überzeugen. Dank Schnellspannbohrfutter sowie Winkel- und Exzentervorsatz sind sie vielseitig einsetzbar. An Kraft mangelt es ihnen nicht: um die 40 Nm Drehmoment leisten die Akku-Schrauber, bis zu 339 Nm ein Akku-Schlagschrauber – größer, weiter, höher also auch hier.


Ach So!

Bluetooth-gesteuert

Was bei Netzgeräten Standard ist, ist bei Akku-Geräten nicht selbstverständlich – nämlich, dass die Absauganlage beim Einschalten des E-Werkzeugs automatisch startet. Beim Kauf auf entsprechende (Bluetooth-) Funktionalität achten!


Josef Schneider ist Malermeister und Dipl.-Wirt.-Ing. (FH). Für dds betreut er seit 2006 den dds-Internetführer. Der selbstständige Journalist betreibt das Wissensportal www.werkzeugforum.de

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