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Kantenanleimmaschine Temproa von Format4 bei Tischlerei Heeg

Kantenanleimmaschine Tempora von Format4 bei Tischlerei Heeg
»Der Mehraufwand lohnt sich«

In den Möbeln vom Tischler und Schreiner steckt viel Arbeit und teures Material. Das schlägt sich natürlich auch im Preis nieder. Ärgerlich ist es jedoch, wenn sich trotzdem nach einiger Zeit die Kanten lösen oder unsauber aussehen. Die Tischlerei Heeg will das unbedingt vermeiden.

Alex Heeg schaltet morgens die Kantenanleimmaschine an. Zu bekanten sind 20 graue und 30 weiße Platten. Der Tischlermeister wählt am großen Touchscreen das Programm mit 2 mm Radius, öffnet eine 500-g-Blechdose mit transparentem PUR-Kleber und befüllt das Leimbecken vollständig mit Granulat. Die 500-g-Dose ist das kleinste erhältliche Gebinde. Damit lassen sich etwa 150 Laufmeter Kantenband an 19 mm dicke Spanplatten anfahren. Unten im Becken befindet sich noch ein kleiner Rest des gestern am späten Nachmittag verwendeten PUR-Klebstoffs. Ist ein PUR-Gebinde einmal geöffnet, so beginnt der Klebstoff mit dem Luftfeuchtigkeit zu reagieren und auszuhärten. Nach 24 Stunden lässt er sich dann nicht mehr verwenden. Alex hat gestern bis kurz vor Feierabend, das Leimbecken fast leer gefahren und hat dann, statt es aufwendig zu reinigen, eine Handvoll frischen PUR-Kleber hinzugegeben. So hält dieser noch bis zum nächsten Morgen. Damit kein Leim verbrennt, sich verfärbt oder frühzeitig abbindet, achtet Alex außerdem darauf, möglichst nur so viel Klebstoff aufzuschmelzen, wie für das Bekantungslos nötig ist. Um trotz geringer Klebstoffmenge im Leimbecken den nötigen Füllstand zu erzielen, verkleinert er das Becken mit einem Einsatz aus hitzebeständigem Silikon, den er nur für sehr große Fertigungslose herausnimmt.

Einstellen über Programmwahl

Die Aufheizzeit von etwa fünf Minuten nutzt Alex, um das Kantenband aus dem Regal zu holen, es auf den Teller zu legen, es einzufädeln und die Kommissionierwagen mit den zu bekantenden Werkstücken zu holen. Nahezu alle Maschineneinstellungen sind über die Wahl des Bearbeitungsprogramms erfolgt. Die Maschine benötigt vor jedem Werkstückdurchlauf lediglich noch die Information, ob die Kanten quer zur Vorschubrichtung bereits bekantet sind und somit die Ecken zu runden sind.

Regal und Auflage für lange Teile

Die Tischlerei hat ihre ganz eigene Lösung gefunden, lange Werkstücke beim Querdurchlauf stabil zu führen: ein zur Maschine hin offener Regalwagen für Kantenbänder in Länge und Höhe der Transporkette. In das mit Teppichboden belegte Blatt ist eine Röllchenbahn eingefräst. Ein Regalsegment öffnet sich nach hinten zur Formatkreissäge. Darin liegen Sägeblätter. Daneben stehen verschiedene Spaltkeile für die Säge bereit. Das fahrbare Regal erleichtert die Arbeit, bringt Ordnung in die Werkstatt und nutzt den Raum der sich sonst nicht sinnvoll nutzen ließe.

Alex gibt ein Werkstück nach dem anderen in die Maschine ein. Etiketten zeigen ihm, welche Werkstückseiten in welcher Reihenfolge zu bearbeiten sind. Ein Helfer entnimmt die Teile am Maschinenauslauf, bringt sie zurück zum Maschineneinlauf und legt sie auf das Regal. Mit jeweils einem Touch auf den Bildschirm schaltet Alex je nach Situation das Eckenrunden ein und wieder aus. Alle grauen Platten sind bekantet. Alex hatte zum Schluss so wenig Granulat zugegeben, dass kaum Leim im Becken verblieben ist. Jetzt füllt er weißen PUR-Kleber ein und bekantet die weißen Werkstücke. Er schaltet die Maschine aus. Nach einer Stunde ist das Aggregat abgekühlt. Alex bringt es gemeinsam mit den beiden angebrochenen Klebstoffdosen in den Tiefkühlschrank. Tiefgefroren hält der Kleber noch drei weitere Tage.

Strategischer Fokus auf die Kante

Die Tischlerei ist 2012 von Bonn nach Wachtberg gezogen und hatte sich mit einem komplett neuen Maschinenpark von Format4 eingerichtet. Sie befasst sich mit dem hochwertigen Laden- und Objektausbau sowie dem gehobenen Privatkundengeschäft. Inhaber Karl-Anton Heeg beschäftigt sieben Mitarbeiter.

Letztes Jahr hat er sich dazu entschlossen, die acht Jahre alte Kantenanleimmaschine gegen die neue »Tempora F 800« von Format4 auszutauschen. Eine nahezu unsichtbare Fuge zwischen Kantenband und Fläche sowie eine feuchte- und hitzebeständige Verleimung hat sich Karl-Anton Heeg strategisch auf die Fahne geschrieben. PUR-Klebstoff erzielt die beste Festigkeit und ist auch in puncto Hitze- und Feuchtebeständigkeit allen anderen Alternativen überlegen. Daher arbeitet die Tischlerei grundsätzlich mit PUR und nur in Ausnahmefällen mit EVA.

Die Maschine bringt Verbesserungen mit sich: einen Touchscreen für alle Einstellungen, einen komfortablen Luftdüsentisch für werkstückschonendes Beschicken sowie eine teflonbeschichtete, beheizte Leimauftragswalze. Letztere dreht im Leerlauf rückwärts und verhindert, dass Kleber in schlecht durchströmten Zonen des Leimbeckens stecken bleibt und dort verbrennt. Mit dem Rückwärtsgang lässt sich auch die Auftragsmenge etwa zum Anleimen von Leisten erhöhen.

Die Strategie geht auf

Karl-Anton Heeg sagt: »Wir wollen die Maschine nicht mehr missen. Unsere Kunden wissen die Qualität und die Beständigkeit des gesamten Möbelstücks einschließlich der Kanten zu schätzen. Die höheren Klebstoffkosten und der größere Aufwand durch das Bündeln von Aufträgen und das Reinigen des Aggregats machen sich für uns bezahlt.«


dds-Redakteur Georg Molinski besuchte die Tischlerei Heeg in Wachtberg bei Bonn. Vater Karl-Anton und Sohn Alexander erlebte er als eingespieltes und kreatives Team in einer pfiffig und ordentlich eingerichteten Tischlerei.


Steckbrief

Anwender: Heeg GmbH,
53343 Wachtberg,
www.heeg-einrichtungen. de

Maschine: Format4
A 6060 Hall in Tirol
www.format-4.com


»Wir setzen grundsätzlich auf hitze- und feuchtebeständige Kanten mit kaum wahrnehmbarer Fuge. Dafür arbeiten wir mit einem präzisen, über Touchscreen flexibel einzustellenden Bekanter sowie PUR-Klebstoff. Das Bündeln der Bekantungslose nach Leimfarbe nehmen wir in Kauf.«

Karl-Anton Heeg

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