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Bookcase System: Revival eines Klassikers

Carl Hansen & Søn legt das Bookcase System von Preben Fabricius und Jørgen Kastholm neu auf
Revival eines Klassikers

Für ihr Bookcase System aus dem Jahr 1963 erhielten die dänischen Designer Preben Fabricius und Jørgen Kastholm international große Anerkennung. Carl Hansen & Søn erweckt das zeitlose Möbelprogramm nun zu neuem Leben.

Preben Fabricius war gelernter Möbeltischler, Jørgen Kastholm gelernter Schmied. Beide bildeten sich in Kopenhagen als Innenarchitekten weiter. Als einer ihrer ersten gemeinsamen Entwürfe wird auf der Jahresausstellung der Kopenhagener Tischlerinnung 1963 das Bookcase System ausgezeichnet: Module in zwei Tiefen ließen sich stellen oder wandhängend montieren. So entstanden streng symmetrische oder dynamische Konfigurationen, die mit Einlegeböden, Schubladen und Türen ausgestattet werden konnten. Die präzise handwerkliche Holzverarbeitung prägte das minimalistische Design.

Ab sofort ist dieser Klassiker wieder erhältlich: Das Bookcase System wird von Carl Hansen & Son in der Möbelfabrik in Gelsted auf der dänischen Insel Fünen originalgetreu hergestellt und vertrieben. Module für die Wandmontage werde im Format 1120 x 560 mm in 360 und 270 mm Tiefe angeboten. Die Standmodule von 1120 x 725 mm sind 360 mm tief. Regalmodule und Türen bestehen aus geölter Eiche, optional weiß pigmentiert. Die Schubläden sind aus Esche gefertigt. Die Griffe bestehen aus Messing, die Rahmen für die frei stehenden Regale aus schwarz lackiertem Stahl. Türen sind an der Unterseite mit Kugelschnäppern versehen. Thomas Kastholm, Sohn des im Jahr 2007 verstorbenen Designers Jørgen Kastholm, erinnert sich an das diskrete Klicken, ein vertrautes Geräusch seiner Kindheit: »Das Regalsystem stand in meinem Elternhaus und das Öffnen und Schließen der Türen klang für mich wie bei einem Luxusauto!«

Kongeniale Weggefährten

Preben Fabricius wird 1931 geboren. Er geht in die Tischlerausbildung zu Niels Vodder, einem der wohl bedeutendsten Möbeltischler seiner Zeit. Hier arbeitet er im Anschluss einige Jahre, bevor er sein Studium an der Innenarchitekturschule Kopenhagen – heute Königlich Dänische Kunstakademie – weiterführt, das er vor der Ausbildung begonnen hatte. Er studiert bei Finn Juhl und lernt in dieser Zeit Jørgen Kastholm kennen. Beide treffen sich später im Designstudio von Ole Hagen wieder und gründen 1961 ihr eigenes Studio. Dort entstehen vornehmlich Möbel aus Holz, später auch aus Stahl und Leder.

Jørgen Kastholm wir ebenfalls 1931 geboren. Er kommt nach dem Abschluss der High School in den USA mit 19 Jahren nach Dänemark zurück und erhält im Betrieb des Vaters eine Ausbildung als Schmied. Ab 1955 studiert er an der Innenarchitekturschule in Kopenhagen und lernt dort Preben Fabricius kennen. Anschließend geht er an die Grafische Hochschule, das ist heute die Dänische Hochschule für Medien und Journalismus. Er arbeitet für Arne Jacobsen, der eine wichtige Inspirationsquelle für seine Entwürfe wird. 1959 zieht es Jørgen Kastholm nach Beirut, wo er Lounges für die Fluggesellschaft SAS und Paläste für den saudischen König mitgestaltet. Anschließend tritt er eine Stelle im Designstudio von Ole Hagen an, wo ihm Preben Fabricius erneut begegnet. Im Jahr 1961 gründen sie ihr gemeinsames Studio, das acht Jahre Bestand hat. Ab 1969 trennen sich die Wege: Preben Fabricius entwirft Möbel für den deutschen Möbelproduzenten Walter Knoll und andere. Im Jahr 1978 wird er Dozent an der Innenarchitekturschule Kopenhagen und lehrt dort bis zu seinem Tod 1984. Jørgen Kastholm eröffnet nach der Trennung ein Designstudio unter eigenem Namen und entwirft weiterhin Möbel für große Hersteller. Daneben ist er auch als Autor und Redakteur tätig. Im Jahr 1971 gründet er in Düsseldorf ein neues Studio und ist von 1975 bis 1996 außerdem Professor für Möbeldesign und Produktentwicklung der Bergischen Universität Wuppertal. Er stirbt im Jahr 2007.

Preben Fabricius und Jørgen Kastholm wurden von Größen des dänischen und des internationalen Designs inspiriert: Hans J. Wegner, Arne Jacobsen, Charles und Ray Eames sowie Ludwig Mies van der Rohe waren ihre Zeitgenossen. Ihre Arbeiten sind ausgezeichnet worden: Im Jahr 1969 mit dem ersten Designpreis der Bundesrepublik Deutschland »Gute Form« und noch im selben Jahr mit dem dänischen Illum-Preis. Ihre Werke sind im Museum of Modern Art in New York und im Louvre in Paris ausgestellt. Fabricius und Kastholm sind weniger populär, jedoch nicht minder bedeutend als ihre Weggefährten.

Bewahren und erneuern

Im Jahr 1908 gründete der Tischler Carl Hansen eine kleine Möbelwerkstatt auf der dänischen Insel Fünen. Maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung seines Unternehmens hatte ab 1949 die Zusammenarbeit mit Hans J. Wegner, der in den 1950er-Jahren zu einer treibenden Kraft der Designbewegung der Dänischen Moderne wurde. Er hat für Carl Hansen zum Beispiel den legendären Wishbone Chair entworfen. Noch heute arbeitet die Firma Carl Hansen & Son eng mit dem Designstudio Hans J. Wegner zusammen. Sie ist weltweit der größte Hersteller von dessen Möbeln.

Im Jahr 2002 hat Knud Erik Hansen in der dritten Generation die Leitung des Familienunternehmens übernommen und seine internationale Präsenz stark ausgebaut. Mit traditionellen Verfahren und neuen Technologien werden Möbel gebaut, die qualitativ und stilistisch Generationen überdauern. Knud Erik Hansen verfolgt die Philosophie, dänische Klassiker zu bewahren und die Kollektion mit Entwürfen von Designern zu erweitern, welche heute die Grundsätze Dänischer Moderne vertreten: Das sind vor allem Einfachheit, Hochwertigkeit, Funktionalität und hohe Handwerkskunst. So produziert Carl Hansen & Son weiterhin Möbel der großen dänischen Designer des letzten Jahrhunderts wie Hans J. Wegner, Kaare Klint, Arne Jacobsen, Børge Mogensen und weiteren. Dazu kommen Visionäre wie Strand und Hvass, Anker Bak, Thomas Bo Kastholm und Morten Gøttler sowie die Künstlerin Naja Utzon Popov. Durch Kooperationen mit dem japanischen Architekten Tadao Ando und dem österreichischen Designer-Trio Eoos sowie dem amerikanischen Designer Brad Ascalon wurde die Kollektion um wichtige Werke erweitert, die in ihrer Kategorie neue Maßstäbe setzen. –JN

Text unter Verwendung von Biografien und Auszügen aus der Unternehmensgeschichte von Carl Hansen & Søn


Jørgen Kastholm (li) und Preben Fabricius arbeiteten von 1961 bis 1969 zusammen
Fotos: Carl Hansen & Son
Jørgen Kastholm (li) und Preben Fabricius arbeiteten von 1961 bis 1969 zusammen
Fotos: Carl Hansen & Son

Bedeutende Vertreter der Dänischen Moderne

Preben Fabricius (1931–1984) ging bei Niels Vodder in die Lehre, der einer der bedeutendsten Möbeltischler seiner Zeit war. Er arbeitete dort einige Jahre und studierte in Kopenhagen bei Finn Juhl an der Innenarchitekturschule. Hier traf er auf Jørgen Kastholm, dem er auch später im Studio von Ole Hagen wiederbegegnete. Jørgen Kastholm (1931–2007) erhielt im Betrieb seines Vaters eine Ausbildung zum Schmied und studierte ebenfalls an der Innenarchitekturschule Kopenhagen sowie anschließend an der Grafischen Hochschule. Er arbeitete unter anderem für Arne Jacobsen, der ihm ein Vorbild für seine Arbeiten wird. Wie Preben Fabricius wurde er Mitarbeiter von Ole Hagen. 1961 gründen sie zusammen ein Designstudio. Das Bookcase System von 1963 ist einer der ersten gemeinsamen Entwürfe.


Steckbrief

Carl Hansen & Son fertigt auf der Dänischen Insel Fünen in höchster handwerklicher Qualität Klassiker der Dänischen Moderne. Der 1949 von Hans J. Wegner entworfene Wishbone Chair ist der populärste Vertreter. Das Bookcase System ist ab Februar 2021 erhältlich.

www.carlhansen.com

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