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Für perfekte Oberflächen

Technik
Für perfekte Oberflächen

Noch immer gibt es viele Vorbehalte gegen Wasserlacke. Wer einige wichtige Grundregeln beachtet, kann dabei gar nicht so viel falsch machen, meint Remmers-Anwendungstechniker Elmar Kaiser. Tipps und Hinweise aus der Praxis.

Elmar Kaiser Remmers Anwendungstechnik

Die Fensterbaubranche hat die Umstellung auf Wasserlacke schon vor geraumer Zeit erfolgreich absolviert. »Den Umschwung werden wir jetzt auch bei den Innenlacken erleben«, prophezeien Experten. Sie sind deshalb zuversichtlich, weil fast alle bekannten Schwachpunkte früherer Aqua-Lacke mittlerweile beseitigt sind. Die erzielten Lackfilme zeichnen sich durch sehr gute Beständigkeit gegen Haushaltschemikalien und mechanische Beanspruchungen aus, die den herkömmlichen Lösemittelprodukten in nichts nachstehen. Für höhere Beanspruchungsklassen können die fortschrittlichen Wasserlacktypen durch die Zugabe eines speziellen Härters im Bedarfsfall weiter aufgewertet werden.
Tipps für die Verarbeitung
Vorbehandlung/Schleifen. Wasserlacke rauen das Holz stärker auf als Lösemittellacke. Durch Wässern und Schleifen vor der Lackierung lässt sich das reduzieren.
Tipps: Holzschliff mit Körnung P 150 bis P 180, um die Holzfasern zu kappen. Druckstellen und gequetschte Fasernrichten sich nach der Lackierung auf. Lackschliff mit speziell für Wasserlacke geeigneten Schleifmitteln, Körnung P 240 bis 320. Vor dem Zwischenschliff die Oberfläche ausreichend trocknen lassen. Schleifstaub sorgfältig entfernen mit Staubbindetuch, weil zurückbleibender Schleifstaub nicht angelöst wird und zu Störungen führt.
Lackauftrag. Wasserbasierte Lacke haben ein anderes Fließverhalten als lösemittelbasierte Lacke. Deswegen ist eine Umstellung der gewohnten Arbeitsweise und der Geräte erforderlich hinsichtlich der Düsengröße, dem Spritzdruck, der Auftragsmenge usw.
Tipps: Auslaufzeit ggf. mittels Wasserzugabe einstellen und regelmäßig überprüfen. Die erste Lackschicht im Kreuzgang dünn (ca. 80 ml/m2 bei Klarlacken) auftragen, um die Holzaufrauung zu minimieren. Nach Trocknung von mindenstens zwei Stunden kann der Zwischenschliff mit P 220 bis P 280 erfolgen. Anschließend erfolgt der zweite Arbeitsgang mit ca. 110 ml/m2 im Kreuzgang gespritzt. Bei Bedarf den Vorgang nach ausreichender Trocknung wiederholen. Nach Trocknung über Nacht können die fertig beschichteten Elemente verpackt werden. Folgende Lackiergeräte werden empfohlen:
  • Becherpistole: Düsengröße 1,8 mm für Klarlacke und Colorlacke; 2,2 – 2,5 mm für Füller
  • Airless/Airmix: Materialdruck 80–100 bar, Steuerluft 1 – 2 bar, Düsengröße 0,28 – 0,33 mm
Die Lackierung soll bei Temperaturen zwischen 18°C und 22°C durchgeführt werden. Auch die Werkstücke, Spritzgeräte und die Lacke sollen auf diese Temperatur vorgewärmt sein (absolute Untergrenze 15°C). Bei Unterschreitung dieser Temperaturen verschlechtern sich die Lackeigenschaften. Es kommt zu Verlaufsstörungen, einer »blassen« Optik und zu einer mangelhaften mechanischen und chemischen Beständigkeit; selbst Wasser kann dann später durch die Lackschicht wandern.
Härten. Für höhere Beanspruchungsklassen sind fast alle Lacktypen durch die Zugabe von Härter aufwertbar.
Tipps: Keinen Rührstab verwenden, das kann ein Ausgelieren von Härteteilchen verursachen. Ideal ist die Verwendung des Patentdispersers für schaumfreies und sicheres Einarbeiten der Härterkomponente. Die Verarbeitungszeit von gehärteten Aqua- Lacksystemen beträgt ca. vier Stunden. Sie zeichnen sich durch sehr gute Beständigkeit aus, die den herkömmlichen Lösemittelprodukten in nichts nachstehen!
Trocknung. Wasserlacke haben auch ein anderes Trocknungsverhalten als vergleichbare lösemittelhaltige Lacke. Die Trockenzeiten sind abhängig von der aufgebrachten Schichtstärke sowie den Klimabedingungen in der Werkstatt. Die Trocknung wird beschleunigt durch …
  • niedrige Luftfeuchtigkeit
  • hohe Temperatur (max. 35°C)
  • geringe Auftragsmenge
  • hohe Luftwechselrate
Die Trocknung sollte bei mindestens 18°C durchgeführt werden, eine forcierte Trocknung ist nach Rücksprache mit einem Anwendungstechniker möglich. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte bei der Verarbeitung und Trocknung zwischen 50 und 65% liegen und kann leicht mit einem Hygrometer kontrolliert werden. Bei ansteigenden Werten für ausreichenden Luftaustausch sorgen!
Sorgfalt, Sauberkeit, Sicherheit. Gebinde direkt nach dem Gebrauch sorgfältig verschließen, um Hautbildung zu verhindern. Angetrocknete Lackreste sofort entfernen und nicht wieder einrühren. Anbruchmengen vor der Verarbeitung sieben, weil sich Haut- und Gelteilchen nicht mehr im flüssigen Lack auflösen und sonst Partikel auf der lackierten Fläche hinterlassen. Beim Öffnen und Schließen des Gebindes Staub, Sägemehl etc. fernhalten. Wasserlacke sind frostempfindlich, deshalb im Originalgebinde frostfrei lagern. Lack nicht im Originalgebinde verdünnen.
Trocken-, Filter-, Abscheide- und Absaugvorrichtungen und alle anderen Arbeits- und Lackiergeräte dürfen nur aus nicht rostenden Werkstoffen wie Edelstahl und Kunststoffen bestehen. Alle Geräte immer sorgfältig mit klarem Wasser reinigen, weil getrocknete Lackreste die Verarbeitung stören und den flüssigen Lack verunreinigen. Bei längeren Arbeitspausen die Düsen in Wasser oder in Lösemittel lagern. Angetrocknete Lackreste lassen sich mit Reiniger für Hydro-Lacke entfernen.
Bei der Verarbeitung im Spritzverfahren ist auch bei Wasserlacken eine persönliche Schutzausrüstung erforderlich mit Atemschutz-Partikelfilter (z. B. Fa. Dräger), geeigneten Schutzhandschuhen (siehe Sicherheitsdatenblatt) und geschlossener Arbeitskleidung. Die Entsorgung des gesammelten Spülwassers (10 % Lack im Wasser) kann durch Zugabe eines geeigneten Koaguliermittels (z. B. EFA-Chemie) als Abwasser in die Kanalisation erfolgen. Getrocknete Wasserlackreste können als Gewerberestmüll entsorgt werden. In beiden Fällen ist jedoch eine Rücksprache mit den zuständigen Behörden notwendig.
Besondere Aspekte
Anfeuerung. Wasserlacke feuern das Holz weniger an als lösemittelhaltige Lacke. Das ist jedoch kein Grund, nicht von lösemittelbasierten auf wasserbasierte Lacke umzusteigen. Produkte wie z. B. der »Aqua ANG-404«-Anfeuerungsgrund von Remmers dringen auf Grund feinteiligster Dispersionen tief ins Holz ein und intensivieren die Anfeuerung. Gerade auf dunkleren Hölzern und Exoten, aber sogar auf gedämpfter Buche, wo eine schöne Betonung der Holzmaserung und ein warmes Erscheinungsbild der Oberfläche gewünscht wird, spielt das Produkt seine Stärken aus. Darüber hinaus wird die Wasserfestigkeit des kompletten Lackaufbaus verbessert. Durch die exzellente Porenbenetzung wird ein Unterwandern des Lackfilmes durch Feuchtigkeit vermieden. Bei Exotenhölzern verbessert der Anfeuerungsgrund zudem die Lackhaftung.
Inhaltsstoffreiche Hölzer. Wasserlacke können die Holzinhaltsstoffe einiger Holzarten aktivieren und in den Lackfilm einbinden. Die Gefahr ist besonders groß bei zweitklassigen Partien. Das hat zur Folge, dass sich Farblackflächen verfärben können. Dieses grundsätzliche Problem lässt sich durch eine zweimalige Beschichtung mit Pigmentfüller (z. B. »Remmers Aqua PF-430«) – idealerweise mit Trocknung über Nacht – lösen.
Wasserlack als Renovierungsanstrich auf Lösemittellack. In Einzelfällen ist das Überlackieren von durchgetrockneten Lösemittel-Flächen mit Wasserlacken möglich. Im Zweifelsfall wird die Rückfrage bei dem zuständigen Fachberater empfohlen. Das Überlackieren von Wasserlacken mit Lösemittellacken ist grundsätzlich nicht möglich, denn Wasserlacke sollten generell nur im System verarbeitet werden.
Beschichtung von Holzwerkstoffen. Wasserlacke können die Decklagen von Holzwerkstoffplatten anquellen. Durch Verwendung von Grundierfolie werden hier optimale Ergebnisse erreicht.

Service Infos zu Aqua-Lacken von Remmers
Autor Elmar Kaiser und die Remmers-Anwendungstechnik stehen für Fragen rund um Wasserlacke und das umfangreiche Produktprogramm des Unternehmens gerne zur Verfügung
Remmers Baustofftechnik 49624 Löningen Tel.: (05432) 83-0, Fax: -708

Kompakt Decopaint und Wasserlack
Mit Hilfe der sog. »Decopaint-Richtlinie« sollen im Sinne des Umweltschutzes die Emissionen von flüchtigen organischen Lösemitteln (»VOCs«) beschränkt werden. Betroffen sind alle Beschichtungsstoffe mit dekorativem oder schützendem Zweck, die auf Gebäuden, Gebäudeteilen oder Einbauten (z.B. Türen, Fenster, Trepen, Fußböden) zum Einsatz kommen. Die strengen Grenzwerte machen den Einsatz lösemittelarmer Systeme wie z. B. Wasserlacke erforderlich.
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