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Am Anfang war der Gips

Ausbau
Am Anfang war der Gips

Georg Bechter, Architekt und Tischler aus dem Bregenzerwald, hat aus der Not eine Tugend gemacht. Nachdem etablierte Hersteller sich nur die Rechte für seine prämierten Lichtentwürfe sichern wollten, fertigt er eben selbst. Neben Lichtmodulen aus Gips nun auch kompakte LED-Systeme

Experimentelles und unkonventionelles Entwerfen – ob bei Häusern mit einer Statik aus Strohballen, beim Wandeln der Nutzung von traditionellen Bauernhäusern oder bei der Möbel- und Produktentwicklung – dies ist die Welt von Georg Bechter aus dem Bregenzerwald. Siehe auch den Beitrag in der dds-Märzausgabe über das Vorderwälderlanghaus in Hittisau (dds-online.de). Eine eigene Lichtproduktionsfirma wollte er eigentlich nie aufbauen. Da sich aber niemand unter den relevanten Leuchtenfirmen oder Gipsverarbeitern fand, um zu anständigen Bedingungen seine Leuchten zu produzieren, macht er es einfach selbst. Heute findet man die Leuchten des »Start-up« nicht nur in Österreich, Deutschland und der Schweiz sondern auch in Objekten in Norwegen, Singapur, Indien oder dem Oman.

Nach Architekturstudium und Lehrtätigkeit an der Akademie der Künste in Stuttgart zog der gelernte Tischler sein eigenes Büro hoch. Licht ist für ihn elementarer Teil der Architektur – viele machen schöne Leuchten, aber »gutes Licht« findet man kaum. So entwickelte er »Verve« – Leuchte und Wand werden zu einer Einheit, aus deren Mitte Licht strahlt. Flächenbündig eingebaut scheint das Licht aus der Wand und lässt die Tiefe der Leuchte nicht erkennen.
Erfolgreicher Beginn im Ladenbau
Nach erstem Einsatz der Prototypen in einem Schmuckladen folgten kleine Auftritte auf den Möbelmessen in Köln und Mailand und daraufhin auch mit Erfolg auf der Light & Building in Frankfurt, der weltweit führenden Messe für Lichttechnik. Inzwischen sind die Gipsmodulleuchten zu einer umfangreichen Leuchtenfamilie angewachsen, ergänzt um Lösungen für die Kabeldurchführung, genannt »Baldachin«. In verschiedenen technischen und gestalterischen Ausführungen bietet die Serie integrierte Deckenanschlusslösungen für jede Leuchte.
Auszeichnungen, wie der »österreichische Staatspreis Design 2015«, der »Iconic Award« oder der »reddot award 2015« motivieren Georg Bechter und sein Team zur permanenten Weiterentwicklung. Um die Nachfragen abzudecken wurde die Produktion ausgeweitet – in den charmanten Räumen einer Schreinerei erfolgt nun die Gipsmodulfertigung. Die flüssige faserverstärkte Gipsrezeptur wird in Silikonformen gegossen, durchläuft ein Rüttelband damit Luftblasen entweichen, bevor der Trocknungsvorgang beginnt – ein nahezu keramikfester Werkstoff ist das Ergebnis.
Über die Lichtbrillanz zu DOT 28
Anfangs lag der Fokus auf der Entwicklung der Leuchten als Raumgestaltungselemente. Darin eingebaut wurde am Markt verfügbare Standard-LED-Technik. Mit dem Produkt »DOT 28« begann dann der Einstieg in die gehobene Lichttechnik. Lösungen für folgende Fragen wurden gesucht: »Wie bekommen wir es hin, dass das Licht dort ist, wo es ankommen soll?«, »Wie kommt eingesetztes Material lebendig zur Wirkung, sei es Holz oder Seidenbespannungen in einem Laden oder in einer Wohnung?«, »Wie gelingt eine perfekte Farbwiedergabe?«
Viele LEDs streuen das Licht in alle Richtungen – die Konzentration fehlt, der Schattenwurf ist dahin. Vom Sonnenlicht kennt man das parallele Licht. Daran angelehnt entstand ein extrem kompakter Reflektor mit ausgesuchten LEDs mit bester Farbwiedergabe (bis zu RA 97). Das Ganze in einem Lichtpunkt mit den Außenmaßen von 28 mm gebündelt, der sich ohne Rahmen in sämtliche Materialien integriert. Er wirkt wie ein Knopf in einem edlen Polstermöbel – zerreißt den Deckenspiegel nicht mehr wie klassische Spots. DOT 28 ist zu einem umfangreichen Lichtsystem angewachsen. Über einen Bajonett-Verbinder lassen sich die Lichtpunkte in die unterschiedlichsten Leuchten eindrehen – schwenkbar, drehbar, flächenbündig. Ob in Gips, Beton oder Holz. Für alle Anwendungen stehen durchdachte Einbauelemente zur Verfügung, wie Lichtkapseln für den Beton- oder Holzeinbau. Der gestaltungssichere Tischler und Schreiner – die Systeme sind planerisch zu integrieren – kann sich mit den Bechter-Systemen positiv vom üblichen Standard abheben.

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dds-Redakteur Hubert Neumann, Gestalter der Fachrichtung Holztechnik und Schreinermeister, traf Georg Bechter im Bregenzerwald und ist beeindruckt von dessen Experimentierfreude und der konstruktiven Qualität seiner Produkte.

Georg Bechter

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Der Architekt und Tischler erhielt viele Auszeichnungen für seine Architektur – und für sein Möbel- und Produktdesign. Mehr Infos über sein Unternehmen findet man unter www.georgbechterlicht.at
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