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Raphaël Prati im Interview

Raphaël Prati im Interview
Die digitale Transformation läuft

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Blick auf den Showroom am Biesse Campus Pesaro Fotos: Biesse Spa
Wie schlägt sich Biesse in der Pandemie? Woran arbeitet der Maschinenbauer aktuell? Wir haben mit Group Chief Marketing & Communications Officer Raphaël Prati gesprochen.

Hallo Herr Prati: Corona ist noch nicht überwunden. Wie ist die Situation in der Biesse Group?

Zu unserem Bündel an Hygiene- und Schutzmaßnahmen gehören unter anderem die monatliche oder in einigen Fällen sogar noch häufigere Überprüfung aller Mitarbeiter. Angesichts der neuen Situation und den Beschränkungen verlief unser letztes Geschäftsjahr viel positiver als im ersten Quartal 2020 erwartet. So verbesserte beispielsweise Biesse Deutschland seine Ergebnisse deutlich, insbesondere in den letzten sechs Monaten.

Können Sie den Konzern Biesse kurz vorstellen?

Wir sind ein multinationaler Technologieführer für die Verarbeitung von Holz, Glas, Stein, Kunststoff und Metall. Der Konzern entwirft, produziert und vertreibt Maschinen, integrierte Systeme und Software für das Herstellen von Möbeln, Bauelementen und Komponenten für die Bau-, Schiffbau- und Luftfahrtindustrie. 4 Prozent des Jahresumsatzes fließen in in Forschung und Entwicklung. Über 200 Patente sind angemeldet. Es gibt zwölf Industriestandorte, 39 Niederlassungen sowie 300 Vertreter und Händler. Die Exportquote liegt bei 85 Prozent. Das 1969 von Giancarlo Selci in Pesaro gegründete Unternehmen ist seit Juni 2001 im Star-Segment der italienischen Börse gelistet. Derzeit beschäftigt es weltweit 4000 Mitarbeiter.

Konnten Sie letztes Jahr durchgehend produzieren oder mussten Sie vorübergehend Werke schließen oder die Produktion reduzieren?

Die Kooperation mit unseren 39 Tochterunternehmen hat wirklich gut funktioniert. Unser großes Auftragspolster ermutigte uns, trotz der Pandemie weiterzuarbeiten. Obwohl wir nach Regierungsbeschluss im April 2020 die Produktion drei Wochen lang drosseln mussten, lieferten wir das ganze Jahr hindurch unsere Maschinen aus. Auch der After-Sales-Support für Ersatzteile und die virtuelle Unterstützung über die inzwischen erweiterte IOT-Plattform »Sophia« liefen weiter.

Wie hat sich die Nachfrage insgesamt entwickelt?

Der Auftragseingang für Maschinen ging in 2020 gegenüber 2019 um 11,9 Prozent zurück. Ende 2020 belief sich der Auftragsbestand auf 204,1 Mio. Euro (+3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum 2019 und + 5,6 Prozent gegenüber September 2020). Allein im vierten Quartal des vergangenen Jahres war der Auftragseingang um 23,2 Prozent höher als im gleichen Zeitraum des Jahres 2019, was den positiven Trend in alle Unternehmensbereichen widerspiegelt.

Wie läuft es in Deutschland?

Während das Geschäft mit Standard- und Einzelmaschinen fast wie bisher lief, haben Industrieunternehmen ihre Investitionen tendenziell in die zweite Jahreshälfte verschoben. In unsicheren Zeiten entscheiden sich Kunden für sehr flexible und vielseitige Maschinen. So sehen wir für das Geschäftsjahr 2021 einen noch weiter steigenden Absatztrend, insbesondere für unsere CNC-Maschinen der Rover-Serie.

Welche für Biesse besonders wichtigen Messen wurden abgesagt?

Xylexpo, Awisa, IWF, JEC World, Marmomac, Glasstec.

Welche Messen stehen in naher Zukunft auf dem Programm?

Wir werden an der Ligna in Hannover, der Marmomac in Verona, der Vitrum in Mailand und der EMO in Mailand teilnehmen.

Erwarten Sie, dass sie stattfinden?

Das hoffe ich doch sehr, diese großen Messen sind für uns unverzichtbar! Die jetzt überall angesagten Onlineevents sind wunderbar, aber nur als ergänzende Maßnahme. Wir brauchen weiterhin einen Ort, an dem Menschen einander in die Augen schauen, entlang derselben Gänge gehen und dieselbe magische Atmosphäre erleben können.

Was wird Ihre Messebotschaft auf der Ligna sein?

Die Ligna ist das unverzichtbare internationale Ereignis dieses Jahres und gilt als wichtigster Treffpunkt zu den Themen Robotisierung und Technologien. Auch wir wollen dort unsere Innovationsfreude, neue Technologien, Dienstleistungen und Software zeigen. Wir wollen dort auf unserem Messestand die vollständige digitale Transformation unter Beweis stellen.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf Ihre Arbeitsweisen und den Service aus?

Die Begrenzung des Reiseverkehrs, die Kommunikationstools, mit denen sich auf Distanz effektiv zusammenarbeiten lässt, und die Digitalisierung der angebotenen Dienste bieten uns die willkommene Gelegenheit, unser Serviceniveau in Bezug auf Effizienz und Nachhaltigkeit deutlich zu verbessern. Unsere IOT-Plattform Sophia für den Fernservice und das Bestellen von Ersatzteilen hilft unseren Kunden, die eigene Produktivität zu verbessern.

Konnten Sie das Jahr nutzen, um neue Verfahren, Maschinen und Zellen zu entwickeln?

Ja, unsere Innovationsfähigkeit hat nie aufgehört, wir investieren weiterhin in Forschung und Entwicklung. Nach einem Jahr Corona haben wir auch einiges Neues im Programm, etwa eine neue Nestingmaschine, die »Rover B FT HD« oder den neuen virtuellen und intuitiven Assistenten »MyVA«. Letzterer unterstützt und entlastet den Bediener der Maschine. Er vereinfacht die Verwaltungsaufgaben und optimiert die Prozesse ganz automatisch. Weiterhin haben unsere Expertenteams kundenspezifische Lösungen für kleine und große Betriebe entwickelt. Außerdem arbeiten wir ständig daran, unsere Software intuitiver und für jedermann leichter zugänglich und verständlich zu machen.

Welche Entwicklungen sind für Tischler in Deutschland besonders interessant?

In der Vergangenheit achteten vor allem die Betriebe der Möbelindustrie auf kurze Produktionszeit. Jetzt fragen auch die kleinen und mittleren Betriebe nach Möglichkeiten, die Prozesse zu beschleunigen. Da empfehlen wir sich automatisch positionierende Konsolentische und 5-Achs-Spindeln. Damit lassen sich Rüst- und Wechselzeiten einsparen.

Glauben Sie, dass Handwerk und Industrie grundsätzlich weiterhin getrennte Wege gehen oder eine Annäherung stattfindet?

Ich glaube, es wird eine Annäherung geben. Unsere Lösungen passen sich den Anforderungen in Industrie und Handwerk an. Zurzeit bieten wir noch zwei getrennte Automatisierungskonzepte an: »Automaction« für Industriebetriebe mit hoher Kapitalrendite und »Smartaction« für mittelgroße und Handwerksbetriebe, die ihren Digitalisierungsprozess aktivieren oder verbessern wollen.

Das Interview mit Raphaël Prati führte dds-Redakteur Georg Molinski


Raphaël Prati

»Wir wollen die vollständige
digitale Transformation unter
Beweis stellen.«

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