Startseite » Gestaltung » Möbel »

Schwarz umfasst

Möbel
Schwarz umfasst

Schwarz-rot ist das politische Thema der Stunde. Sebastian Ment hat sein Meisterstück als Notizmöbel konzipiert, bei dem die Funktion (schwarze Schreibfläche) den Inhalt (roter Stauraum) umklammert.

Sebastian Ment hat als Meisterschüler in Ebern ein Notizmöbel konzipiert, das Schreiben im Sitzen und Stehen ermöglichen und als Stauraum für Schreibgeräte, Notizzettel und Schnellhefter dienen soll.

Als Solitär stehend im Raum zieht das Möbel durch sein skulpturales Erscheinungsbild die Aufmerksamkeit auf sich. Besonders reizvoll ist die Materialführung der auskragenden Schreibplatte als offenes Endstück eines Bandes aus dunkel geräucherter und geölter Eiche, das den mit rotem Desktop Linoleum belegten quaderförmigen Korpus flankiert und ihn im oberen Teil wie eine gefaltete Schleife durchdringend umschließt. Die Anmutung der Durchdringung wird noch verstärkt durch eine Verjüngung der oberen Schreibfläche zur linken Seite hin. Die abschließende flankierende Seite weist dadurch eine geringere Tiefe auf als der Korpus selbst. Das Möbel präsentiert sich somit wie eine Skulptur, die sich zum Benutzer hin öffnet und deren Verhüllung ein wenig von dem preisgibt, was sich dahinter verbirgt.
Das Notizmöbel bietet eine Schreibfläche im Sitzen und Stehen, deren Dimensionen ergonomisch begründet sind (Stehschreibhöhe 1200 mm, Sitzschreibhöhe 800 mm). Dieser Höhenunterschied ist maßgeblich für die Breite und Tiefe von zwei Korpussen. Sie sind oberhalb und unterhalb der Sitzschreibebene angeordnet und wirken optisch wie ein langer Quader. Sie enthalten jeweils drei handgezinkte Schubkästen als Vollauszüge, davon die oberen als feine Kulissenauszüge in Holz. Konstruktionsbedingt differieren die Schubkästen des oberen Teils in der Breite und Tiefe mit denen im unteren Teil. Zudem sind die Innenmaße nicht an DIN–Größen orientiert, sondern um wenige cm kleiner. Das schränkt die Nutzung als Ablage z. B. von DIN A4-Schnellheftern ein. Wohlproportioniert harmonisch ist die Teilung der Front des Quaders in sechs Schubkastendoppel, deren Höhe von oben nach unten zunimmt. Sie schlagen im Oberteil einseitig, im Unterteil beidseitig scharfkantig auf Gehrung an. Die schlichten, zwischen den 2./3. und 5./6. mittig geteilten Griffleisten unterstützen die strenge grafische Anmutung. Stefan Ment hat mit seinem Entwurf ein Meisterstück mit zeichenhafter Wirkung und eigenständiger Note geschaffen, das vor allem formale Gestaltungsgesichtspunkte sehr gelungen herausstellt.
Das Möbel besticht durch eine Reduktion auf seine wesentlichen funktionalen Elemente, eine spannungsreiche Verbindung elementarer klarer Formen sowie eine durchdachte kontrastierende Material- und Farbwahl. Ein unverwechselbares Möbel, das Zeichen setzt. Die Ausführung des Möbels zeigt hohes handwerkliches Können.
Eckhard Heyelmann, Garmisch-Partenkirchen, Innenarchitekt und Dipl.-Designer, Schulleiter a. D.
Anzeige
Aktuelles Heft
Titelbild dds - das magazin für möbel und ausbau 1
Aktuelle Ausgabe
01/2021
EINZELHEFT
ABO
Anzeige
MeistgelesenNeueste Artikel
dds-Zulieferforum
Grafik des Monats

Zahl der Betriebe im Tischlerhandwerk

dds auf Facebook


dds auf YouTube

Im dds-Channel auf YouTube finden Sie:
– Videos zu Beiträgen aus dds
– Kollegen stellen sich vor
– Praxistipps-Videos
– Maschinen & Werkzeuge

Abonnieren Sie dds auf YouTube »