Büroausbau der Stadtwerke Karlsruhe

Landschaftspflege

Die Stadtwerke Karlsruhe haben ihre Verwaltungs-zentrale, einen Bau aus den 70er-Jahren, grundlegend saniert – energetisch, funktionell und ästhetisch. Das Stuttgarter Architekturbüro Scope hat mit großer Detailsorgfalt eine Bürolandschaft geschaffen, die die moderne Unternehmenskultur des Auftraggebers spiegelt.

Bürolandschaft – das hieß in den 70er-Jahren: ein großer Raum mit Stellwänden, die von den Mitarbeitern um ihre Schreibtische gruppiert wurden. Eine strukturlose Wüste mit dem Charme eines Flughafenterminals. Moderne Konzepte dagegen geben Räumen Struktur und ermöglichen Orientierung, wobei das Wichtigste ist, die Strukturen flexibel zu halten. Wechselnde Teams sollen die Räume variabel nutzen. Chaos, andererseits, ist zu vermeiden: Offenheit ist nicht gleichzusetzen mit Beliebigkeit.

Als die Stadtwerke Karlsruhe 2013 den Beschluss fassten, ihre Zentrale nahe dem Rheinhafen zu erneuern, war klar, dass die Umgestaltung gründlich sein würde: die Bauten mussten energetisch saniert werden, Technik und Einrichtung waren nicht mehr zeitgemäß. Gleichzeitig sollte Kontinuität gezeigt werden im Sinne eines zukunftsorientierten Traditionsbewusstseins. Der polygonale Grundriss und die Fassade aus Glas und Aluminium blieben weitgehend unverändert. Der Auftrag für den Innenausbau ging an Scope, ein Stuttgarter Büro, das auf »Corporate Architecture« spezialisiert ist. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation analysierte die Arbeitsweise der Stadtwerke.

Detailstärke ergibt enorme Qualität

Auf Grundlage dessen entwickelte Scope die Planung und im Laufe von vier Jahren entstand aus einem entkernten Bauskelett eine Wohlfühlumgebung für 550 Mitarbeiter mit auffälligem Detailreichtum: Sorgfältig und investitionsbereit hat der Auftraggeber ein ehrgeiziges Projekt über die Bühne gebracht. Vier Etagen und ein Basisgeschoss wurden ergänzt durch einen Dachaufbau in Stahlskelettbauweise. Das aufgesetzte Penthouse mit Panoramablick enthält einen Konferenzsaal mit Catering-Area und Satellitenküche.

Materialvielfalt statt Einheitsgrau

Insgesamt wurden 14 000 m² saniert. Die Flächen gliedern sich in einen ebenerdigen Bereich mit Publikumsverkehr, in reine Büroflächen darüber, und in einen Versorgungs- und Pausenbereich – das »Casino« – darunter. Mitarbeiter und Kunden betreten das Gebäude durch ein hell erleuchtetes Foyer, das durch weiße Terrazzoböden und Akustikdecken dominiert wird – sparsam akzentuiert durch helle Eiche, pastelliges Hellblau und hellgraue Textilbespannungen hinter offenen Beraterplätzen. Wie eine Kulisse umrahmt dieser Servicebereich ein runde Öffnung, durch die eine skulpturale Eichentreppe zur Freizeitetage nach unten führt. Gepolsterte Sitzbänke aus weißem Mineralwerkstoff erfüllen eine Brückenfunktion zwischen Empfang und Beratung. Die Form der Trennwände, die den Raum strukturieren, nimmt den oktogonalen Grundriss auf, ebenso wie die Paravents zwischen den Beraterplätzen: ihre dreieckigen Lichtausschnitte wiederholen sich in der Deckenbeleuchtung. Dreiecke, die sich zu Quadraten gruppieren – ein Leitmotiv im gesamten Gebäude. Treppen führen auch in die Stockwerke Eins bis Drei, wo die Mitarbeiter sich flexibel zusammensetzen können. Neben »Touch-Down-Plätzen« – das sind Einzelplätze für Laptop-Worker – gibt es gläserne Besprechungsräume, die wie Inseln im Raum verteilt sind. Auch hier: Wegeführung durch Materialakzente in den Corporate-Farben hellgrün und hellblau. Schall wird durch textile Böden und gelochte Decken geschluckt. Die Akustikdecken haben Beleuchtungs- und Lüftungsfunktion: eingebaute LED-Linienleuchten unterstützen die Wegeführung, und ein Konvektions-Kühlsystem sorgt für zugfreie Frischluft. Teeküchen und Sitzecken für informelle Besprechungen ergänzen die selbstbestimmungsfreundliche Einrichtung, die nichts mit der bedrohlichen Anonymität steriler Großraumhallen zu tun hat.

Auf dem Dach dann das Highlight: ein Konferenz- und Veranstaltungsraum in Stahlskelettbauweise mit Alucobond-Hülle setzt dem Gebäude eine Krone auf.

Das Dreieck als Basis

Die Formensprache aus Dreiecken und Quadraten wird fortgeschrieben in eine triangulierte Kubatur, die mit dem Rest des Gebäudes das Dreieck gemeinsam hat. Es kommt keine Fremdheit auf zwischen Neubau und Bestand. Auch im Innern des Aufbaus dominiert das Dreieck: der Konferenztisch besteht aus einem gefalteten Sockel mit einer gebeizten Eichenplatte. Selbst die Decke wird aus Dreiecken gebildet. Ringförmige, abgehängte Leuchten finden sich im gesamten Gebäude. Bemerkenswert an dem Projekt ist der Gestaltungsaufwand, der für eine gewerbliche Sanierung eher ungewöhnlich ist. Scope hat über 500 Pläne und rund 200 Details in absoluter Tiefe ausgearbeitet und im Maßstab 1:5 gezeichnet. Der Innenausbauer – Westermann aus Denkendorf – hatte astfreie Eiche mit einer zwei Prozent weiß pigmentierten Lackoberfläche zu liefern, als Korpus, Wandverkleidung, Brandschutztür, Treppe, Deckenelement – ohne Abweichungen im Farbton. Der Polsterer und der Schreiner hatten Sitzbänke in Corporate-Blau und -Grün zu bauen, die man so nicht kaufen konnte. Die gläsernen Kabinen erhielten Decken mit einer Sonderlösung zur Klimatisierung: die gelochten Kühldecken mussten thermisch von der Trockenbaudecke getrennt werden – in die Fugen wurden Linienleuchten eingebaut. Die ganze Haustechnik versteckt sich in den Decken: fast jede Schattenfuge ist ein Lüftungsschlitz.

Nur bei einem Detail hatten es die Planer leicht: die orangefarbenen Hängeleuchten im 70er-Jahre-Look stammen aus dem Bestand. Längst werden sie nicht mehr hergestellt, aber irgendjemand hat einst einen Vorrat gekauft, der ausreicht, um sie an zahlreichen Stellen wieder einzusetzen, als Reminiszenz an den Ursprung des Gebäudes.

Geprägt von Diagonalen: der Grundriss im 70er-Jahre-Stil bestimmt die Struktur der Einbauten – nur die Stützen, die Sanitärbereiche, die Treppen und die Aufzugschächte blieben vom ursprünglichen Bestand übrig

dds-Autor Jörg Zinßer hat in letzter Zeit schon mehrfach darüber gestaunt, welch enormen Aufwand Unternehmen heute betreiben, um Wohlfühlumgebungen für ihre Mitarbeiter zu schaffen.


Steckbrief

Auftraggeber:
Stadtwerke Karlsruhe

Innenarchitektur:
SCOPE Architekten, Stuttgart
www.scopeoffice.de

Innenausbau:
Westermann GmbH & Co. KG, Denkendorf
www.westermann.com

Systemtrennwände:
feco-feederle GmbH, Karlsruhe
www.feco-feederle.de