Entwürfe von Michael Hilgers für die Müller Möbelwerkstätten

Der Tischler im Designer

Michael Hilgers hat 2012 mit dem Sekretär Flatmate erfolgreich seinen ersten Entwurf für die Müller Möbel-werkstätten platziert. Zur Kölner Möbelmesse 2018 zeigte er das Bett BOQ und den Wandsekretär Twofold.
Beide punkten mit Witz und Handwerklichkeit.

Seinen Erstberuf hält er in Ehren, er inspiriert seine Entwürfe: Der Architekt Michael Hilgers führt in Berlin seit 2001 ein Büro für Möbel- und Interiordesign, berufliche Wurzeln liegen aber im Tischlerhandwerk. Wer das weiß, erkennt den Tischler auch in seinen Möbeln wieder: Pragmatischer Materialeinsatz und ein tiefer Sinn für Funktionalität ergänzen sich zu reifen und dabei oft humorvollen Lösungen in einer minimalistischen Ästhetik, die wie gemacht scheint für das Programm der Müller Möbelwerkstätten. Für diesen Hersteller sind seit dem sehr erfolgreichen Debüt des Sekretärs Flatmate im Jahr 2012 weitere Sekretäre entstanden, an die der Newcomer »Twofold« aus diesem Jahr in der Formensprache kompatibel, jedoch mit formal und funktional eigener Identität anschließt.

Mit »BOQ« hat Michael Hilgers auf Anregung von Jochen Müller nun auch ein erstes Bett für die Müller Möbelwerkstätten entwickelt. Handwerklichkeit und hohe Funktionalität haben auch an diesem Entwurf stilbildend Anteil – die Möbeltypen können variieren, die unverwechselbare Handschrift bleibt. –JN

Newcomer: Bett »BOQ«
Das erste Bett, das der Designer Michael Hilgers für die ‧Müller ‧Möbelwerkstätten entworfen hat, ist mit seinen klassischen Holzverbindungen auch eine Referenz an ‧seinen Erstberuf: Der gelernte Tischler löst mit einem nach außen verlegten Gestell aus zwei zerlegbaren Böcken die ‧flächige Gestalt des Möbels auf und lässt es auch in kleinen Räumen luftig erscheinen. Optional lässt sich am Knotenpunkt des Kopfteils ein Nachttisch montieren.

Newcomer: Wandsekretär »Twofold«
Mit einer Symbiose aus Wandsekretär und Bücherregal setzt Michael Hilgers seine Serie freistehender und wandgebundener Sekretäre für die Müller Möbelwerkstätten fort. Für das Arbeiten mit dem Laptop verdoppelt der umgeschlagene Deckel geschickt die Arbeitsfläche, der Beschlag ergibt sich aus der Konstruktion. Für die Kabelführung ist eine Bodenöffnung vorgesehen. Puristisch in Birkenschichtholz mit weißer CPL-Beschichtung ausgeführt, fügt sich Twofold dezent in jedes Ambiente ein.

Evergreen: Sekretär »Flatmate«
Er passt in jeden Raum, in den eigentlich nichts mehr passt: Der Sekretär Flatmate ist durch seine ultraflache Bauart ein Raumwunder, das sich geschlossen quasi unsichtbar macht und bei Bedarf einen übersichtlich organisierten Arbeitsplatz mit blendfreier Beleuchtung und Stromversorgung anbietet. Einhänger aus Stahlblech organisieren den Innenraum. Wie ein Konsolentisch stützt sich der Korpus auf den Beinen ab und wird an der Wand durch eine Keilleiste gehalten.


Sinn für konstruktive Details: Michael Hilgers über seine Möbelentwürfe

Wie kam es zu den neuen Produkten für die Müller Möbelwerkstätten?

Jochens Aufforderung »Mach doch mal ein Bett für uns!« war der Auslöser für den Entwurf von BOQ. Twofold habe ich dagegen zunächst für mich entworfen. Jochen Müller hat einen guten Riecher für potentiell erfolgreiche Produktideen: Er agiert wie ein Kurator, wählt instinktiv Produkte aus, die sich gut ins Portfolio einreihen. Und wenn eine Idee nicht passt, sagt er es auch unumwunden.

Sind die Entwürfe speziell für den kleinen Wohnraum gedacht?

Tatsächlich ist Twofold multifunktional für kleine Räume oder ungenutzte Wandflächen konzipiert: Ein kompaktes Wandregal, das sich mit einem Handgriff in einen kleinen temporären Arbeitsplatz verwandeln lässt. Bei einem Bett ist es durch vorgegebene Matratzenformate schwierig, Raum einzusparen. Ein Trick: Indem ich die recht zierliche tragende Konstruktion nach außen verlege, wirkt die Ansicht des Bettes weniger flächig.

Gibt es Gemeinsamkeiten?

Bei beiden neuen Entwürfen spielt das konstruktive Detail eine zentrale Rolle: Als gelernter Tischler inspirieren mich traditionelle Holzverbindungen, die ich zeitgemäß interpretiere und betone. Bei Twofold hat mich die Idee gereizt, ein komplett transformierbares Möbel zu entwickeln, das ohne Beschlag-Orgie auskommt. Es sollte quasi selbst zum Beschlag werden. Es ist generell meine Intention, Möbel auf ihre wesentlichen Bestandteile zu reduzieren, dem Entwurf jedoch bei aller Schlichtheit eine besondere, manchmal verblüffende Note zu verleihen.

Was macht den großen Erfolg eines Möbels wie Flatmate aus?

Wir haben mit diesem Produkt einen neuen Weg beschrieben, ohne das Rad neu zu erfinden: Der Sekretär ist gerade groß genug, um ihn sinnvoll nutzen zu können und er macht Räume sinnvoll nutzbar, in die kein anderes Produkt hineinpasst. Ein Problemlöser, gekleidet in ein minimalistisches Gewand, im Grunde ein schickes, zurückhaltendes Wohnwerkzeug. In dieser Tradition sehe ich auch die neuen Produkte: Einfache, ehrliche Möbel mit handwerklicher Note und eigener Identität, die neben einer ästhetischen Komponente dem Besitzer wirklichen Nutzen bieten.

Michael Hilgers, Tischler und Architekt, entwickelt in seinem Berliner Designbüro seit 2001 Möbel für unterschiedliche Auftraggeber

Steckbrief

Die Müller Möbelwerkstätten in Bockhorn stellen nach Entwürfen externer Designer Möbel in klarer Formensprache her. Legendäres Produkt ist die Stapelliege von Rolf Heide. Der Sekretär Flatmate von Michael Hilgers ist ebenfalls auf dem Weg zum Evergreen.

www.muellermoebel.de

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