Innenausbau

Die Siegermacher

Peter Krauß, der aktuelle Sieger im bundesweiten Leistungsvergleich, erlernte sein Handwerk in der Schreinerei Korder. Schon vor ihm waren über zwanzig Azubis von Korder überregional erfolgreich. Ein Gespräch mit Claudia und Rainer Korder darüber, wie Ausbildung gelingt.

Nach gemeinsamer Ausbildung zum Meister und Gestalter in Stuttgart bleiben wir auch im Interview beim Du. Gratulation an Euch, den Ausbildern von Peter Krauß – dem Bundessieger.

Claudia Korder: Danke. Das freut uns schon, der Erfolg von Peter. Das ist eine schöne Anerkennung für unser Engagement in der Ausbildung. Vor allem weil es die Kontinuität unserer Ausbildung bestätigt. Mit uns meine ich alle unsere Mitarbeiter, denn die prägen die Entwicklung der jungen Kollegen.
Was sollte ein angehender Schreiner mitbringen, um bei Euch eine Lehrstelle zu erhalten?
Rainer Korder: Das A und O ist die Bereitschaft zu einem Praktikum. Mindestens eine Woche sollte es gehen. In der Real- und Hauptschule ist dieser Praxisbezug Standard. Auf einem Laufzettel mit Punkten wie Durchhaltevermögen, Interessen oder soziales Verhalten vermerken unsere Mitarbeiter aus Werkstatt und Montage ihre Eindrücke. So eine Woche zeigt viel über die Motivation eines Jungen oder eines Mädchens – und die ist entscheidend!
Wie werden daraus dann Kammer- oder Landessieger?
Claudia Korder: Einen qualifizierten Hauptschulabschluss sollten die Jugendlichen schon mitbringen. Denn der theoretische Kram wird immer komplexer mit CNC-Bedienung usw. Jeder Bohrautomat ist inzwischen digital einzustellen. Für einen Landessieger bedarf es weiterer Faktoren: Da sind beispielsweise die Eltern ganz wichtig, deren Interesse daran, wofür sich das eigene Kind engagiert.
Zwei Jahre habt Ihr Zeit im Betrieb, um qualifizierte Schreiner zu formen. Wie gelingt das?
Claudia Korder: Als Gestalterin plane ich teils recht anspruchsvolle und gelegentlich sogar recht exotische Projekte wie zuletzt in Lugano oder an der Côte d’Azur in Nizza. Weshalb erzähle ich das beim Thema Ausbildung? Zum einen motivieren solche Highlights gerade unsere Jüngeren. Zum anderen haben wir beim Entwerfen unsere Auszubildenden mit im Blick. Wenn es ein Projekt zulässt, planen wir bewusst individuelle Furnier- oder Massivholzarbeiten oder Einzelmöbel mit ein, die dann nicht nur kostenbewusst gefertigt sein müssen. Da darf der Lehrling traditionelles Handwerk anwenden und vertiefen. Das spornt an und schafft Zufriedenheit.
Weshalb geht Ihr den Weg solch anspruchsvoller Ausbildung?
Rainer Korder: Wir bilden nicht aus um Pokale zu sammeln. Wir bilden aus, um die Qualität in unseren Werkstatt- und Montageteams ganz oben zu halten. Teils haben wir sehr, sehr – wie sagt man da – »anspruchsvolle« Kunden. Da ist die gute Ausbildung meine Rückversicherung, dass es keine Angriffspunkte für Reklamationen gibt.
Dann ist die Ausbildung indirekt ein Teil Eures Geschäftsmodells?
Rainer Korder: Das kann man so sehen. Wenn top gearbeitet und top die Baustelle übergeben wird, dann sind das ideale Referenzen. Gut ausgebildete Gesellen sind gute Vorbilder für die Azubis. Da möchte ich beispielhaft unsere beiden treuesten nennen: Unser Leiter der Montage, Hartmut Arnold, seit 42 Jahren bei uns, und unser Urgestein und Gesamtleiter der Werkstatt, Richard Ebert, der schon 1973 Kammersieger war. Acht unserer aktuellen Mitarbeiter stehen auf der Liste »Stolz auf unsere Ausbildung«, die auf Erfolge auf Kammer- und Landesebene hinweist. Reklamationsfrei Aufträge durchbringen geht nur mit absolutem Fachpersonal, da sind wir wieder bei der Ausbildung.
Gelingt das immer reibungslos?
Rainer Korder: Eine gewisse Disziplin lebt schon im Betrieb. Als junge Frau oder junger Mann muss man sich da reinfinden. Ein bestimmtes Sozialverhalten und Kritikfähigkeit sollten da sein, sonst sind zwei Jahre im Betrieb eine qualvolle Zeit – für beide Seiten.
Wirken sich Ausbildungserfolge aufs Bewerberinteresse aus?
Claudia Korder: Das schadet sicher nicht. Aber die Vielfalt ist groß. Ein Junge hatte bis auf Sport nur Fünfer und Sechser. Ich habe zuvor noch nie so ein schlechtes Zeugnis gesehen. Durch äußere Umstände war der Junge neben der Spur. Er wollte aber bei uns lernen, er hatte schon immer gern mit Holz gearbeitet. Sein Praktikum hat klasse funktioniert. Ohne Zusage von uns hat er sich im BGJ (Berufsgrundbildungsjahr) angemeldet. Beim Fachverbandstest hätte er ohne Leichtsinnsfehler hundert Punkte erreicht. Zuvor hatten sie den Kerl einfach liegen gelassen. Beim »Tag des Schreiners« brachte er seine Arbeitsproben und Stücke mit – mit einem Strahlen im Gesicht!
Wie könnt Ihr gute Leute dauerhaft halten, wie bleiben die dabei?
Rainer Korder: Wichtig ist die Atmosphäre im Betrieb, und dass Leistung nicht nur finanziell gewürdigt wird. Dazu kommt beispielsweise eine betriebliche Altersversorgung – die führte mein Vater ein als noch kein Fachverband daran dachte. 80 Prozent unserer Mitarbeiter sind länger als zehn Jahre da. Hier um die Ecke sitzt Zulieferer Lechner mit Hunderten Arbeitsplätzen und auch Speedmaster. Doch interessante Aufträge und der Verzicht auf »übertriebene« Arbeitsteilung hilft uns, die Mitarbeiter zu binden. Mit den komplexen Schreinerarbeiten in seinen Büros hat Speedmaster übrigens uns betraut.
Noch ein Wort zu Peter Krauß …
Rainer Korder: Besondere erkennt man sehr schnell am Tempo und der geringen Fehlerquote. Peter ist ein offener Typ, dazu schnell, sehr konstant, kaum Fehler – zumindest für mich nicht erkennbar – und er hat Nerven wie Bandnudeln, die haben nicht viele. Als Peter vom Bundessieg zurückkam habe ich beim Empfang deutlich vor der Mannschaft gesagt: »Ich habe ihn nur ausgewählt, Ihr habt ihn ausgebildet!« Das Interview führte dds-Redakteur Hubert Neumann

Hintergrundinfos
Claudia und Rainer Korder, beide sind Schreinermeister und Gestalter der Fachrichtung Holztechnik
Gemeinsam leiten sie die Schreinerei Korder im 270-Seelen-Ort Insingen-Lohr in der Nähe von Rothenburg ob der Tauber. Der Betrieb mit einem angestellten Meister und zwölf Gesellen bildet seit Jahrzehnten erfolgreich aus.
kw Küchenmarketing GmbH

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