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Der FC Bayern München und ihr Schreinermeister

Neben vielen Vip-Lounges hat Schreinermeister Christian Mittermaier auch die Bayern-Erlebniswelt ausgebaut
Der FC Bayern und sein Schreinermeister

Der FC Bayern hat aktuell einen Firmenwert von einer Milliarde Euro, davon entfallen 640 Millionen allein auf die Marke. Kein Zufall, denn der Fussballclub baut seine Marke strategisch auf. Schreinermeister Christian Mittermaier trägt seinen Teil dazu bei.

Wie kommt es dazu, dass ein Schreinermeister mit einem 20-Mann-Betrieb zentral mitwirkt bei der Markeninszenierung des FC Bayern München? Und das im modernsten Stadion Europas, der vereinseigenen »Allianz-Arena«.

Eigentlich ist es ganz banal: Christian Mittermaier »versteht« die Marke FC Bayern München. »Markenbildung ist wenn der Fan sagt: das ist mein Club« Originalton von Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG bei einem Vortrag zur Marke FC Bayern.
Kunden und Marke verstehen
Als es beim Bau des Stadions im Jahr 2005 darum ging wer den imageträchtigen Ausbau der VIP-Logen in der Münchner Allianz-Arena erhält, hatten sich mehr als 20 Firmen beworben. Im Vorfeld dieser Ausschreibung wollte Christian Mittermaier begreifen, um was es beim Innenausbau in der gehobensten Kategorie eines Stadions geht. Er besuchte die bedeutenden Stadien Europas, wie das »Camp Nou« in Barcelona oder die Londoner Stadien der englischen »Premier League« und nahm die Innenausbauten der dortigen Logen und Merchandisingbereiche unter die Lupe. Mit diesem Verständnis entwickelte er seine Entwürfe, baute auf eigene Kosten zwei Musterlogen und setzte sich so gegen alle Mitbewerber durch. Er überzeugte auch gegenüber dem Konzept der Architekten Herzog und de Beuron, Planer und Erbauer des 340-Millionen-Projektes »Allianz-Arena«. Für 40 dieser prestigeträchtigen Firmen-Dependancen bekam er den Auftrag in Millionenhöhe, darunter die Ausbauten solch namhafter Player wie Bosch, Siemens, Allianz und Coca Cola. Mittermaier baute auch die Loge des FC Bayern aus. In der Realisierungsphase der Logen war die Schreinerei Mittermaier für Mieter und Architekten der zentrale Ansprechpartner, der als Generalunternehmer bis zu 20 Gewerke zu koordinieren hatte. In den letzten fünf Jahren hat die Schreinerei weitere zehn Logen ausgestattet.
An der Marke FCB teilhaben
Die Logen spülen viel Geld in die Kassen des FC Bayern bzw. die Logen sind Zugabe zum millionenschweren Engagement der Sponsoren. Die Zusammenarbeit unter Topmarken ist langfristig angelegt und macht den Fußballclub finanziell unabhängig vom kurzfristigen sportlichen Erfolg. Die Marke FC Bayern ist so stark, dass beispielsweise die Deutsche Telekom als Hauptsponsor 30 Millionen Euro jährlich überweist.
Begonnen hat der Markenaufbau des Fußballclubs auf einer Reise in die USA, als Anfang der Neunziger Jahre Manager Uli Hoeneß und Vorstand Karl-Heinz Rummenigge bei Basketball- und Football-Clubs das Merchandising und Sponsoring mit Premiumpartnern kennengelernt haben. Zurück in München stellten sie sich die Frage: Was davon sollen wir in unserem Verein umsetzen? Später verwandelten Ölmilliardäre die Fußballwelt in England. Hoeneß und Rummenigge analysierten diesen Wandel und stellten dann ihren Club eigenständig auf mit Merchandising, Fanshops, Sponsoring und Onlineaktivitäten. Heute zählt der Verein 170 000 Mitglieder, hat 3000 Fanclubs mit über 200 000 Fanclub-Mitgliedern und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von über 350 Millionen Euro. Uli Hoeneß, heute Präsident und zuvor 30 Jahre lang Manager des Clubs, hat schon als Kind an der Kasse der elterlichen Metzgerei gelernt, dass gute Ware auch verkauft sein will.
Vertraut mit jedem Sprinkler
Christian Mittermaier ist in der Allianz-Arena zum zentralen Ansprechpartner für viele Baugewerke geworden. Bildlich gesprochen ist er fast mit jedem Sprinklerkopf vertraut – und das in einem 50 m hohen Stadion-Oval mit sieben Etagen. Mittermaier hat verinnerlicht wie flexibel Innenausbauten konstruiert sein müssen, wenn sie sich im Fugenbereich des Stadions befinden. Bis zu 30 cm dehnt sich das Gebäude aus, verteilt auf drei breite Fugen, wenn an Spieltagen 71 000 im Gleichklang springende Fans die Ränge der Arena ins Schwingen bringen. Am Tag des dds-Besuchs wechselten die Schreiner von Mittermaier in 34 Toilettenräumen die Waschtischeinbauten gegen wertigere Lösungen aus HPL-Vollkernmaterial. Im Pressekonferenzraum machten sie den letzten Feinschliff an der medienwirksamen Theke.
Als der FC Bayern den lang gehegten Wunsch nach einem eigenen Museum anging entwickelten die Gestalter vom Büro Ranger-Design diese Inszenierung des Mythos und der Marke FC Bayern. Der Auftrag für Fertigung und Aufbau ging an Mittermaier. Auf rund 3000 m² Erlebniswelt haben seine Schreiner etwa 400 Monitore, Mediaterminals und teils lebensgroße Videowände in den Wandaufbauten integriert. Der Ausgang aus der Erlebniswelt führt über das Fanartikelsortiment im 1000 m² großen Verkaufsraum Megastore, vom Designerteam Gruschwitz geplant. Der Umsatz in der von Mittermaier gelieferten Ladeneinrichtung mit 16 Kassen sorgt dafür, dass der FC Bayern auch künftig Aufträge an Handwerker vergeben kann. HN

Projektbeteiligte
Schreinerei Hans Mittermaier, Schreinermeister Christian Mittermaier, 24 Mitarbeiter, 83132 Pitthart www.mittermaier-schreinerei.com
Konzept Erlebniswelt: Ranger-Design, 70469 Stuttgart, www.ranger-design.com Konzept Megastore: Gruschwitz GmbH, 80638 München, www.ranger-design.com
Auftraggeber: FC Bayern München AG, www.fcb.de, über Allianz-Arena München Stadion GmbH, www-allianz-arena.de
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