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Wirtschaftlicher Schaden durch Absage der IHM immens

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Wirtschaftlicher Schaden durch Absage der IHM immens

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Beim Wirtschaftsgespräch anlässlich der Absage der Internationalen Handwerksmesse 2020: (v. l.) Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstags, Dieter Dohr, Vorsitzender der Geschäftsführung der Gesellschaft für Handwerksmessen und Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks Foto: GHM

Nach der Absage der Internationalen Handwerksmesse (IHM) 2020 haben die Betroffenen im Rahmen eines Wirtschaftsgesprächs über die Folgen diskutiert. Dabei wird eines klar: Das Handwerk ist eine Wirtschaftsmacht.

Die Absage der IHM auf dringende Empfehlung des Corona-Krisenstabs der bayerischen Staatsregierung bringt zahlreiche Folgen für Aussteller, Partner, die Stadt München mit ihren Restaurants und Hotels sowie für den Messeveranstalter GHM mit sich. Monate, Wochen und Stunden an Arbeit seitens vieler Akteure werden erstmals in 72 Jahren Messegeschichte keinem Weltpublikum präsentiert.

Die Folgen sind für alle Beteiligten gravierend und reichen dabei weit in die Kapillaren der Wirtschaft hinein. Dazu Dieter Dohr, Vorsitzender der Gesellschaft für Handwerksmessen mbH als Veranstalter: »Im Durchschnitt haben in den letzten Jahren 1.000 Aussteller ihre Produkte und Marktneuheiten 110.000 Besuchern gezeigt. Dabei wurde in den letzten fünf Jahren laut des unabhängigen Messe-Marktforschungsinstituts Gelszus bei unseren Ausstellern jährlich für rund 42 Mio. Euro eingekauft beziehungsweise Aufträge erteilt.«

Einschnitte für alle Beteiligten

Start-ups und Handwerksbetriebe haben unter hohem Druck Innovationen im Hinblick auf die bevorstehende Messe entwickelt, die sie dort präsentieren wollten.

So zum Beispiel die Firma TCA.systems aus Völklingen im Saarland, die vor zwei Jahren gegründet wurde. Das Start-up wollte seine Erfindung, ein innovatives, umweltfreundliches Lüftungssystem, in der Sonderschau »Innovation Gewinnt!« zeigen. Ein Viertel ihres Marketing-Jahresbudgets investierten sie in ihre Messe-Präsentation. Firmen-Gründer Yannik Hoffmann sagt: »Als Start-up für das Handwerk trifft uns die Absage finanziell, aber vor allem in unserer Entwicklung, schwer.«

Auch für den siebenköpfigen Familienbetrieb, die Schreinerei Liedl aus Pfarrkirchen in Niederbayern, ist der Wegfall der Internationalen Handwerksmesse 2020 ein harter Schlag. Seit rund 40 Jahren stellt die Traditionsschreinerei in München aus. »Durch die Geschäfte auf der Handwerksmesse erzielten wir im Durchschnitt die Hälfte unseres gesamten Jahresumsatzes«, sagt Inhaber Stefan Liedl.

Nachwuchs-Plattform fehlt

In Zeiten, in denen vor allem junge Talente und Fachkräfte dem Handwerk fehlen, ist die IHM die Plattform schlechthin für Schüler und Jugendliche, um die Vielfalt der Handwerksberufe zu erleben. Auch diese Möglichkeit fällt 2020 weg. Dazu Werner Plaschke, Obermeister der Schreiner-Innung in München, die sich im Rahmen der Sonderschau Young Generation engagiert hätte: »Die Absage ist für uns ein großer Verlust, keine Frage. Vor allem für die vielen Schulklassen, die wir dieses Jahr über die Berufsbilder im Handwerk nicht informieren können.«

Auch verbandspolitisch ist die Absage ein Desaster. »Die IHM ist eine Plattform, die ihresgleichen sucht und zeigt, wie modern das Handwerk ist. Wir wollten unsere Offensive zur Nachwuchsgewinnung vorstellen und haben hierfür extra eine neue Messepräsentation geplant. Das ist ein schwerer Schlag für uns«, sagt Lars Bubnick, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes für das bayerische Fleischerhandwerk und Leiter der Leistungsschau des Metzgerhandwerks auf der IHM.

Hohe Verluste für Wirtschaftsstandort München

Die Effekte vor allem für München und die Region sind mit dem Ausfall der Internationalen Handwerksmesse 2020 vielschichtig. Für Hotellerie und Gastronomie sind große, internationale Messen ein starker Motor, deren Strahlkraft weit über die Grenzen der Landeshauptstadt hinausreicht. Dazu Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Bayern: »Messen sichern Arbeitsplätze und lassen die Wirtschaft einer Stadt pulsieren. Bricht eine Messe weg, ist das ein massiver Einschnitt.« Im konkreten Fall kam es zu massenhaften Stornierungen, die Betriebe existenziell gefährden. Auch wenn sich der Schaden noch nicht seriös beziffern lässt, zeigen Rückmeldungen, dass Hotelgesellschaften und Eventgastronomen Einbußen im hohen sechs- bis siebenstelligen Bereich zu verkraften haben.

Dr. Bernhard Harrer, Vorstand des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr, ergänzt: »Ein durchschnittlicher Übernachtungsgast in einem gewerblichen Beherbergungsbetrieb in München gibt am Tag mehr als 200 Euro aus, bei Tagesbesuchern wird eine Größenordnung von 40 Euro erreicht. Beim Ausfall einer Veranstaltung wie der Internationalen Handwerksmesse können sich hieraus – je nach Besucherstruktur – beachtliche Umsatzeinbußen ergeben.«

Betroffen sind davon nicht nur die Messegesellschaft und die Aussteller, die keine Umsätze tätigen und keine neuen Kundenkontakte generieren, sondern auch Unternehmen, deren Leistungen normalerweise im Umfeld des Aufenthaltes in Anspruch genommen werden. Hierzu zählen beispielsweise Beherbergungsbetriebe, Restaurants oder Verkehrsunternehmen. Auch die zur Durchführung der Messe benötigten Vorleistungen dürfen nicht vergessen werden. Zu nennen sind hier unter anderem Standauf- und -abbau, Caterer und Organisatoren von Rahmenprogrammen.

Hoffen aufs nächste Jahr

Wie die angeführten Beispiele und Statements nur auszugsweise zeigen können, haben Veranstaltungen wie die Internationale Handwerksmesse wichtige wirtschaftliche Effekte. Umso mehr blickt der Veranstalter GHM nach der Absage für 2020 nach vorne und damit auf eine erfolgreiche Internationale Handwerksmesse 2021. Die nächste Veranstaltung findet vom 10. bis 14. März kommenden Jahres statt.

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